Leben
Die schlimmsten Mitmenschen auf Reisen
Von Norbert Raabe. Aktualisiert am 01.09.2011 130 Kommentare
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DIE SCHMUTZFINKEN
Von allen Mitreisenden sind sie es, die laut einer Kurzumfrage in der Redaktion von baz.ch/Newsnet am stärksten ins Auge fallen und in der Nase stechen. Vom Geruch kalter Zigaretten oder Knoblauchfahnen gehen die Klagen bis zu Socken-Odem auf dem Nebensitz, wenn der Gegenüber sich’s gemütlich macht. Ein Kollege klagte gar über «tätowierte Bodybuilder in Trägerleibchen» und ihre Ausdünstungen in Form von Flüssigschweiss und Gasen – auch in Folge eiweissreicher Nahrung für den Muskelwuchs.
SAUBERMÄNNER UND -FRAUEN
Das krasse Gegenteil der oben genannten Spezies sind jene ReisebegleiterInnen, die peinlich genau auf ein angenehmes Äusseres und Hygiene achten. Die Dame mit dem Taschenspiegel, die hier eine Braue zupft und dort zu viel Rouge aufträgt, zählt ebenso dazu wie die Seniorin mit dem klassischen Erfrischungstuch, dessen würzig-frischer Duft rasch den Waggon durchzieht. All dies ist freilich harmlos im Vergleich zu Mani- und Pediküren im Abteil, von denen mehrere Kollegen berichten. «Klippklipp» hört man – und schon rieseln die Fingernägel auf den Boden, wo sie lustig unter den Schuhsohlen knacken.
DIE DAMPFPLAUDERER
Dass Reisebusse und Bahnabteile gesellschaftliche Orte sind, verführt Einsame dazu sich mitzuteilen – auch wenn es unerwünscht ist oder nichts zu sagen gibt. Vom eigenen Reiseziel geht es rasch zu den Ferienplänen, mitsamt der miserablen Eigenarten mitreisender Freunde oder Verwandter. Eine Unterart dieser Gattung ist der Bahn-Meckerer, der seinem Zorn über Unpünktlichkeit und schlechten Service lautstark Ausdruck verleiht – und schliesslich sogar den schuldlosen Kondukteur in einen Streit verwickelt. Ein weniger unangenehmer Vertreter der Dampfplauderer ist der rüstige Senior, der sich wohlmeinend an Vergangenes erinnert – mit dem bekannten Bonmot, dass «es früher eben alles besser» war.
AKTIVE ARBEITSTIERE
Strammen Schrittes eilen sie durch das IC-Abteil, die kommenden Topmanager, deren heutiges Salär jedoch nur für die zweite Klasse reicht. Die Enge hält sie nicht davon ab, ihr grosses Notebook auf den Vierertisch zu packen, gefolgt von Ausdrucken mit der Verkaufsliste dieser Erfolgsprodukte oder jener Investmentfonds. Flugs noch das Handy heraus und fertig ist das mobile Unternehmen, dessen Umsatz brummt. Zum Unmut und Platzmangel all jener Mitreisender, die zähe Verhandlungen am Handy und der Termindruck einer harten Branche weniger faszinieren.
DIE GLÜCKLICHE FAMILIE
Ein nettes Ehepaar mit zwei entzückenden Kindern auf den nächsten Plätzen: Wer wollte sich da schon beklagen? Niemand natürlich – solange der Zappelphilipp gegenüber nicht die eigenen Schienbeine als Fussmatte benutzt oder sein Schwesterchen prügelt, dass es schreit. Zu allem Elend ist die Kleine – herrje! – so schlimm erkältet, dass sie ihrem Gegenüber pausenlos ins Gesicht hustet und niesst. Ein höflicher Hinweis an die Eltern führt unweigerlich zu bösen Blicken. Ein Bekannter des Verfassers berichtet sogar, dass eine derart beleidigte Mama – quasi als Strafe – sogleich das Windelwechseln im Abteil in Angriff nahm.
DIE BEZIEHUNGSPFLEGERIN
Auch vor das Familienglück haben die Götter den Schweiss gesetzt, wie dank mobiler Telefone auf Reisen manches Mal zu hören ist. Aus einem kurzen Turteln wird da schnell ein Rosenkrieg, bei dem sie schliesslich lauthals in den Hörer schimpft – über seine Unpünktlichkeit, gebrochene Zusagen und Herzen oder seine Freunde, die rülpsen oder gegen die Beziehung sind. Im Glücksfall für die anderen Passagiere wird der Schlussstrich rasch gezogen – doch manchmal zieht sich das Gezeter auch von Bern bis Basel hin.
GROUPIES UND GRUPPEN
Als Rudelwesen zeigen Menschen im Pulk oftmals ihr lästiges Gesicht. Wie die redseligen Reisegruppen von Senioren, die sich im morgendlichen Pendlerzug die letzten Plätze nehmen und dann das Neueste aus dem Vereinsleben austauschen. Oder die sonst sittsamen Schülerinnen, die auf dem Weg zum Justin-Bieber-Konzert zuerst in Kicherorgien ausbrechen – bald gefolgt von irrsinnigem Gelächter, dass die Zahnspangen nur so blitzen. Eine harmlose Belästigung freilich, verglichen mit den Sportrowdys, die für drei Dinge leben: Alkohol, Abteil zerlegen und sich übergeben.
DIE SITTENWÄCHTER
Wer sich in einer oder mehreren Kategorien nicht wiedererkannt hat, gehört vielleicht zur grossen Gruppe der Bessermenschen – denjenigen, die einen Kollegen des Verfassers von allen am allermeisten stören. Weil sie unentwegt den Kopf schütteln, die Augen verdrehen oder die Stirn in Falten legen, wenn im Abteil auch nur ein Handy piept. Man ist schliesslich im Bus oder Bahnabteil, nicht wahr, und nicht im privaten Auto oder Eigenheim – vielleicht insgeheim auch aus dem Grund, weil es dort nichts zum Ärgern gibt?
Umfrage:
Was haben Sie auf Bahnreisen und in Bussen erlebt? Fehlen in unserer Auflistung noch andere häufige Belästigungen? Und wie reagieren Sie auf Zeitgenossen mit zweifelhaften Manieren? (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 30.08.2011, 14:37 Uhr
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130 Kommentare
Die Hölle, das sind die anderen. Kinder, die zappeln. Junge Frauen, die mit ihren Freunden reden. Jungs, die am Wochenende in Festlaune sind. Damen, die sich schminken. Teenies, die schallend lachen. Eigentlich sind das ja einfach Ausdrücke unseres Mensch-Seins. Jeder, der seine Spontanität nicht selbst abwürgt, wird als Störfaktor empfunden. Eine traurige Gesellschaft... Antworten
Lustig war auch eine Teenie-Quasselstrippe, die Ihrem Freund Details einer gynäkologischen Untersuchung rapportierte. Als es mir zu bunt wurde ergriff ich mein Handy und tat so, als telefoniere ich einem Freund. So laut als möglich erzählte ich ihm, was die junge Dame erzählt. Zunächst war sie irritiert, dann hörte sie auf und verliess und unter Applaus der anderen Passagiere das Abteil. Antworten
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