Leben
Heuschnupfen: Wer heilt, hat recht
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In der Schweiz leben rund 1,4 Millionen Menschen, die sich Jahr für Jahr mit Heuschnupfen herumplagen, manche bis weit in den Herbst hinein. Kein Wunder, dass bei dieser grossen Zahl Betroffener auch der Heilmarkt die buntesten Blüten treibt. Von einem «fototherapeutischen Anti-Allergie-Gerät» über antarktisches Krillöl (Omega-3-Fettsäuren!) und Schwarzkümmelkapseln bis zur «heilenden Kraft der Pilze» gibt es fast nichts, was angeblich nicht auch gegen die Pollenallergie hilft. Der wissenschaftliche Nachweis, dass diese Mittelchen und Verfahren tatsächlich wirken, ist in der Regel mehr als dürftig. Trotzdem greift ein Grossteil von Heuschnupfen-Geplagten neben Nasenspray und Augentropfen aus der Apotheke auch auf alternative Methoden zurück. Eine Auswahl bekannter und weniger bekannter Hausmittel:
Bienenpollen essen: Bienenpollen dienten den Menschen schon in Zeiten der alten Kulturvölker als Elixier für ein langes und gesundes Leben - und als natürlicher Jungbrunnen. Die Pollen (der von den Bienen befruchtete Blütenstaub) bleiben an den Beinen der Bienen kleben und werden so in den Bienenstock transportiert, wo sie den Larven und Ammen des Bienenvolkes als wertvolle Nahrung dienen. Von den Menschen werden Bienenpollen zur Nahrungsergänzung genutzt, und zwar in getrockneter Form oder als Kapseln und Säfte. Von ihrer Wirkung verspricht man sich Linderung bei Heuschnupfen-Symptomen.
Colostrum: So heisst die Vor- oder Erstmilch, die in den ersten 48 Stunden nach der Geburt in der Mutterbrust gebildet wird. Bei den Kühen heisst sie Biestmilch. Colostrum stärkt das Immunsystem von Neugeborenen nachhaltig. Deshalb werden Colostrum-Produkte (Säfte, Pulver, Kapseln) von der Pharmaindustrie zur Leistungssteigerung bei Hochleistungssportlern, aber auch gegen entzündliche Krankheiten angeboten.
Kräutertee trinken: Zu gleichen Teilen Melisse, Buchsbaumblätter, Johanniskraut, Gelbwurzel und Kuhschelle mischen (oder in der Apotheke mischen lassen) und täglich als Tee trinken oder zur Inhalation verwenden.
Kneippen: Badewanne zur Hälfte mit kaltem Wasser füllen und einige Minuten im Storchenschritt waten. Danach die Füsse nicht abtrocknen, sondern durch Laufen oder Bewegen aufheizen. Die Füsse sollten dazu vor Beginn warm sein.
Kneippsche Waschung: Etwas kaltes Wasser in das Waschbecken oder in die Badewanne laufen lassen und mit einem Waschlappen so schnell wie möglich den ganzen Körper abreiben. Dabei den Waschlappen immer wieder ins kalte Wasser tauchen und auswringen. Die Anwendung wird für morgens empfohlen.
Kochsalzspülungen für juckende Nasen: Dazu einen Teelöffel Kochsalz in 200 ml warmen Wasser auflösen. Nun mit Hilfe einer in der Apotheke erhältlichen Nasendusche die Nase spülen. Man kann das Wasser auch in eine Kanne mit langem, dünnen Hals giessen und dann das Salzwasser ins Nasenloch laufen lassen und wieder heraus. Abwechselnd beide Nasenlöcher spülen.
Nasenöl: Anfangs ätherisches Eukalyptusöl oder Teebaumöl mit Speiseöl im Verhältnis 1:10 mischen und mit Hilfe eines Wattestäbchens in die Nase reiben. Bei guter Verträglichkeit das Mischungsverhältnis auf 3:10 umstellen.
Saunabesuch: Bei moderaten Temperaturen (höchstens 70 Grad) und hoher Luftfeuchtigkeit (80 bis 90 Grad) können Sauna und Dampfbäder angeblich wahre Wunder gegen Heuschnupfen bewirken. Die Wärme und der hohe Feuchtigkeitsgehalt beruhigen die Schleimhäute und lassen sie abschwellen.
Speleotherapie: Eine etwas exotische Variante des Saunabesuchs ist die Speleo- bzw. Höhlentherapie, die in Touristenorten Deutschlands, Österreichs oder in manchen Ländern Osteuropas angeboten wird. Das Versprechen dabei: Wenn sich die kühle Höhlenluft beim Einatmen auf 37 Grad Körpertemperatur erwärmt, kann die Atemluft, um gesättigt zu sein, noch eine ganze Menge Wasser aufnehmen. Dieses Wasser, so die Theorie, wird nun bei der Luftpassage durch die zuführenden Atemwege aus den Schleimhäuten entzogen. Dadurch gehen die Schwellungen angeblich zurück und die Patienten können freier atmen.
Viel Honig von heimischen Imkern essen: Der Körper gewöhnt sich somit möglicherweise an die im Honig enthaltenen Pollen und reagiert nicht mehr allergisch (was theoretisch der Immuntherapie entspricht).
Rasen mähen: Manche Heuschnüppeler wirken der Pollenargie entgegen, indem sie regelmässig den Rasen mähen und sich so den Gräserblüten exponieren. Es wurde schon behauptet, mit nackten Füssen beim Mähen sei der Effekt am grössten. Aus verständlichen Gründen warnen die Experten für Unfallverhütung davor, diesen Tipp zu beherzigen. (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 09.08.2010, 07:51 Uhr
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