Leben

Vo Ammel bis Ammel

Anwil, wunderbar gelegen auf der Hochebene des Tafeljuras im Oberbaselbiet, ist der Ausgangspunkt und das Ziel unserer Wanderung. Der Rundweg um «Ammel» führt durch Feld und Wald, vorbei an frisch gemähten Wiesen.

1/8 Rundgang: Malerischer Ausblick bei der Wanderung rund um Ammel.
Bild: Heiner Oberer

   

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In der im Jahr 2000 erschienen Heimatkunde wird der Ursprung von Ammel wie folgt beschrieben: «Der Name von Anwil, mundartlich Ammel, erscheint erstmals 1276 als Anwil, 1409 als Annec­zwyl, 1450 als Annwil.» Bekannt ist das Dorf dank dem Baselbieterlied aus dem 19. Jahrhundert, das mit «Vo Schönebuech bis Ammel» beginnt.

Wir beginnen nicht in Schönenbuch, sondern in Ammel. Drei Routen stehen zur Auswahl. Blau (Wanderzeit 1–1,5 Stunden), Rot (Wanderzeit 2–2,5 Stunden) und Schwarz (Wanderzeit 3–3,5 Stunden). Wir entscheiden uns für Rot (siehe Karte unten). Vorbei am friedlich dahinplätschernden Dorfbrunnen, einer der grössten im Kanton, und Haus Nr. 24 (ehemalige Zollstätte, bezeugt durch drei steinerne Baselstäbe am Gemäuer). In einem leichten Aufstieg verlassen wir das Dorf Richtung «Birchhügel». Von dort aus ergibt sich ein sehr schöner Blick auf den unter nationalem Schutz stehenden Dorfkern.

Ein Hauch von schlechtem Gewissen

Die Sonne meint es gut mit uns und den Bauern. Links und rechts des Weges wird nämlich emsig Heu gewendet, gezettelt und aufgeladen. Immer wieder werden wir von hemdsärmligen Bauern freundlich gegrüsst und von friedlich dösenden Hofhunden aus den Augenwinkeln kritisch beäugt. Beim Anblick dieser Emsigkeit kommt bei uns Unterländern halt schon ein Hauch von schlechtem Gewissen auf. Aber beim Anblick der mons­trösen Traktoren und Ladewagen verscheuchen wir hurtig die Bilder von ausgemergelten Bauern, die mit Ross und Heuwagen die steilen Hügel erklimmen, und ziehen weiter Richtung «Spisen».

Rechts unten im Tal liegt Kienberg, wo um diese Zeit sicherlich hungrige Menschen vor saftigem Schweinsbraten und selbst gemachtem Kartoffelstock sitzen. Wir überhören das Knurren unserer Mägen und lassen die Köstlichkeiten rechts liegen. Über Wiesen und Felder mit den Flurnamen «Neulige» und «Stritmatt» und ein längeres Stück durch Schatten spendenden Wald geht es in einem weiten Bogen zurück Richtung Dorf. Aber nix da mit einkehren im «Jägerstübli» und einem Gugger im Glas. Es ist erst die Hälfte der Distanz geschafft. Nach einem kurzen Schwatz und mit Aussicht auf den wohlverdienten Znünihalt nehmen wir die zweite Etappe unter die Füs­se. Gemütlich geradeaus, vorbei an einer stattlichen Linde mit lauschiger Bank.

Kampf mit dem Landjäger

Dann endlich Mittagspause. Wie es sich gehört, Verpflegung aus dem Rucksack. Landjäger mit Brot und ein kühler Schluck Tee. Die Friedfertigkeit des labenden Mahls wird nur durch den Umstand getrübt, dass sich das Schälen eines Landjägers, auch in der freien Natur, als äusserst anstrengend erweist. Aber wie sagte schon s Bottebrächts Miggel: Lieber e Wurscht mit Hut as e Wurscht ooni Fläisch! Gestärkt geht es weiter, bestaunt von wiederkäuenden Kühen und einer Herde blökender Schafe. Unweigerlich, was nach dem doch eher dürftigen Mittagsmahl auch verständlich ist, läuft einem beim Anblick dieser saftigen Gigots und herrlichen Entrecôtes das Wasser im Mund zusammen. Noch heisst es aber auf die Zähne beissen – ohne Gigot – und weitermarschieren. Ob «Alp» verlassen wir für eine kurze Wegstrecke den Anwilerbann, ohne aber von strammen Grenzwächtern behelligt zu werden. Zurück auf Ammeler Boden, vorbei an Feldern mit dem betörenden Duft von Heu, kommt die Abkühlung im Waldstück ob «Hintertann» gerade richtig.

Paradies. Kurze Teepause. Und wieder fällt einem die Stille und Friedfertigkeit auf. So muss das Paradies ausgesehen haben. Ein Tölpel, wer sich daraus vertreiben lässt. Die Thermosflasche gut verschlossen und kurz durchgeschnauft, machen wir uns auf die restliche Wegstrecke. Dem Waldsaum entlang, rechts der «Chapf» und links der «Stockacher», nähern wir uns immer schneller unserem Endziel. Links von uns ein Bauer beim Silieren. Wie ein riesengrosses Insekt spuckt die Maschine in regelmässigen Abständen die Ballen aufs Feld. Kurz vor dem Dorf zweigt die Route Schwarz ins Tal ab, Richtung Talweiher. Wir verzichten auf diese Zusatzschleife und machen uns zügig an den Rest der Wanderung. Vorbei am alten Dorfschulhaus und dem Gemeindehaus, beides geschützte Baudenkmäler, sowie einem Verkaufsstand mit Anwiler Grünspargel kommen wir in der Gartenwirtschaft vom Restaurant Jägerstübli zusammen mit einem Gugger im Glas zur Ruh.

(Basler Zeitung)

Erstellt: 03.06.2010, 16:03 Uhr

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3 Kommentare

Charlotte Fischer

05.03.2011, 17:46 Uhr
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Ich habe Route Rot mit meinem Programm aufgezeichnet. Ich komme auf eine Distanz von 11km/ Wanderzeit 3h9. Also eine Stunde länger? . Antworten


elsie KLImmeck

19.06.2010, 13:26 Uhr
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bin hell begeistert - das war genial beschriftet, alles perfekt danggschön! EK Antworten


Werner Müller

06.06.2010, 15:47 Uhr
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Wir haben heute die rot markierte Wanderung gemacht; 2.5 Stunden sind auch für geübte Wanderer etwas knapp. Wunderschöne und abwechslungsreiche Landschaft. Ausgezeichnet beschilderter Weg, man braucht keine Karte. Wichtig wäre noch zu wissen, wo man parkiert. (Beim Schulhaus und am Dorfeingang hat es öffentliche Parkplätze.) Antworten



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