Leben

«Yulyia wird ihr altes Leben zurückbekommen»

Von Nina Merli. Aktualisiert am 04.04.2012 1 Kommentar

Bei einem Autounfall kommt seine schwangere Lebensgefährtin fast ums Leben und liegt monatelang im Koma. Seine Tochter kommt trotzdem gesund zur Welt. Miguel Almoril hat nun ein Buch darüber geschrieben.

1/5 Sprechen von einem Wunder: Yulyia Gregan und Miguel Almoril mit der gemeinsamen Tochter Lena im Sommer 2011.
Screenshot / Youtube

   

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Miguel Almoril und Yulyia Gregan schildern ihr Schicksal im Sat-1-Frühstücksfernsehen. (Quelle: Youtube.com)

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Wenige Wochen vor ihrer Hochzeit verliert die 32-jährige Yulyia Gregan in einer Kurve in der Nähe von Wiesbaden die Kontrolle über ihren Wagen. Die Folgen des schweren Unfalls: Die Wirbelsäule bricht an ihrem Hinterkopf raus, sie erleidet einen Hirninfarkt, und man versetzt sie in ein künstliches Koma. Die Ärzte bezeichnen ihren Zustand als äusserst kritisch, wissen nicht, ob sie die Nacht überleben wird.

Für ihren Verlobten, Miguel Almoril, beginnt an diesem 16.11.2009 das, was er schlicht als «ein Wunder» bezeichnet, wie er gegenüber baz.ch/Newsnet sagt. Denn seine Lebensgefährtin ist zum Zeitpunkt des Autounfalls in der 7. Woche schwanger – und wird einige Monate später im Wachkoma eine kerngesunde Tochter zur Welt bringen. Seit bald einem Jahr kann Yulyia Gregan wieder zu Hause bei ihrer Familie leben.

Ganz auf sich allein gestellt

Doch bis dorthin ist es ein weiter Weg, und Miguel Almoril sieht sich immer wieder mit Rückschlägen und behördlichen Hindernissen konfrontiert. Heikel wird es zum Beispiel, als er sich in den ersten zwei Monaten entscheiden muss, ob er das Risiko, ein behindertes Kind zu bekommen, eingehen will. Die Ärzte verhalten sich dabei neutral, Almoril entscheidet sich für das ungeborene Kind. Seine Partnerin befindet sich immer noch im Koma und soll sich laut Ärzten «niemals davon erholen». Doch entgegen allen Erwartungen kommt Lena am 28.5.2010 «zwar acht Wochen zu früh, aber kerngesund per Kaiserschnitt zur Welt – ein Wunder», so Almoril. Die Mutter ist immer noch stark traumatisiert, Kommunikation ist bis auf ein paar kurze Worte nicht möglich.

Während dieser schwierigen Zeit führt der IT-Berater, der seither nur noch Teilzeit arbeitet, ein Tagebuch. Jetzt hat er das Erlebte in einem Buch, das soeben erschienen ist, verarbeitet. Damit möchte Almoril all jenen, die eine ähnliche Situation erleben, Mut machen. Doch es steckt auch eine weitere Motivation hinter dem Buch «Gegen jede Prognose»: Laut eigenen Angaben will Almoril mit seinem Buch für eine Veränderung des deutschen Gesundheitssystems kämpfen. Insbesondere der MDK (Medizinischer Dienst der Krankenversicherung) ist dem Mann ein Dorn im Auge. Der MDK ist ein Beratungs- und Begutachtungsdienst der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung in Deutschland. So sind Krankenversicherungen verpflichtet, den MDK bei Leistungsentscheidungen als Begutachter zu beauftragen, der dann über eine allfällige Arbeitsunfähigkeit oder über den Umfang und die Dauer eines Rehabilitationsaufenthaltes entscheidet, und zwar oft zuungunsten der Patienten, ist Almoril der Meinung.

Kampf gegen die Behörden

«Der MDK nimmt Menschen, die wieder eine Chance auf ihr Leben haben, jede Unterstützung», sagt Almoril. Hätte er nicht unermüdlich um seine Frau gekämpft, wäre ihr Zustand heute wahrscheinlich ein anderer. Während der Reha war Yulyia Gregan schwanger und konnte nur bedingt therapiert werden. Erst als sich etwa sieben Wochen nach der Geburt ihr Hormonhaushalt wieder normalisiert hatte, begann sich die Frau zu erholen. Doch zu diesem Zeitpunkt erhielt Almoril das erste Schreiben seiner Krankenversicherung: Der Rehabilitationsaufenthalt sollte aufgrund fehlender Fortschritte eingestellt werden.

Almoril lässt nicht locker. «Ich habe Yulyia die ganze Zeit nie aufgegeben, ich wusste, dass sie wieder zu sich kommt», sagt Almoril. Sein Einsatz zahlt sich aus: Seiner Lebensgefährtin wird im August 2011 ein weiterer, vierwöchiger Reha-Aufenthalt zugesprochen. Doch schon nach zwei Wochen wird Almoril von der Reha-Leitung informiert, dass der Aufenthalt auf keinen Fall verlängert werden könne, weil die Fortschritte zu klein seien, ansonsten bekäme man «Ärger mit dem MDK». Also bezahlt Almoril den letzten Klinikaufenthalt aus eigener Tasche. Dieses Geld möchte er nun zurückerstattet haben. Vor allem auch, weil der Familie seit Yulyias letztem Reha-Besuch die zuvor zugesprochene Pflegestufe III (Schwerstpflegebedürftigkeit) wieder gestrichen wurde und ihnen somit viel Unterstützung genommen wurde.

In der Zwischenzeit versucht Almoril, seinen komplett veränderten Alltag zu meistern. Dazu gehört die Pflege seiner Frau genauso wie die seiner Tochter. Ein Versandhaus, das vom Schicksal der jungen Familie gehört hatte, finanzierte ein Jahr lang eine Nanny. Seit Ablauf dieser Frist geht Lena in eine Kindertagesstätte und die Grosseltern sind vor allem eingesprungen. «Ohne ihre Unterstützung wären wir am Ende», sagt Almoril. Trotz der schwierigen Umstände bezeichnet sich Almoril als überaus glücklichen Menschen. Er ist überzeugt, dass Yulyia «ihr altes Leben zurückbekommen wird». (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 12.04.2012, 10:44 Uhr

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1 Kommentar

Margot Helmers

12.04.2012, 21:16 Uhr
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Ich habe vor ziemlich genau einen Jahr einen Bericht über die Familie gesehen. In dem sagt er, da war er noch EDV - Sachbearbeiter, sie wollen in die Schweiz wegen besserer Physiotherapie für die Frau. Doch nicht...ansonsten wünsch ich der Familie alles Gute. Antworten



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