Leben

Warten erster Klasse

Von Dieter Liechti. Aktualisiert am 12.11.2009

«Reisende soll man nicht aufhalten», heisst ein altes Sprichwort. Und wenn doch, dann bitte mit Stil. So wie in den edlen Lounges der Swiss und der SBB.

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Die SBB Lounge am Zürcher HB: Edles Ambiente, bequemes Mobiliar, viel Multimedia – doch das kulinarische Angebot ist bescheiden.
Bild: SBB

   

Was an Flughäfen längst zum guten Ton gehört, edle Lounges, soll nun auch den SBB-Kunden die Reise erleichtern: Seit diesem Sommer können sich Reisende in der neuen SBB-Lounge beim Restaurant Au Premier der Hektik im Zürcher HB entziehen. Was so verlockend tönt, hat einen Haken: Genügt beim Fliegen ein Business- oder Firstclass- Ticket, um in der jeweiligen Lounge die Zeit bis zum Abflug zu verkürzen, so muss man bei den SBB schon Inhaber eines 1.-Klass-GA (4850 Franken pro Jahr für Erwachsene) sein, um von dem Angebot zu profitieren.

Ist eigentlich logisch. Denn die edle Lounge im 2. Obergeschoss, die täglich von 6 bis 21 Uhr geöffnet ist, bietet nur Platz für 50 Personen. Dann ist Schluss. Schluss ist aber auch, wenn man in der Lounge fotografieren will. «Wir haben ja schönes Bildmaterial», heisst es bei den SBB. «Ein Fotograf würde die Ambiance und unsere Gäste stören.» Darum haben wir – ohne Bewilligung zwar, aber auch ohne zu stören – digital gefilmt. Auch bei der Swiss.

Die Swiss-Lounges als Vorbild

Und schämen braucht man sich bei den SBB nicht. Im Gegenteil: Vielreisende fühlen sich in den Räumen mit Blick auf den Bahnhofplatz sofort heimisch. Denn die SBB-Planer haben sich ganz offensichtlich die erfolgreichen Swiss-Lounges zum Vorbild genommen. Auch die erste SBB-Lounge ist dementsprechend klar strukturiert: Direkt nach der Eingangskontrolle erreicht man die Bar, geradeaus stehen zwei Computer mit Internetanschluss für die Gäste, links gehts in die verschiedenen Räume. Pardon, Lounges. Nur die haarigen Teppiche und die riesigen Lampen mit dem Schweizer Bergpanorama, die wuchtig von der Decke hängen, sind verspielt.

Auch bei den SBB liegen Zeitungen auf, aber so international wie in der Senator- oder Firstclass-Lounge der Swiss ist das Angebot nicht. Schliesslich reisen die meisten Gäste nicht nach Berlin, New York oder Los Angeles, sondern nach Bern, Neuenburg und Luzern. Dafür ähneln die bequemen Leder- sofas verblüffend den Sitzgelegenheiten in den Swiss-Lounges, und in jeder der drei Lounges versorgt ein Flatscreen die Gäste mit News, und an jeder Wand wacht eine Mini-Bahnhofsuhr über die Pünktlichkeit der SBB.

Bei den SBB leidet man Hunger

Kostenloses W-LAN, Stromanschlüsse und einen Drucker gibts auch bei den SBB, doch damit sind die Gemeinsamkeiten vorbei. Denn während man sein Handgepäck mit in die Swiss-Lounges nehmen darf, bleibt das Reisegepäck bei den SBB draussen. «Für die Aufbewahrung stehen die Schliessfächer im ersten Untergeschoss im Zürcher HB zur Verfügung», heisst es.

Damit kann man leben. Ärgerlicher ist da schon die Tatsache, dass man in der SBB-Lounge zwar kostenlos kalte und heisse Getränke bekommt (nur alkoholfrei), aber wer Hunger hat, muss leiden. Natürlich können die SBB vom Preisgefüge her nicht mit dem kulinarischen Angebot der Swiss-Lounges mithalten, aber ein paar Snacks (aus einem Automaten) oder ein kleines Schöggeli zum guten Lavazza-Kaffee wären sicher eine lohnende Investition. Unabhängig davon sind die SBB auf einem guten Weg: Durchschnittlich nehmen pro Monat schon über 10'000 Gäste ein Timeout in der Lounge.

www.sbb.ch
www.swiss.com
(baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 12.11.2009, 11:20 Uhr


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