Leben
Schweizer Weltenbummler trennte Nabelschnur mit Victorinox-Messer
Kurz vor der Abreise: Dario Schwörer im Jahr 2000.
Die grosse Reise in Zahlen
Die Schweizer Familie Schwörer hat in den ersten sieben Jahren ihrer Weltreise zur Sensibilisierung der Menschen für den Umweltschutz 35'000 Seemeilen und 10'000 Velokilometer zurückgelegt. Die Schörers besuchten 45'000 Schüler in 42 Ländern, haben Vorträge gehalten und bei gemeinsamen Säuberungsaktionen 20 Tonnen Abfall gesammelt. Das Segelboot, mit dem sie unterwegs sind, ist 15 Meter lang und mit Radar, Satellitentelefon, GPS und Autopilot sowie Strom liefernden Solarpanels und Windgeneratoren ausgerüstet. Mitte Februar planen die Schwörers in Phuket zum zweiten Teil ihrer Reise aufzubrechen.
Buch von Marc Zollinger: Die Schwörers – Wie die Welt zum Kinderzimmer wurde. Wörterseh, 248 S. toptotop.org
Als Sabine und Dario Schwörer vor sieben Jahren ihre Weltreise starteten, waren sie ihrer Zeit weit voraus. «Vor zehn Jahren galten Wissenschaftler, die vor dem Treibhauseffekt warnten, noch als Panikmacher», erinnert sich Dario Schwörer. Davon liessen sich der Sarganser Bergführer und Klimatologe und die gelernte Krankenschwester aus dem Thurgau nicht abschrecken. Am 2.Dezember 2002 machten sie sich zu zweit auf, um mit einem Segelschiff, mit Fahrrädern und zu Fuss alle Kontinente und Klimazonen zu bereisen. Auf jedem Kontinent wollten sie jeweils den höchsten Berg besteigen. «Top to Top», Gipfel zu Gipfel, heisst ihr Projekt, mit dem sie insbesondere Kinder für Klimaveränderungen und die Umwelt sensibilisieren wollen. Die Reise war auf vier Jahre angelegt.
Tatsächlich haben sie heute, nach sieben Jahren, noch die Hälfte ihres Weges vor sich. Auf dem Mont Blanc und den höchsten Bergen Südamerikas und Australiens waren die Schwörers zwar schon. Doch es dauerte alles länger als geplant. Zwei grosse Ereignisse bremsten die Reise um die Welt besonders: 2004 eine Kollision mit einem schwimmenden Container im Südpazifik, nach der sie nur mit Mühe Patagonien erreichten. Und: der eigentlich erst nach der Rückkehr vorgesehene Nachwuchs. Inzwischen sind die Schwörers nämlich zu fünft. Salina (4) und Andri (3) kamen in Chile zur Welt, Noé (fünf Monate) in Darwin, Australien.
Geburt mit Sackmesser
Salinas Nabelschnur habe er mit einem Victorinox-Sackmesser durchtrennt, erinnert sich Dario Schwörer. Als der Schweizer Botschafter in Chile damals davon hörte und der Firma die Geschichte weitererzählte, trug dies den Schwörers den ersten Sponsor ein. Victorinox stellte nicht nur Ausrüstung zur Verfügung, sondern zahlt seither auch die Krankenkassenbeiträge der Familie.
Zu ihrer eigenen Überraschung sei das Reisen mit den Kindern kein Problem. «Einzig das Tempo hat sich reduziert, weil wir weniger schnell sind und nur bei optimalen Verhältnissen aufbrechen», erklärt Sabine Schwörer. Dafür falle es ihnen seither viel leichter, mit Leuten ins Gespräch zu kommen. «Als Paar waren wir die Extremsportler, denen man mit Skepsis begegnete. Nun spüren die Leute, dass sie auf Augenhöhe mit uns sprechen können. So können wir viel leichter für den Umweltschutz werben.»
Das Baby musste zum Arzt
Momentan legt die Familie eine Pause ein: Sie ist in die Schweiz zurückgekehrt, um das Baby wegen seiner unterschiedlich grossen Nieren untersuchen zu lassen. Zudem halten Sabine und Dario Schwörer Vorträge und werben für ihr Buch (s. Kasten). Ende Februar soll die Reise aber weitergehen: Zuerst mit dem Schiff von Thailand nach Indien, dann mit dem Velo nach Nepal. Entlang der Trekking-Strecke zum Everest-Basislager wollen sie Müll beseitigen. «Zum Abschluss folgt unser sportliches Traumziel: Die Besteigung der höchsten Erhebung der Antarktis», sagt Sabine Schwörer.
Die Reiserei ist nicht immer nur toll. «Wir freuen uns auch auf den Tag, an dem wir wieder in der Schweiz sesshaft werden», gesteht die dreifache Mutter. «Denn es ist doch ganz schön anstrengend, wenn jeder Tag neue Herausforderungen bringt.»
Auf ihrem Weg haben die Schwörers ihre eigene Antwort auf die Klimaproblematik gefunden: Die Entschleunigung des Lebens. «Wenn die Gesellschaft Abschied vom Tempowahn nähme, könnte sie viel Energie sparen und Sicherheit, aber auch Lebensqualität hinzugewinnen», sagt Dario Schwörer. «Die Menschen in den reichen Ländern haben alles – nur keine Zeit für Begegnungen.» (Berner Zeitung)
Erstellt: 18.01.2010, 11:16 Uhr









