Leben

Surfen auf Pulverschnee am Feldberg

Von Birgit-Cathrin Duval. Aktualisiert am 16.12.2008

Drachenläufer am Feldberg – ein neuer Trendsport erobert verschneite Hügel.

Trendsport. Snowkiten – eine Mischung aus Ski fahren, Surfen und Fliegen – hat schnell Anhänger gefunden.

Trendsport. Snowkiten – eine Mischung aus Ski fahren, Surfen und Fliegen – hat schnell Anhänger gefunden.

Wie die so dahingleiten! Wie von einer unsichtbaren Schnur gezogen surfen sie über ein Meer aus Pulverschnee. Am Himmel tanzen bunte Drachen. Auf der Hochebene, abseits der Skipiste, zwischen Seebuck und Feldberg, liegt an sonnigen Tagen mit guten Windverhältnissen das Revier der Snowkiter. Hier regiert die Leichtigkeit des Seins: Könner lassen sich von ihren Lenkdrachen meterhoch in die Luft katapultieren. Der neue Trend – eine Mischung aus Skifahren, Surfen und Fliegen – gewinnt schnell begeisterte Anhänger.

«Schieb die Bar nach vorne, nach vorne!» Noch bevor ich in den Genuss des eleganten Dahingleitens komme, reisst mich der Lenkdrachen unsanft in den Schnee. Luv, Lee, Powerzone, Anströmwinkel, Windfenster – all die Begriffe, die wir gestern in der Theorie gelernt haben, schwirren im Kopf herum, während ich mich aus dem Schnee aufrapple.

Skifahren ist das eine, einen Lenkdrachen zu steuern das andere. Beides zusammen stellt meine Koordinationsfähigkeit vor schier unlösbare Anforderungen. Die «Bar» ist die Lenkstange, an der die filigranen, rund 25 Meter langen Schnüre des Lenkdrachens, dem sogenannten Kite, zusammenlaufen. Sie ist mittels «Chicken Loop», einem Haken, in meinen Haltegurt eingeklinkt, der einem Klettergurt ähnelt.

Vom Winde verweht

Chris, der Snowkitelehrer, stapft durch den Schnee und erklärt, weshalb mich der Kite von den Füssen gerissen hat. Statt die Lenkstange nach oben zu schieben und mit sanften Bewegungen auf den Wind zu reagieren, habe ich mich völlig verkrampft und unkontrolliert an den Leinen gerissen. Noch bestimmt der Wind, wohin der Kite mich trägt. Nämlich direkt in die Powerzone – dorthin, wo die Windkraft am stärksten ist und mich meterweit unkontrolliert durch den Schnee mitschleift. Wer das einmal erlebt hat, bekommt neuen Respekt vor den Elementen. Um das und viele andere Fehler zu vermeiden, sollte man das Snowkiten von Grund auf erlernen – am besten in einer Kite-Schule.

Dabei konnte ich am Vormittag mit dem kleineren Übungsdrachen sogar eine Acht am Himmel ziehen, ihn am Windrand parken und ihn erneut in die Windzone aufsteigen lassen. Doch jetzt auf den Skiern scheint alles Können vom Vormittag wie vom Winde verweht.

Vor drei Jahren startete Chris Volk seine Snowkiteschule «Skywalker». Damals waren es grade mal eine Handvoll Snowkiter, die sich verwegen auf dem Feldberg mit dem Wind bewegten. Der 27-jährige Student und Kameramann lernte den Kitesport in Australien kennen – auf dem Wasser. Für den ehemaligen Skilehrer war es nahe liegend, den Sport auch im Winter auszuüben und anderen beizubringen.

Sicherheit steht bei Chris an erster Stelle. Deshalb tragen wir alle Sturzhelme. Nicht nur wegen Stürzen, sondern auch um gegen eventuelle Abstürze der Kites geschützt zu sein. Wer erlebt, mit welcher Wucht die bis zu zehn Quadratmeter grossen Drachen bei falscher Handhabung auf dem Boden aufschlagen, weiss warum. In den Vormittagsstunden pfiff der Wind so stürmisch über die Hochebene des 1493 Meter hohen Feldberggipfels, dass wir Anfänger mit unseren kleinen Übungsdrachen alle Mühe hatten, nicht die Bodenhaftung zu verlieren. Vor dem Start müssen alle Schnüre gerichtet sein. Das ist oft einfacher gesagt als getan. Und immer auf den Wind achten, der spielt die Hauptrolle und ohne ihn geht gar nichts. Inzwischen verständigen wir uns in der Fachsprache und sprechen von Luv, der Richtung, aus der der Wind kommt, und Lee, der windabgewandten Seite.

Gegen Mittag legt sich der Wind und Chris lässt uns zum ersten Mal auf den Skiern starten. Thomas macht den Anfang. Der 47-jährige Laborant aus Basel hat vor zwei Jahren mit dem Kite-Surfen begonnen. Die Erfahrung auf dem Wasser zahlt sich auf dem Feldberg aus. Langsam richtet er mit Hilfe von Chris den Kite auf, stellt ihn auf Position, stemmt sich gegen den Wind und mit einem Ruck gehts los. Nach dreissig Metern zieht er an der Bar, wendet und kommt zurück.

Thomas schafft sogar seinen ersten kleinen Hüpfer und schwebt auf Wolke sieben. Deswegen ist er gekommen: «Ich will unbedingt Springen lernen.» Ihn begeistert das Zusammenspiel der Elemente, die unvermittelte Kraft und «mal wieder etwas Neues» auszuprobieren. Noch heute will er sich einen Kite kaufen und nächste Woche wieder in den Schwarzwald fahren, um an seiner Technik zu feilen. Schnee hats derzeit genug. (Basler Zeitung)

Erstellt: 16.12.2008, 19:22 Uhr

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