Muss ich jetzt meinen Hausarzt wechseln?

Wenn Patienten von weiblichen Ärzten behandelt werden, sinkt ihr Sterberisiko. Medizin-Professorin Elisabeth Zemp interpretiert das überraschende Resultat einer Harvard-Studie.

Medizin ist auch Gender-Sache: Szene aus der TV-Serie «Grey's Anatomy».

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Frauen seien die besseren Ärzte als Männer – muss ich jetzt meinen Hausarzt wechseln?
Nein, aber sprechen Sie doch mit ihm darüber!

Wie erklären Sie sich die Resultate der Studie?
Die Vermutung ist, dass Ärztinnen stärker als Ärzte klinische Richtlinien befolgen. Dies wurde in anderen Studien dokumentiert. Diese stärkere Beachtung von evidenzbasierter Medizin – Medizin gestützt auf empirisch nachgewiesenen Wissensgrundlagen – könnte als Begründung der beobachteten Unterschiede bereits genügen. Weitere Ursachen könnten in der stärkeren Patienten-Orientierung von Ärztinnen und in einer unterschiedlichen Kommunikation liegen. Beides wurde in Studien beschrieben.

Die Studie – Eine Harvard-Studie von über 1,5 Millionen Krankenhausaufenthalten belegt, dass Patienten, die von Ärztinnen behandelt werden, in einem Zeitraum von 30 Tagen eine niedrigere Sterblichkeitsrate hatten und weniger oft neuerlich ins Krankenhaus aufgenommen werden mussten. Dabei zeigte sich der grössere Behandlungserfolg von Ärztinnen über alle Krankheitsbilder hinweg und egal wie fortgeschritten die jeweilige Erkrankung bereits war.

Sehen Sie in der Schweiz denn ähnliche Tendenzen wie jene, die in der Harvard-Studie festgestellt worden sind?
Meines Wissens gibt es in der Schweiz nur Studien, die Behandlungsunterschiede in Abhängigkeit vom Geschlecht der Patienten aufzeigen – nicht vom Geschlecht der Ärzte.

Die Harvard-Studie fokussierte sich auf Patienten, die in der Inneren Medizin hospitalisiert waren. In welchen anderen Bereichen sind Frauen auch «besser» als ihre männlichen Kollegen
? Belegt sind bessere Resultate bei der Diabetes-Behandlung und auch bei der Bluthochdruckbehandlung. Zudem gibt es Studien, die zeigen, dass Ärztinnen mehr präventive Versorgung machen als Ärzte.

Gibt es auch das Gegenteil: medizinische Bereiche, wo typisch männliches Verhalten ein Vorteil ist?
Das scheint mir möglich, aber ich kenne keine wissenschaftlichen Arbeiten, die aus dieser Perspektive angelegt sind.

Was ist aus der Studie mitzunehmen: Wie bringt man männliche Ärzte dazu, sich «weiblicher» zu verhalten?
Das eigene ärztliche Handeln im Hinblick darauf zu reflektieren, dass man nicht alle Patienten gleich behandelt, ist kein leichtes Unterfangen. Ein erster Schritt: indem man Ärzten und Ärztinnen solche Studienergebnisse vorlegt und diese zum Gegenstand von Fortbildungen macht. Und natürlich gehört das auch bereits ins Studium. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 03.01.2017, 16:46 Uhr

Elisabeth Zemp (62) lehrt und forscht am Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Institut zu Gesundheit und Geschlecht.

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