Leben
Teuflisch schönes Schneevergnügen
Es beginnt am metallenen Freiluft-Cheminée: Après-Ski. (Bild: Roger Zedi)
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Tipps und Infos
Anreise: Die Waadtländer Alpen erreicht man per Auto von Zürich aus in rund drei Stunden. Mit der Bahn steigt man in Lausanne und Aigle um und trifft in Les Diablerets nach dreieinhalb Stunden ein.
Unterkunft: Hotel Les Sources: einfach gehaltenes Dreisternehotel, gut geeignet für Gruppen, zentrale Lage, Hunde willkommen. Chemin du Vernex, DZ ab 70 Fr. pro Person, www.hotel-les-sources.ch. Hotel Les Lilas: kleines, feines Hotel im Chaletstil, frisch renovierte Zimmer, gute Küche, im Winter Austern-&-Sushi-Bar. DZ ab 240 Fr., www.hotelleslilas.ch.
Essen und Trinken:
Auberge de la Poste: Solides Restaurant im ältesten Hotel am Platz. Route de la Gare. www.aubergedelaposte.ch.
Théchocolat: Sympathisches Tearoom mit Gebäck, asiatischem Teegeschirr und Schreibwaren im Sortiment. Route de la Gare, Ecke Rue des Ormonts.
A côté d’ici: Um die Ecke vom Théchocolat, rustikale, kleine Bar mit grosser Auswahl an ausgefallenen (fruchtigen) Biersorten.
Les Vioz: Unser Favorit für Après-Ski und Nachtessen. Gute einheimische Küche in entspannter, urchiger Atmosphäre. Direkt bei der Talstation des Skilifts.
Snow Opening: Dieses Wochenende (12./13. Dez) übernachten Kinder bis 9 Jahre gratis (im Zimmer der Eltern), ebenfalls kostenlos sind alle Bahnen sowie die Skiausrüstung für die Kleinen. Erwachsene profitieren ebenfalls: Skimiete für 10 Fr. pro Tag und die Bergbahn-Tageskarte für 25 Fr.
Glacier 3000: Ab Passhöhe zwischen Gstaad und Les Diablerets führt eine Gondel in das auf 3000 Meter gelegene Gletschergebiet, das diverse Aktivitäten bietet (Ski, Wandern, Langlauf), www.glacier3000.ch.
Die Ankunft in Les Diablerets wird uns leicht gemacht. Am späten Nachmittag versammeln sich Einheimische und Touristen rund um das frisch installierte Publique Cheminée vor der Auberge de la Poste an der Hauptstrasse des Dorfs. Die wärmenden Flammen verzücken die Augen der Kinder, bei den Erwachsenen sorgt der Glühwein für rote Backen unter freiem Himmel. Man parliert auf Französisch und Englisch. Deutsch bleibt die Ausnahme, was eine angenehm internationale Stimmung verbreitet.
Die Waadtländer Alpen, wie die Romandie generell, locken viele Besucher aus England und den USA an, nicht zuletzt dank den nahegelegenen Internaten. Auch die Idee der Cheminées zur Après-Ski-Zeit stammt aus Übersee, aus Kanada. Sie sollen dafür sorgen, dass nicht alle Gäste vom Skilift direkt in ihre Hotels verschwinden, sondern noch etwas verweilen und ins Gespräch kommen.
Zeit reif für einen neuen Versuch
Der Glühwein erfüllt in meinem Fall einen weiteren Zweck: Er senkt die Hemmschwelle, mich am nächsten Tag nach langer Pause endlich wieder einmal auf die Ski zu wagen. Zwanzig Winter, ein halbes Leben, sind seit der letzten Abfahrt ins Land gezogen. Zu gross war mir der Aufwand, zu weit die Anfahrt, zu teuer die Ausrüstung und zu wenig gastfreundlich das (Deutschschweizer) Bergvolk. Doch nun scheint die Zeit reif für einen neuen Versuch, und die Bergwelt der Romandie hat den Vorteil, dass ich sie unvoreingenommen angehen kann. So fassen wir gut gelaunt unser Material, geben ein kleines Vermögen für Skihosen aus und sind alsbald gerüstet für den nächsten Tag.
Kann das gut gehen?
Welche Knochen breche ich mir wohl als erste? Schaff ich es überhaupt bis zum Skilift? Muss ich ausgerechnet an einem Ort mit so einem teuflischen Namen wieder auf die Bretter steigen? Und wo ist eigentlich das nächste Spital? Solche Fragen schiessen am nächsten Morgen durch meinen ausgenüchterten Kopf, während ich mir die Skischuhe anschnalle. Man schlägt seine Bedenken dann allerdings rasch in den Wind, schliesslich lockt ein Bilderbuchwetter auf die Piste. Und siehe da, nicht nur erreiche ich den Skilift unbeschadet, oben angekommen, bewahrheitet sich rasch, dass es sich mit dem Skifahren tatsächlich wie mit dem Velofahren verhält: Wer es einmal gelernt hat, wird es immer wieder schaffen. Die anfängliche Übervorsicht verfliegt schon auf der ersten Abfahrt und weicht dann unbeschwertem Spass.
Modernes Material hilft in der Kurve
Sehr zum Vorteil hat sich das Material entwickelt. Mit modernen Ski bekommt man so leicht eine Kurve hin, dass nur ein Idiot sich noch etwas darauf einbilden würde. Das schafft ja nun wirklich jeder. Zudem wurden in den vergangenen zwei Jahrzehnten den Skipisten die Buckel ausgetrieben, sie gleichen hindernisfreien Autobahnen. Mir solls recht sein. So geniessen wir den ganzen Tag auf dem weit verzweigen Pistennetz, das sich bis hinüber nach Villars erstreckt. Bis zum Abend spielt auch die Schwierigkeitsstufe der Piste keine Rolle mehr, gröbere Stürze bleiben aus, die Knochen heil und die Laune bestens. Die Teufelchen, die man an mancher Häuserfassade im Ort sieht, entpuppen sich als Engelchen.
Im Anschluss an die letzte Abfahrt des Tages lassen wir die Freiluft-Cheminées für heute aus und kehren direkt ins Les Vioz ein, eine kleine urchige Bergbeiz direkt unterhalb der Talstation des Skilifts. Nichts Ausgefallenes oder besonders Schickes, doch Einheimische haben uns den Tipp gegeben, hier zu essen. Und weder die Küche noch die Atmosphäre enttäuschen. Die Qualitäten des Les Vioz sind durchaus stellvertretend für den ganzen Ort: Schnickschnack ist anderswo, und das ist gut so.
Der Gletscher gibt sich garstig
Als Dacapo nach dem Essen präsentiert sich uns der Ort auf dem nächtlichen Spaziergang quer über den Talboden zurück ins Dorfzentrum wie eine zauberhafte Filmkulisse. Mit Ausnahme von zwei Bauten ist das gesamte Dorf im Chaletstil mit Holzfassaden und schrägen Dächern gehalten, das Gesamtresultat kann sich wahrlich sehen lassen.
Ein Besuch in Les Diablerets sei unvollständig, wenn man sich den Glacier 3000 entgehen lasse, so ein weiterer Public-Cheminée-Tipp. Gemeint ist das Gletscherskigebiet, das hoch über dem Pass nach Gstaad liegt und per Luftseilgondel erreichbar ist.
Fieser Eiswind
Hier oben auf über drei Kilometern über Meer pfeift allerdings um diese Jahreszeit ein dermassen fieser Eiswind, dass einem das Skifahren rasch vergeht. Zuflucht und Verpflegung bietet die von Mario Botta entworfene kubische Bergstation. Daneben liegt der Alpine-Coaster, eine Art Hochgebirgsachterbahn für den Sommer, versunken im Schnee. Der ganz auf Freestyle-Action ausgerichtete Snowpark, an dem auch Formel-1-Boss Bernie Ecclestone beteiligt ist, muss sich heute den Elementen beugen. Doch die Natur ist es auch, die uns doch noch etwas auf den Weg gibt: Die Aussicht über die Waadtländer, Walliser und Berner Alpen allein ist den Besuch wert.
Als Skigebiet entfalte der Gletscher erst gegen Ende der Saison seinen vollen Reiz, wenn weiter unten der Schnee schon sulzig wird und schmilzt, erfahren wir nach unserer Rückkehr. Die Teufelshörner haben es uns jedenfalls angetan. Nochmals zwanzig Winter sollen nicht verstreichen bis zu unserer Rückkehr auf ihre Pisten.
Dieser Beitrag entstand mit Unterstützung von Région du Léman. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 10.12.2009, 10:11 Uhr
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