Leben

Himmlischer Weg durch die Hölle

Von Esther Staub. Aktualisiert am 17.06.2010 4 Kommentare

Die Wanderung durch die Tüfelsschlucht vom Solothurnischen ins Baselbiet. Der Weg von Hägendorf nach Langenbruck führt über Brücken und Stege den Felswänden und Steilhängen entlang. Farne, Moose und duftende Blumen säumen den Weg.

1/5 Feuchte Idylle in Grün: Die Tüfelsschlucht.

   

Artikel zum Thema

Stichworte

Wettbewerb

Die Basler Zeitung verlost jede Woche drei Sammlungen der ersten Serie «rausgehen 07/08» und jeden Monat ein GPS-Gerät Garmin Oregon 550 (Wert ca. 800 Franken). Beantworten Sie folgende Frage: Was für ein Handwerk gab dem Cholersbach den ­Namen? ­Senden Sie die Lösung bis zum 24. Juni an: Basler Zeitung, rausgehen, Postfach, 4002 Basel.

Der Regen prasselt ans Fenster und eigentlich hat niemand Lust auf eine Wanderung. Aber der innere Schweinehund ist schnell besiegt und so fahren wir mit der S-Bahn von Basel nach Olten. Mit dem regionalen Anschlusszug geht es weiter nach Hägendorf. Der Einstieg in die Tüfelsschlucht kann nicht verfehlt werden, Wanderwegweiser zeigen auf die nahe Hölle.

Die Tüfelsschlucht hiess nicht immer so. Erst, als der Sage nach der Teufel, welcher mit einer Seele in der Schlucht sein Unwesen trieb, mit einem Pater aus dem Kapuzinerkloster von Olten gekämpft hatte und besiegt wurde, erhielt diese zerklüftete Schlucht am Cholersbach ihren Namen. Der Cholersbach heisst so, weil einst am oberen flacheren Teil des Bachlaufs Köhler ihr Handwerk betrieben. Der Weg steigt beim ehemaligen Kiosk an – und wir sind in einer anderen Welt. Nein, nicht in der Hölle, sondern auf einem wunderschönen, idyllischen, verwunschenen Weg nach oben.

Brücken und Stege

Wir müssen an die zwanzig Brücklein überqueren, auf Holz- und Metallstegen den Felswänden und Steilhängen entlangwandern. Familien mit kleinen Kindern wird geraten, diese an die Hände zu nehmen, da die Wege rutschig sein können und die Kinder unter den Handläufen durchrutschen könnten. Auf grossen Tafeln wird jegliche Verantwortung abgelehnt und darauf hingewiesen, dass man auf eigene Gefahr durch die Schlucht geht. Auch vor Steinschlag und herabfallenden Felsbrocken wird immer wieder gewarnt.

Für Leute mit Höhenangst, die über die Metallstege in das acht Meter unter ihnen rauschende Wasser schauen, wirkt die Kasse an einer Felswand mit der Aufschrift «Spenden für die Erhaltung des Weges» wie Hohn. Volle Konzentration ist gefragt! An diesem kühlen Ort mit viel Nebel, spritzendem, schäumendem Wasser und Schatten wachsen grosse, kleinere und seltene Farne. Moose bedecken die Steine und die vielen unter anderem vom Sturm Lothar gefällten Baumstämme. Duftende Blumen säumen die Wege. Und Modergeruch kitzelt die von der Stadtluft verdorbene Nase. Das Geplauder der Wandergruppe verstummt und alle horchen den nicht alltäglichen Geräuschen und dem Gezwitscher der Vögel irgendwo oben in den Bäumen.

Rund 540 Höhenmeter Höhendifferenz

Beim Überqueren der Strasse können bereits Erschöpfte das Postauto entweder nach Allerheiligenberg und Langenbruck oder aber zurück nach Hägendorf und Olten erreichen. Achtung: Die Kurse verkehren nicht sehr häufig! Wir jedoch wechseln von der zerklüfteten, engeren Unteren Schlucht in die etwas breitere, lieblichere Obere Schlucht. Hier fällt auf, dass das Wasser des Cholersbachs, der östlich von Bärenwil entspringt, trotz Regen nicht mehr an der Oberfläche fliesst. Er bleibt mehrheitlich unterirdisch. Kohlensäure im Wasser hat das Kalkgestein aufgelöst und zu Verkarstungen geführt.

Nach ungefähr anderthalb Stunden Aufstieg öffnet sich vor uns eine grosse Lichtung. Links oben ist die Höhenklinik Allerheiligenberg durch den Nebel sichtbar. Wäre das Wetter besser, würde sich eine wunderbare Aussicht auf Olten und die Alpen anbieten. Weiter geht es von der Strasse rechts weg durch den Wald auf dem Wuestweg hinauf zum höchsten Punkt der Wanderung: die Wuesthöchi auf 966 Meter ü.M. Von Hägendorf bis hier haben wir rund 540 Höhenmeter bewältigt.

Margeriten und Kornblumen

Nach der Pause nehmen wir den Weg geradeaus über eine herrliche Blumenwiese mit Margeriten, Gräsern, Butterblumen, weissem und rotem Klee, Knöterich und vereinzelten Kornblumen durch den Spalenwald hinunter am Hof Rüteli vorbei nach Bärenwil und über die Rinderweid nach Langenbruck. Bald wird klar, dass der Aufstieg einmal mehr angenehmer war als der Abstieg. Die Kniegelenke lassen grüssen!

Dafür müssen wir uns durch beinahe mannshohes Gras kämpfen. Für einmal herrscht nicht Zicken-, sondern Zeckenalarm. Im Wald kurz nach Bärenwil beginnt ein Regenschauer, der sich sehen lassen kann! Trotz Regenschutz erreichen alle die Postautohaltestelle in Langenbruck völlig durchnässt. In Waldenburg steigen wir ins «Waldenburgerli» um und in Liestal warten die Busse der AAGL oder die SBB auf den Weitertransport.

(Basler Zeitung)

Erstellt: 17.06.2010, 15:38 Uhr

4

Kommentar schreiben







 Ausland



Verbleibende Anzahl Zeichen:

Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.

4 Kommentare

Pia Brunner

18.06.2010, 13:45 Uhr
Melden

vielen Dank für die tolle Reportage über die Tüfelsschlucht. Ich habe aber noch eine Frage zu den Metallstegen und Stiegen: Sind diese Streckenteile für Hundepfoten begehbar? Oder muss man Hundeschuhe mitnehmen, weil es viele Gitterrost - Strecken hat? LG P. Brunner Antworten


Gerber Hans

19.06.2010, 08:07 Uhr
Melden

Sehr geehrte Damen u. Herre Vorerst vielen Dank für den tollen Beitrag in der BAZ, welcher mit dem Garmin-Teil gut u. interessant ergänzt wird. Meine Frage zu dieser Tour ist: Kann man diesen Trip auch mit dem Bike machen. Für Ihre Stellungnahme danke ich Ihnen im Voraus. Mfg Hans Gerber Antworten



Leben

Populär auf Facebook Privatsphäre


Grandioses Berg-Erleben.

Weltberühmte Berge und 100 Jahre Jungfraubahn: Sommerurlaub vor der schönsten Kulisse der Welt!

Familie, Beruf und Studium

Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.