Die zwei Gesichter des David Beckham

Viele Promis eifern heutzutage dem Image eines Heiligen nach, doch es steckt immer ein Mensch hinter der Fassade.

Welch Zufall: David Beckham an einer Unicef Veranstaltung.

Welch Zufall: David Beckham an einer Unicef Veranstaltung.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Früher zeigten Schauspieler wie Charlie Sheen oder Rockstars wie Lemmy Kilmister der Welt ihr wahres Ich, indem sie saufend und Hotelzimmer-demolierend von einem Groupie zum nächsten zogen. Heute ist es genau umgekehrt: Berühmtheiten lassen keine Gelegenheit aus, die Öffentlichkeit durch ihre Taten zu überzeugen, was für gute, ehrbare und anständige Menschen sie sind. Meistens klappt das ja ganz gut. Fliegt die Maskerade aber auf, wie jetzt bei David Beckham, ist der Aufschrei gross.

«Sofern es nicht Ritterschaft ist, f*** dich!» Eines ist gewiss: Einen «Sir David» wird es nie geben. Manchmal lassen einen die Emotionen die Herrschaft über die Vernunft verlieren, wahrscheinlich waren es solche Momente, in denen «Becks» in einer Anwandlung von Raffgier und Übermut E-Mails versandte. Durch Football Leaks und Spiegel haben wir erfahren, dass er nicht sein eigenes Geld in ein Charity-Dinner investieren wollte. Er wollte nicht mit dem Privatjet eines Sponsors zum Unicef-Termin fliegen, verlangte stattdessen von der Organisation einen bezahlten Businessclass-­Flug. Er liess den Termin einer Wohltätigkeitsveranstaltung verschieben, um Steuern in England zu umgehen.

Durch seine Charity-Arbeit erhoffte er sich den Ritterschlag – per Instagram sandte er eine ganze Reihe Komplimente an die Queen. Aber auch das Bezirzen der Monarchin war nicht von Erfolg gekrönt, David Beckham wurde die Ritterschaft verweigert. In den ge­­leakten E-Mails wetterte er über den Ehrenausschluss: «Sie sind ein Haufen F***en.»

Seine wahren Gedanken hat «Becks» stets hinter der Fassade des Mustermenschen versteckt. Das ist unaufrichtig und scheinheilig. Aber er wird nicht der einzige Promi sein, der im Privaten austeilt. Er nannte die Komitee-Mitglieder alte Knacker – das sind sie wahrscheinlich. Es gibt wohl kaum einen Schauspieler, der im Geheimen nicht lästert über die alten Säcke der Academy, wenn er erfährt, dass er bei der Oscar-Nominierung übergangen wurde. Beckham leistete Charity-Arbeit, weil er unbedingt Sir sein wollte. Es gibt wohl kaum einen Star, der sich aus Promozwecken noch nicht nackt für Pelz ausgezogen hat oder noch nicht medienwirksam Kinder in Namibia besuchte, sich für die Gleichstellung in Szene setzte, für aussterbende Obstsorten weibelte oder was immer gerade angesagt ist.

Selbstverständlich muss «Becks» die Häme aushalten und auch die Tatsache, dass ihn die Welt künftig nur noch angesichts dieser Sätze beurteilt. Das ist hart, immerhin hat er wohltätigen Einrichtungen jahrelang viel von seinem Geld und seiner Zeit geschenkt, aus welchen Gründen auch immer.

Nur ist «Becks’» Verurteilung durch die Öffentlichkeit genauso fragwürdig: Leute überidealisieren ihre Vorbilder und wundern sich dann, wenn diese Menschlichkeit zeigen. Wer sagt, Stars müssen Heilige sein? Überdurchschnittlich erfolgreiche Leute sind hochgradig ehrgeizig. Weltberühmtheit erlangt man in den meisten Fällen nicht, indem man sich hinter den Kulissen devot gibt und den Lügen, der Verschlagenheit, dem Ränkespiel total abschwört. Herausragende Leistung ist auch gekoppelt an den Beschluss, für seine Ziele ausserordentlich weit zu gehen – und sei es nur, um sich in die feine Gesellschaft zu integrieren, aus der man nicht stammt.

«Becks’» Fehler war, dass er die falschen Pläne verfolgte, den falschen Leuten gefallen wollte. Irgendwann verliert man sich eben in den Genüssen der unheilvollen Allianz von Geld und Ruhm. (Basler Zeitung)

Erstellt: 09.02.2017, 10:01 Uhr

Artikel zum Thema

Es tut mir ja so leid

Kolumne Wer ein Indianerkostüm trägt oder sich ein Bindi auf die Stirn klebt ist neuerdings ein Rassist und muss sich bei der dauerempörten Öffentlichkeit entschuldigen. Mehr...

Einfach nur die Schnauze halten

Kolumne Die Weltretter unter den Stars und Sternchen haben bei Trumps Amtseinführung ihren freien Tag – und entgegen ihrer tief verankerten Überzeugung wird es den Grossteil der Zuschauer freuen. Mehr...

Selektive Werte

Kolumne Verleumdung, Aufruf zur Gewalt, Zerstörung von Eigentum: Es ist offenbar alles cool, solange es sich gegen Trump und seine Anhänger richtet. Mehr...

Paid Post

Wohnzimmer im Garten

Die Menschen finden nach einem hektischen Arbeitstag vermehrt Ruhe und Entspannung in ihrem Garten.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Touren durch die Vereinigten Staaten: Die Patrouille de France passieren zum Gedenken an das hundertjährige Jubiläum des Eintritts der USA in den ersten Weltkrieg und der Verbundenheit zwischen der USA und Frankreich, die Freiheitsstatue und Ellis Island in New York. (25. März 2017)
(Bild: Richard Drew (Ap, Keystone)) Mehr...