Leben

Was Ihr Profilbild über Sie erzählt

Von Nicole Althaus (Clack). Aktualisiert am 18.01.2012

Sensible Chefin? Tougher Chef? Bei der Bewertung von Profilen in Business-Netzwerken spielen Geschlechter-Klischees eine entscheidende Rolle. Und können über eine Karriere entscheiden.

Es lebe das Klischee! Profilbilder aus einer Marketingkampagne des Netzwerkes Linkedin.

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Ohne Netzwerk keine Karriere. Das wird Frauen permanent gepredigt. In jedem Führungsseminar werden sie aufgefordert, Seilschaften zu bilden. Jeder Coach mahnt, dass in der Unternehmenswelt die eine Hand die andere wäscht. Und auch, dass Frauennetzwerke eben gerade keine Antwort auf die Beförderungsmaschinerie der filzigen Old-Boys-Netzwerke sind, ist in der Businesswelt kein Geheimnis mehr. Schliesslich ist es nicht so schwierig zu verstehen, dass in einer männerdominierten Welt ein frauendominierter Beziehungskreis eines nicht bringt: Die Nähe zu Entscheidungsträgern. Oder um es in den Worten von Nicoline Scheidegger zu sagen, die sich als Dozentin für Organisationslehre an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften intensiv mit den Eigenheiten firmeninterner Netzwerke auseinandergesetzt hat: Wenn sich Frauen vor allem unter ihresgleichen bewegen, schwächen sie ihre Position. (Lesen Sie auch: «Der wichtigste Karriereentscheid Ihres Lebens»)

Männer netzwerken besser

Nun leben wir ja aber im Internetzeitalter, und Online-Netzwerke haben gegenüber Businessclubs und Militär nicht zu verachtende Vorteile: Das Vernetzen ist einfach und äusserst effizient, das Beziehungsgeflecht übersichtlich und Pflichttermine, die gerade berufstätige Mütter oft an den Rand des organisatorischen Kollapses bringen, entfallen. Doch wer gehofft oder geglaubt hat, dass die Web-2.0-Netzwerke für das weibliche Geschlecht die Eintrittskarte in die «Rotary»-Clubs wettmachen könnte, sieht sich eines Besseren belehrt: Eine Studie des grössten Netzwerks Linkedin hat vor ein paar Monaten bestätigt, dass Männer besser netzwerken, dass sie mehr Kontakte haben und diese auch intensiver pflegen (Lesen Sie dazu auch: «Richtig Netzwerken»). Diese Aussage filterte ein Marktforschungsteam von Linkedin – mit über 100 Millionen Mitgliedern – aus den eigenen Daten heraus.

Vorurteile gedeihen online weiter

Alles halb so schlimm, könnte man denken. Schliesslich haben die Frauen innert nur einer Generation ihren Bildungsrückstand zu den Männern wettgemacht, warum sollten sie also nicht fähig sein, ihre Netzwerk-Kompetenzen auszubauen? Doch die Sache ist ernst: Die Online-Plattformen nämlich werden im Rekrutierungsprozess von Stellen immer wichtiger. Deshalb hat der Lehrstuhl Sozialpsychologie der Universität Duisburg-Essen untersucht, ob Frauen auch im Netz anders bewertet werden als Männer. Konkret hat das Team um Professorin Nicole Krämer getestet, ob der gleiche Lebenslauf unterschiedlich bewertet wird, wenn er mit einem Frauen- oder einem Männerporträt versehen ist. In einem Online-Experiment wurden dazu das Geschlecht und der Attraktivitätsgrad der Netzwerker verändert. Um die Gesichtsmerkmale systematisch kontrollieren zu können, verwendete die Forschergruppe virtuelle Gesichter.

Das Resultat ist niederschmetternd: Die Teilnehmer, welche die Profile bewerteten, waren alles andere als objektiv. Sahen sie das Profilbild eines Mannes vor sich, lasen sie aus dem Curriculum Vitae Ehrgeiz, Selbstbewusstsein und Risikobereitschaft heraus. Sie schätzten einen Mann stets wenig familienorientiert ein. Die Frauen jedoch, wie könnte es anders sein, wurden bei haargenau gleichem Lebenslauf als empfindsam, tolerant, intuitiv und familienorientierter eingeschätzt. Es lebe das Klischee! Oder anders: Gender-Klischees gedeihen im Digital Village offenbar prächtig. Einmal mehr ist damit bewiesen, dass Frauenförderung nur dann etwas bringt, wenn sie den Kopf erreicht.

In Sachen Aussehen scheint das bereits gelungen: Die Untersuchung hat nämlich auch gezeigt, dass attraktive Personen beiden Geschlechts als beliebter eingeschätzt wurden. Das Aussehen ist bei Frauen also nicht mehr wichtiger als bei Männern (Lesen Sie auch: «Das attraktivste Kapital: Schönheit zahlt sich im Beruf aus»). Immerhin.

Auch dass den grössten Einfluss auf den Marktwert bei der Jobsuche weder Geschlecht noch schöne Gesichtszüge haben, sondern der Lebenslauf, kann durchaus als positiv gewertet werden. Fragt sich bloss: Wer hat bei gleicher Qualifikation die besseren Chancen? Der Lebenslauf mit dem durchsetzungsstarken Männergesicht oder derjenige mit dem familienorientierten Frauenporträt?

Hat Ihnen der Beitrag gefallen? Dann lesen Sie auch: «Wie Sie einen schlechten Arbeitstag retten» auf Clack.ch – Ihrem Online-Magazin. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 18.01.2012, 21:03 Uhr


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