Leben

Die Insel mit dem Herzen für Kinder

Von Bernhard Bircher-Suits. Aktualisiert am 06.09.2010

Zypern bietet Familien alles: feinsandige Badestrände, archäologische Stätten und Naturschutzgebiete mit vielen Tieren. Und die meisten Restaurants kümmern sich vorbildlich um die Kleinen. Dabei darf schon einmal ein Teller kaputtgehen.

1/13 Promenade von Paphos.

   

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Tipps&Infos

Anreise: Mit Cyprus Airways mehrmals wöchentlich ab Zürich nach Larnaka, Tickets ab rund 870 Franken, der Transfer mit dem Auto vom Flughafen nach Paphos dauert eineinhalb Stunden.Automiete: www.petsas.com.cy

Unterkunft: Das Coral Beach Hotel & Resort ist ein familienfreundliches 5-Sterne-Hotelin Paphos, Doppelzimmer je nach Angebot ab rund 200 Franken. Für weitere Hotels in Paphos siehe www.bookcyprus.com

Essen: Restaurant Coral Oasis in Paphos, Familienshows jeweils Mo, Di und Sa.Taverne Araouzos im Bergdorf Kathikas.

Tierpark in Paphos: www.pafosbirdpark.com

Allgemeine Informationen: Währung ist der Euro, Schweizer brauchen kein Visum, ein gültiger Pass reicht. Weitere Infos im Web: www.visitcyprus.com

«Familienferien sind eine Erfindung der Reiseindustrie. Urlaube mit Kleinkindern sind keine Ferien, sondern Stress pur.» Diese deutlichen Worte eines Familienvaters sind mir dauerhaft im Gedächtnis haften geblieben. Die Frage ist an sich berechtigt: Kann eine Woche Ferien mit zwei Kleinkindern und vier Gepäckstücken voller Kleider und Spielsachen erholsam sein?

Allein die Wahl einer geeigneten Feriendestination für die ganze Familie ist eine Knacknuss – es gilt, möglichst viele Bedürfnisse unter einen Hut zu bringen: Der fünfjährige Sohn wünscht sich Badeferien am Sandstrand, die zweijährige Tochter brabbelt etwas von «Tiere schauen» und «Sändele». Die Gattin dürstet es nebst einer kindergerechten Umgebung auch nach Sonne und viel Natur. Der Vater schliesslich will vor allem seinen Wissensdurst stillen.

310 Tage Sonne im Jahr

Wer seine Zöglinge nicht der sengenden Hitze und heimtückischen Krankheiten in weit entfernten Badedestinationen aussetzen möchte, für den ist die Mittelmeerinsel Zypern eine gute Wahl. Man entscheidet sich für ein EU-Land mit guter medizinischer Versorgung, Englisch als Verkehrssprache, schönen Stränden und Sonnenschein an 310 Tagen pro Jahr. Einziger Wermutstropfen: Ein Mietauto ist für Reiselustige wegen des nur spärlich ausgebauten ÖV-Systems ein Muss.

Judith Hohl, zufällig meine Sitznachbarin auf dem Hinflug nach Zypern, war während Jahren Reiseleiterin auf der Insel. Sie bestätigt unsere Wahl: «Die Zyprioten haben ein Herz für Kinder.» Sie sollte recht behalten.

Vor und nach dem Hochsommer ist die ehemalige britische Kolonie ein besonderes Paradies für Naturfreunde. Erfreulich: Die Temperaturen steigen im Frühjahr und ab Oktober kaum noch über 30?Grad – für Familien mit Kleinkindern herrscht somit ein ideales Klima.

Handgemachte Pommes frites

Nach zwei Nächten im bekannten Badeort Agia Napa an der Südostküste der Insel reisen wir per Mietauto (Linksverkehr!) weiter in die Hafenstadt Paphos im Südwesten des Eilands. Auch hier finden sich feinsandige Strände und – zur Freude der Kinder – Kindermenüs wie Chicken Nuggets und Pommes frites oder Fischstäbchen mit Reis. Immerhin: Die Pommes in vielen zypriotischen Gasthäusern kommen nicht etwa aus der Kühltruhe, sondern werden frisch von Hand zubereitet. Und: Die zypriotischen Frühkartoffeln sind auch ohne Ölbad eine wahre Gaumenfreude. Eine kleine süsse Aufmerksamkeit für die Kleinen nach der Mahlzeit gehört auf Zypern zudem zum festen Repertoire des Servicepersonals. In Restaurants am Hafen von Paphos wird Kindern sogar eine Gratis-Glace in Aussicht gestellt – so hart ist der Kampf um Besucher in der Randsaison.

In der Taverne Araouzos im Bergdorf Kathikas probieren unsere Kinder an einem Abend nicht etwa nur die einschlägigen Kinderklassiker, sondern vielmehr die landestypischen «Meze». Die vielen kleinen Häppchen geben Besuchern rasch einen Überblick über die kulinarischen Spezialitäten Zyperns. Neben frischem Salat, hausgemachtem Brot und diversen Saucen werden uns Fleischgerichte gereicht, die gegrillt oder gekocht werden. Dabei finden sowohl Schweine-, Rind- und Lammfleisch als auch Hähnchen ihren Weg auf den Tisch in kleinen Schalen. Auf der Rückfahrt nach Paphos geniessen wir auf einem Felsvorsprung den unvergesslichen Blick auf den Strand und das Lichtermeer von Paphos.

Einen weiteren Höhepunkt familiärer Gastfreundschaft erleben wir am nächsten Tag im Restaurant Coral Oasis in Paphos. Der Inhaber Georgiou Kyrialios lässt es hier für uns und ein rundes Dutzend leicht angeheiterter Briten so richtig «krachen» – und das im wahrsten Sinn des Wortes. Seine Flambier-, Tanz- und Jonglierkünste sind urkomisch, und gelegentlich zersplittern auch mal richtige Teller auf dem Steinboden. Der bulgarische Sänger am Keyboard begleitet das Spektakel mit wohl nicht ganz akzentfrei vorgetragenen griechischen Ohrwürmern und lässt Animateur Georgiou zum Höhepunkt auflaufen: dem brennenden Fussboden!

Am nächsten Morgen darf Papa dann auch seinen Wissensdurst stillen, ausgehend vom beschaulichen Hafen in Paphos. Einen Ausflug in die Vergangenheit Zyperns ermöglicht uns ein weitläufiger archäologischer Park. Sogar die Kinder interessieren sich für die vielen «alten Steine». Die Mosaikteppiche der Häuser Dionysos, Theseus und Aion zeigen Szenen aus der griechischen Mythologie und gehören zu den schönsten im Mittelmeerraum.

Auch der Jeep-Ausflug auf die nahe gelegene Halbinsel Akamas lohnt sich für kleine und grosse Entdecker: 530 verschiedene Pflanzenarten wachsen in diesem Naturschutzgebiet. Die in den Felsen grasenden zypriotischen Ziegen sowie eine enge Felsenschlucht sind eine gute Abwechslung zum Sandstrand. Auf der kurzen Wanderung erspähen wir zudem unzählige Vogelarten; ihr lautes Gezwitscher begleitet uns. Zypern dient den Tieren als Nistort und Zwischenstation auf dem langen Flug nach Afrika oder Europa.

Wenige Kilometer von Paphos entfernt, besuchen wir einen langen Strand, den Wasserschildkröten jeweils als Brutplatz nutzen. Weniger naturnah, dafür für Kinder ein unvergessliches Souvenir, ist ein Besuch im privaten Tierpark von Paphos. Die Papageienshow sowie echte Giraffen und viele exotische Vögel lassen die Kinderaugen grösser werden. Der Park mit einem schönen Spielplatz und einer Tierbetreuerin aus Kleinbasel ist einen Abstecher wert.

Ferien, die Spuren hinterlassen

Unsere erholsame Bade-, Natur- und Kulturferienwoche auf Zypern mit zwei Kleinkindern hat gezeigt: Familienferien existieren real und nicht nur im Prospekt. Die «Familienshow» des Restaurantbesitzers Georgiou hinterliess bei unserer Tochter übrigens Spuren: Kaum zurück in Zürich, knallte sie mehrere Keramikteller auf den Boden – und lächelte verschmitzt wie der Animateur in Paphos. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.09.2010, 08:48 Uhr

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