Leben
«Männer sind erleichtert, wenn sie nicht den ersten Schritt machen müssen»
Von Michèle Binswanger. Aktualisiert am 27.08.2009
Single Expertin Eveline von Arx.
Zur Person
Eveline von Arx studierte Pädagogik, war in der Hochbegabtenförderung tätig und beriet Jugendliche auf dem Musiksender VIVA Schweiz. Ab 2003 leitete sie das Dr. Sommerteam. Seit Sommer 2008 arbeitet sie als Jugend-Beraterin beim «Blick» und «Blick am Abend» und seit 2009 als Single-Expertin bei Parship.
Die Studie
Die neue Studie der Online-Agentur Parship zeigt, dass die Partnersuche im Internet immer beliebter wird. Die wichtigsten Ergebnisse der Studie:
>Die Online-Partnersuche ist in allen Altersgruppen beliebt. Am wenigsten bei den 14-19-Jährigen, am meisten bei den 40-49-Jährigen.
>12 Prozent der Gesamtbevölkerung haben schon mal einen Partner im Internet kennengelernt.
>Die Nutzer schätzen vor allem die Vielzahl der Kontaktmöglichkeiten und die Anonymität.
>Wer schon mal online einen Partner gesucht hat, findet diese Art der Partnersuche auch romantisch.
>Männer verstehen unter Romantik allgemein Dinge wir ein Candle-Light Dinner, Frauen eine kleine Aufmerksamkeit im Alltag wie ein liebevolles SMS.
Immer mehr Menschen suchen einen Partner im Internet. Verändert das die Art, wie wir auf andere Menschen zugehen?
Paare, die sich über Dating-Seiten im Internet gefunden haben geben nachher oft an, in einer konventionellen Situation hätten sie sich womöglich gar nicht auf die andere Person eingelassen. Psychologen bestätigen, dass die Suchkriterien im Internet anders sind.
Inwiefern denn?
Bestimmte Plattformen bieten eine gezielte Partnersuche an. Wer sich anmeldet, wird nach Persönlichkeitsmerkmalen abgefragt, die für Partnerschaften wichtig sind. Man sucht also von Anfang an gezielt nach längerfristig passenden Partnern.
Stellt das auch andere Anforderungen an den Kontaktsuchenden?
Natürlich. Man muss erst mal bereit sein, einen Persönlichkeitstest abzulegen, bevor man auf Partnersuche geht. Dazu kommt, dass bei einer Online-Partnersuche alle das erklärte Ziel haben, jemanden zu finden – was im normalen Ausgang ja nicht unbedingt der Fall ist. Das erleichtert vieles. Gerade für Männer scheint es eine Erleichterung zu sein, dass sie nicht immer den ersten Schritt machen müssen.
Das tönt sehr nüchtern, als ob man sich mit einer Bewerbungsmappe gegenseitig vorstellt. Warum empfinden viele die Internet-Partnersuche dennoch als romantisch?
Vielleicht ist die Selektion an sich nicht romantisch. Aber wenn es dann darum geht, Kontakt auszunehmen, wenn also die Begegnung ins Spiel kommt, kann man ja dennoch Schmetterlinge im Bauch haben, man wartet, bis er zurück schreibt usw. Das ist manchmal auch romantisch.
Wie gross sind denn die Chancen, dass es bei jemandem mit ähnlichen Persönlichkeitsmerkmalen auch tatsächlich funkt?
Es geht um eine Mischung aus Gemeinsamkeiten und Ergänzungen. Ob Amorpfeil dann trifft ist nicht mehr in unseren Händen. Letztlich muss auch die Chemie stimmen – und das merkt man nur, wenn man sich dann tatsächlich trifft. Oder bei einem Telefongespräch, denn oft ist die Stimme wichtiger, als der visuellen Eindruck.
Gibt es Zahlen darüber, wie viele Kontakte man bei der Online-Partnersuche im Schnitt aufnimmt, bis man eine Beziehung eingeht?
Unsere Erfahrung zeigt dass sich Partnersuchende ungefähr 10 E-Mails austauschen bis sie telefonieren oder sich persönlich treffen. Das kann natürlich von Mensch zu Mensch verschieden sein.
Ist im Internet nicht die Konkurrenz grösser?
Wer gewillt ist, alles auszuprobieren, hat natürlich viel mehr Möglichkeiten Kontakte aufzunehmen, als wenn er in einen Club geht. Insofern ist die Konkurrenz natürlich grösser, da es mehr potenzielle Partner gibt. Auf der anderen Seite ist es ja genau eine der Stärken von Datingsites, dass die Vorselektion einfacher zu handhaben ist.
Wie erklären Sie sich dass das Internet-Dating in Zürich besonders beliebt ist?
In Zürich gibt es einige Singles, die sehr viel arbeiten, sehr eingespannt sind, Hobbys und fixe Freunde haben und oft nicht mehr viele Leute kennen lernen, die als potenzieller Partner in Frage kommen. Trotzdem sehnen sie sich nach einer längerfristigen Partnerschaft. Ausserdem ist die Akzeptanz dieser Art von Partnersuche gerade in urbanen Zentren sehr gross – übrigens auch in kleinen Dörfern. In Städten mittlerer Grösse hingegen ist die Akzeptanz deutlich kleiner.
Wie erklären Sie sich das?
In ganz kleinen Dörfern sind die Möglichkeiten offenbar sehr beschränkt, also ist die Akzeptanz, jemanden über andere Wege kennenzulernen grösser.
(baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 27.08.2009, 15:26 Uhr
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