Leben
Pizza Macchina
Von Romeo Regenass. Aktualisiert am 04.01.2012 14 Kommentare
Werbevideo für den Pizza-Automaten.
Noch kein Erfolgsrezept
Der Pizza-Automat des Italieners Aldo Leali scheint das Potenzial für eine Erfolgsgeschichte zu haben. Automaten für Teigwaren haben mehr Mühe, sich durchzusetzen – nicht zuletzt aufgrund technischer Probleme.
2008 hat Betriebsökonom Simon Kühne im Technopark Winterthur einen Automaten aufgestellt, der in 90 Sekunden im Dampfkochtopf hohle Spaghetti kocht und die Sauce dazu aufwärmt. Um zu expandieren, gründete Kühne die Don Spaghetti GmbH; heute ist sie in Auflösung begriffen, im Technopark steht schon lange kein Automat mehr. Es heisst, die Maschine sei immer wieder defekt gewesen und habe zu hohe Reparaturkosten verursacht. Solche Probleme führten diesen Frühling auch zum vorzeitigen Abbruch eines Pilotversuchs bei der Agrola-Tankstelle in Pfäffikon ZH.
Ein Teller Pasta für 1 Franken
Beide Maschinen stammen vom deutschen Ingenieur Thomas Boden; die Mattea GmbH aus Dresden verkauft die Automaten. Geschäftsführer Wolfgang Radloff sagt, in den oben beschriebenen Fällen sei die Maschine unsachgemäss behandelt worden, etwa durch Putzpersonal, das die Maschine verschoben habe. Um solche Probleme zu vermeiden, will die Mattea GmbH die Maschinen in Zukunft teilweise selber betreiben und warten.
Tatsächlich haben nicht alle Maschinen dieses Typs technische Macken: Vom Produkt überzeugt sind die Angestellten der Brusa Elektronik AG in Sennwald SG. Etwa 40 Portionen Spaghetti kocht der dort aufgestellte Automat pro Woche, und das seit zwei Jahren. Nun war er zum ersten Mal in Reparatur – und die heisse Pasta wurde schmerzlich vermisst. Kein Wunder: Die Angestellten zahlen pro Portion nur 1 Franken, den Rest übernimmt die Firma. (meo)
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Vor gut zehn Jahren ist die börsenkotierte Westschweizer Firma Tege kläglich gescheitert mit der Idee, Automaten für Pommes frites auf den Markt zu bringen. Seither war es lange ruhig um Maschinen, die fertiges Essen ausspucken. Doch auch in der Schweiz verpflegen sich immer mehr Leute ausserhalb der eigenen vier Wände: Zwischen 2004 und 2010 sind die Ausgaben für Essen und Trinken ausser Haus von 13,4 auf 26,1 Milliarden Franken gestiegen. Das ist fast eine Verdoppelung, und sie erfolgte fast ausschliesslich in der Schnellverpflegung. Wenig erstaunlich also, dass es neue Anläufe bezüglich Automaten-Food gibt.
Aussicht auf Erfolg hat der Italiener Aldo Leali mit dem Pizza-Automaten Piztop, den er zusammen mit Maschinenbauern entwickelt hat. In Italien selbst stehen inzwischen 10 Maschinen, weltweit immerhin schon 100: in Deutschland, Schweden, Norwegen, Kroatien, Saudiarabien, Marokko und Südafrika. Laut Leali backt jede Maschine 30 bis 40 Pizzas am Tag, je nach Standort und Kundenfrequenz. Der Norditaliener will 1000 Automaten bis in zwei Jahren verkauft haben.
Fast wie aus der Pizzeria
In der Schweiz hat der Zürcher Daniel Tarone die Exklusivlizenz für Piztop erworben. Eine Degustation des TA am Standort der ersten Maschine, der Swiss Marketing Academy in Zürich, macht klar: Die Pizza aus der Maschine kommt jener aus der Pizzeria nahe, sie kostet mit 9 Franken aber deutlich weniger. Die Tiefkühlpizza ist in nur zwei Minuten fertig gebacken, der Teig, der auf einem praktischen Faltkarton liegt, ist knusprig, Geschmack und Aussehen überzeugen. Einziger Nachteil: Die Auswahl ist auf zwei Sorten begrenzt. Doch für die Schüler der Abendkurse der Academy zählt vor allem: Sie erhalten eine warme Mahlzeit, die schmeckt.
Als Italiener stellt Tarone hohe Ansprüche an eine Pizza. Deshalb stammen jene für seine Automaten, die vor dem Tiefkühlen zu 80 Prozent vorgebacken werden, aus dem Pizzaofen des Restaurants Bären in Wohlen AG. Der Lieferant aus Italien, den er zu Beginn hatte, war günstiger, überzeugte aber qualitativ nicht. Technisch ist die selbstreinigende Backmaschine so ausgereift, dass kaum Pannen auftreten. «Sonst würde das nie rentieren», sagt Tarone.
40 bis 50 Pizzas pro Tag
Seit Mitte Dezember hat Bären-Wirt Tiziano Di Chiara vor seinem Restaurant selbst einen Automaten aufgestellt. So können Nachtschwärmer und andere Hungrige in Wohlen nun 24 Stunden am Tag eine warme Pizza geniessen – hier für 10 Franken das Stück. «Wir haben am ersten Wochenende über 100 Pizzas verkauft, jetzt sind es immer noch 40 bis 50 Stück pro Tag», freut sich Di Chiara. Die 24-Stunden-Verfügbarkeit ist auch an anderen Standorten das beste Verkaufsargument – etwa in Schulen, Jugendherbergen, Tankstellen oder Unternehmen mit Schichtbetrieb.
In Di Chiara hat Tarone einen ersten Geschäftspartner gefunden. Weitere sind willkommen. Tarone sucht zudem Franchisenehmer, welche die Maschine an geeigneten Standorten in der Schweiz aufstellen und die Pizzas über ihn beziehen. Unternehmen, die ihre eigenen Pizzas anbieten wollen, verkauft der Jungunternehmer die Maschine für knapp 30'000 Franken das Stück. Zu den Interessenten gehört die Kurier- und Pizzeria-Gruppe Dieci, mit noch gewichtigeren Interessenten ist Tarone im Gespräch.
Ein grosses Plus der Pizza-Maschine von Leali ist, dass sie jede beliebige Tiefkühlpizza backen kann. Anders ausgedrückt: Die Qualität der Pizza, die rauskommt, steht und fällt mit der Qualität der Pizza, mit der die Maschine gefüllt wird. Deshalb ist der Automat auch für Pizzahersteller interessant, die sich einen zusätzlichen Verkaufskanal sichern und auf der Maschine gleich noch Werbung für die eigene Marke machen wollen. Der integrierte Tiefkühler fasst allerdings nur 84 Pizzas; regelmässiger Nachschub durch einen Frischeservice ist an gut frequentierten Standorten deshalb Pflicht. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 03.01.2012, 18:28 Uhr
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14 Kommentare
"Immer mehr Leute verpflegen sich ausser Haus". Weshalb? Weil viele Menschen zu faul zum Kochen sind! Das hat nichts damit zu tun, dass man keine Zeit hat. Es gibt auch Gerichte, welche schnell zubereitet sind. Also ist Zeit nur eine faule Ausrede. Essen Sie von mir aus auswärts, aber dann jammern Sie nicht, Sie hätten zu wenig Geld.. denn Fast Food und Essen im Restaurant sind teuer! Antworten
Entgegen den Versprechen der Werbung habe ich noch nie eine Tiefkühlpizza gegessen, die wirklich gut war. Dass nun eine aus dem Automaten, innert 2 Minuten von tiefgekühlt bis heiss "Fast wie aus der Pizzeria" sein soll, kann ich mir schon gar nicht vorstellen. Antworten
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