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Der Nachtzug nach Barcelona wird eingestellt

Von Peter Aeschlimann. Aktualisiert am 02.10.2012 56 Kommentare

Ende Jahr fährt der letzte Nachtzug von Zürich nach Spanien. Schuld sind die Billigflieger und mangelnde Investitionen in die Wagen. In Richtung Norden rollt das Geschäft besser.

Wird es nicht mehr geben: Nachtzug nach Barcelona im Zürcher Hauptbahnhof (Archivbild TA).

Wird es nicht mehr geben: Nachtzug nach Barcelona im Zürcher Hauptbahnhof (Archivbild TA).

Zu einem Preis von 660 Franken: Reisen im Luxusabteil.

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«Die Suche nach passenden Zügen ist fehlgeschlagen.» Diesen Hinweis bekommt, wer im Internet ein Ticket für den Nachtzug nach Barcelona für nächstes Jahr buchen möchte. Grund dafür sind weder Platzmangel noch technische Probleme. Das Angebot ist schlicht gestrichen worden: Ab dem Fahrplanwechsel im Dezember verlassen keine Nachtzüge mehr den Zürcher Hauptbahnhof Richtung Spanien. Die SBB bestätigen den Abbau, verweisen jedoch für weitere Informationen an die Betreibergesellschaft Elipsos, welche der spanischen (Renfe) und der französischen (SNCF) Staatsbahn gehört. SNCF-Sprecher Frank Paul Weber bestätigt ebenfalls das Aus, kann im Moment aber keine weiteren Angaben machen.

Easyjet halb so teuer

«Wir gehen davon aus, dass die Auslastung immer schlechter geworden ist», sagt Liliane Rotzetter von Railtour, einer Kuoni-Tochter, die sich auf Bahnreisen spezialisiert hat. «Die Nachfrage hat kontinuierlich abgenommen, deshalb ist es für uns kein grosser Verlust.» Die Gründe ortet Rotzetter einerseits bei der Konkurrenz, namentlich bei der Billigfluglinie Easyjet, die von Genf aus Barcelona für weniger als 200 Franken anfliegt. Ein Billett im Nachtzug kostet zwischen 360 (Ruhesessel) und 660 Franken (Gran Clase). Andererseits habe man zu lange nicht mehr in das Rollmaterial investiert, der Charme einer Zugreise sei so nicht mehr erlebbar. Der Nachtzug nach Rom, der Ende 2009 eingestellt wurde, sei eine «Zumutung» für die Passagiere gewesen. Modernere Züge, wie sie etwa nach Deutschland oder Holland verkehren, seien stets besser ausgelastet.

Von einer «ärgerlichen Geschichte» spricht der Zürcher VCS-Co-Geschäftsleiter Markus Knauss. Der grüne Gemeinderat fährt nach eigener Aussage nur mit dem Zug in die Ferien. Jedes Jahr bequem nach Amsterdam, in einem Nachtzug, der immer gut ausgelastet ist. Investiere man nicht in die Dienstleistung, blieben die Passagiere aus. «Und das auf Kosten der Umwelt, wenn sie dafür das Flugzeug nehmen.»

Richtung Norden läuft gut

Gemäss SBB-Sprecher Reto Schärli laufen die Nachtverbindungen Richtung Norden und Osten gut, nach Süden sind die Zahlen jedoch stark rückläufig. In diesem Jahr werde der Nachtzug nach Barcelona aus der Schweiz nur noch von gut 300 Reisenden pro Monat gebucht. «Die Verbindung ist für die SBB defizitär.» Die täglichen Verbindungen (in 11 Stunden von Basel nach Barcelona) würden bestehen bleiben. Weiter arbeite man mit der SNCF und Renfe daran, dass man ab Fahrplanwechsel 2013 mit einer TGV-Verbindung Genf–Barcelona fahren könne. Nachtzüge ab Zürich gibt es noch nach Berlin, Hamburg, Dresden/Prag, Amsterdam, Wien, Graz, Villach/Belgrad und Budapest. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 02.10.2012, 06:40 Uhr

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56 Kommentare

Clina Rüegg

02.10.2012, 07:36 Uhr
Melden 123 Empfehlung 5

Qué lástima! Mit dem Talgo fing die Reise gleich im HB an, wenn man von den Zugbegleitern freundlich auf Spanisch begrüsst wurde. In der Bar ergaben sich oftmals spannende Gespräche und spätestens wenn bei Sonnenaufgang bei Port Bou langsam die Spurbreite gewechselt wurde, war man seelisch und mental in den Ferien. Und jetzt sollen wir uns in einen engen Charterflieger setzen? Schade! Antworten


Urs Ruegg

02.10.2012, 08:29 Uhr
Melden 94 Empfehlung 8

Schade! Ein Problem ist die Marktverzerrung wegen des zu günstigen Kerosins. Dieses sollte ähnlich besteuert werden wie Dieseltriebstoff; damit wäre nicht nur für die Nachtzüge, sondern auch für die Oekologie etwas getan. Antworten



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