Leben

Die tödliche Touristenattraktion in Laos

Aktualisiert am 04.07.2012 50 Kommentare

Eimer voller billiger Whiskys, Trinkspiele und ein verhängnisvoller Fluss: Im laotischen Vang Vieng starben im Jahr 2011 mindestens 27 junge westliche Touristen. Augenzeugen berichten.

1/8 Die gefährlichste Touristenattraktion der Welt: Der Fluss Nam Song in Laos.
Bild: Vietnam Tourism

   

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Im vergangenen Jahr starben in der malerischen laotischen Provinz mindestens 27 Touristen – baz.ch/Newsnet berichtete. Die jungen Leute fielen ihrem eigenen Trieb nach grenzenloser Freiheit zum Opfer – einer Freiheit, die sie in hemmungslosem Feiern im Städtchen Vang Vieng suchten. Der einst verschlafene 51'000-Seelen-Ort wird mittlerweile Jahr für Jahr von rund 170'000 westlichen Touristen heimgesucht. Sie geniessen den billigen lokalen Whisky und leicht erhältliche Drogen wie Marihuana, halluzinogene Pilze und Opium.

Zu den Hauptattraktionen gehört ein wenige Kilometer langer Abschnitt des Flusses Nam Song. Seit einigen Jahren hat sich dort das sogenannte «Tubing» etabliert. Dabei treibt man auf Lastwagenpneus auf dem Wasser. Ebenfalls beliebt sind Sprünge aus mehreren Metern Höhe in das trübe Wasser. Zusammen mit dem Alkohol- und Drogenkonsum ist das eine mitunter tödliche Kombination.

Schlechtes Karma im Fluss

Auch ausserhalb der Partymeile Vang Vieng haben die Eskapaden der Westler ihre Auswirkungen. Die traditionell orientierten Bewohner der umliegenden Dörfer können den Fluss nicht mehr nutzen, wie sie es gewohnt waren. Waschen, fischen, baden: all dies ist den Menschen vergangen, weil für sie die vielen Toten schlechtes Karma bedeuten. Ausserdem stossen sie sich an halbnackten, sturzbetrunkenen Westlern.

baz.ch/Newsnet-Leser Stefan Meier (Name geändert) aus dem Kanton Zürich war im April dieses Jahres selbst für wenige Tage in Vang Vieng. Laos sei ein äusserst entspanntes Land. Doch was am Nam Song vor sich gehe, habe er in vergleichbarem Ausmass noch nirgends in der Region angetroffen.

Billiger Whisky, Animatoren, Trinkspiele

«Wenn man mit den gemieteten Pneus beim Einstieg zum Fluss ankommt, erwarten einen erst einmal zahlreiche Bars», erzählt er. Dort warteten billiger Whisky – meist in kleinen Eimern serviert – und Animatoren («allesamt Westler»), die Trinkspiele durchführten. «Wer keine Ahnung hat, wie das läuft, ist schon angetrunken, bevor er auf dem Fluss ist», so Meier. Wer die Fahrt dann endlich antrete, habe es noch lange nicht geschafft: «Kaum auf dem Fluss, folgen weitere Bars, die ihren potenziellen Kunden Seile zuwerfen und ebenfalls mit kostenlosen Willkommensdrinks locken.»

Gefährlich sei neben dem exzessiven Verhalten der Touristen die Unberechenbarkeit des Flusses. «Der Nam Song ist zwar nicht wild. Doch die Wasserstände variieren enorm von Jahreszeit zu Jahreszeit. Da landet ein Gebietsunkundiger schnell einmal auf einem Fels statt im tiefen Wasser.»

Zudem stellten die konkurrierenden Bars wilde Konstruktionen ins und ans Wasser: Schaukeln, Trapezschaukeln und Sprungtürme laden zur Waghalsigkeit ein. «Man fragt sich schon, weshalb die Behörden die Lage nicht strenger kontrollieren», sagt Meier. «Aber wahrscheinlich verdienen zu viele Leute dort zu viel Geld an dem Ganzen.»

«Schämte mich derart, dass ich wieder abreiste»

Auch in den Kommentaren zum Artikel meldeten sich einige Leserinnen und Leser, die das Treiben in Vang Vieng aus eigener Erfahrung kennen – und sie bestätigen die geschilderten Zustände. Cécile Mayor Brooker hat das «Tubing» selbst vor sechs Jahren ausprobiert – allerdings in nüchternem Zustand: « Das besoffen oder unter Drogen zu tun, ist purer Leichtsinn. Wie einige der vor allem jungen Touristen sich benommen haben, spottet jeder Beschreibung – und Kopfsprünge über trübem, unbekanntem Wasser sah ich auch.»

Mike Inderbitzin schreibt: «Seit einigen Jahren besuche ich Laos. Als ich gesehen habe, wie sich junge Westler in Vang Vieng aufgeführt haben, wurde mir schlecht und ich schämte mich für unsereins derart, dass ich nach nur einer Nacht wieder abreiste.»

Und Markus Bopp sieht Handlungsbedarf: «Wo in Vietnam dem Treiben wohl politisch Einhalt geboten würde, getraut sich im mausarmen Laos niemand einzugreifen. Und vermutlich verdienen sich ein paar Politiker und Lokalgrössen eine goldene Nase.» (ami)

Erstellt: 04.07.2012, 22:18 Uhr

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50 Kommentare

Jutta Maier

05.07.2012, 08:39 Uhr
Melden 150 Empfehlung 2

Für mich ist das Darwinismus pur. Wer so bescheuert ist, verdient es nicht, weiter zu leben. Ist bei den Unfällen in der Aare nicht anders: die meisten Ertrinkungsopfer sind alkoholisierte junge Männer, viele davon aus dem Ausland.
Mir tut die Bevölkerung leid, die sich an dieser Dekadenz stossen muss. Und der Fluss, der in seiner Ruhe gestört wird.
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Hugo Held

05.07.2012, 06:05 Uhr
Melden 93 Empfehlung 1

In nichts verglichen mit Südthailand's rituellen Full Moon Partys. Gibt immer wieder Tote, niemand stört sich dran, viele zocken ab, noch mehr haben Spass. Na und?
Denkt ihr an CH-Open-Airs geht's besser zu und her?
Klar, die Einheimischen... Laos hat viel grösseren Schmerz hinter sich als ein paar Touristenleichen.
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