Was Sex-Affären über Fussballer verraten

Von Michèle Binswanger. Aktualisiert am 07.09.2010 8 Kommentare

Wayne Rooney ist der jüngste Fall in einer Serie von Sexskandalen im englischen Fussball. Warum diese irrelevant sind und was die Schweizer Fussballer von ihren englischen Kollegen lernen könnten.

Diese Erleichterung! «Rooney wird heute trotz des Sex-Skandals spielen», titelten die Zeitungen. «Wieso trotzdem?» fragte man sich als Leser. Natürlich: Der Mann, der aussieht wie eine Krezung zwischen Bulldogge und Henkeltasse, hätte sich auch umgehend in die Sex-Entzugsklinik verabschieden können, wie zuvor Sportler-Kollege Tiger Woods. Aber wer sich für Fussball interessiert, wird Rooney und Trainer Fabio Capello dafür danken, dass sie dem medialen Gegenwind trotzen. Schliesslich ist er in blendender Form und in einer Entzugsklinik kommt die einfach nicht so zur Geltung.

Moralische Massstäbe

Rooney ist natürlich nicht der erste und er wird auch nicht der letzte Sportler sein, der mit seinem Privatleben Schlagzeilen macht. Gerade die englischen Kicker bewiesen in jüngster Zeit grosses Talent in diesem Genre. Im Februar wurde Abwehrspieler John Terry wegen einer Sex-Affäre als Captain entmachtet. Ebenfalls im Februar machte Ashley Cole Schlagzeilen, weil er seine Freundin betrogen hatte. Auch Peter Crouch hinterging seine Verlobte. Ganz zu schweigen von David Beckham, der immer mal wieder gegen Gerüchte um seine angeblichen Fehltritte kämpft.

Normalerweise müssen Fussballtrainer sich Gedanken über Gesundheitszustand und Fitness ihrer Spieler machen und hoffen, dass sie vom Verletzungspech verschont bleiben. Doch mit Blick auf die jüngsten Skandale um prominente Sportler scheint das heute nicht mehr zu genügen. Kaum war am Sonntag bekannt geworden, dass Rooney sich mit einer Prostituierten vergnügt hatte, stellten die einschlägigen Blätter seine Teilnahme am EM-Quali-Spiel in Frage. Als sei seine Performance auf dem Feld der Moral mindestens genau so bedeutsam wie jene auf dem Fussballplatz.

Keine Abschuss-Hemmung

Aber warum sollten gerade Sportlern besser sein als alle andern? Auch viele Schauspieler, Unternehmer und Musiker pflegen ein ansehnliches Sündenregister, von der Durschnittsbevölkerung ganz zu schweigen. Doch dort käme niemand auf die Idee, dass ein Prostituierten-Besuch die Karriere beenden muss, oder dass jede Verfehlung mit einer Einweisung in die Sex-Entzugsklinik abgebüsst werden muss. Dafür haben wir schliesslich Tiger Woods. Das liegt vielleicht auch daran, dass das Bruttosozialprodukt unter solchen Massnahmen empfindlich leiden könnte.

Natürlich ist Sport heute auch Unterhaltungsbusiness – und natürlich haben Sportler eine Vorbildfunktion für Junge. Aber sind sportliche Leistungen und eine moralische Lebensführung zwei verschiedene Kapitel. Und letzteres geht schliesslich nur die Frauen und Freundinnen etwas an. Und wer weiss, vielleicht sind sie sogar ein positives Zeichen. Unsere Sport-Redaktion jedenfalls geht davon aus, dass die Affären der englischen Fussballer vor allem beweisen, dass sie immerhin nicht mit Abschuss-Hemmungen zu kämpfen haben. So gesehen, könnte man sich nur wünschen, dass auch die Schweizer Fussballer endlich ihr Potenzial für Sex-Skandale entdecken. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 07.09.2010, 14:20 Uhr

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8 Kommentare

John Tobler

07.09.2010, 14:27 Uhr
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jeder mann, der über einen solchen status wie tiger, ronaldo oder ähnlichem verfügt, und die frauen sich einem scharenweise anbieten, greift fürher oder später zu. jeder!!! Antworten


Marianne Beidenlahn

07.09.2010, 16:44 Uhr
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Die Schweizer Fussballer sind ja auch nicht besser als Rooney.... Alex Frei hatte früher massenhaft Affairen, genauso wohl auch andere. Gehört einfach zu einem Fussballer. Was solls, ist ja nicht schlimm. Antworten



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