Auf 8,5 Zentimetern zum Erfolg
Von Bettina Weber . Aktualisiert am 11.11.2009 2 Kommentare
Vom wilden Partygirl zur Herrin eines Kultlabels: Tamara Mellon ist der Liebling der Medien, hier mit einer Modeaufnahme von Kate Moss. (Bild: Reuters)
Womöglich auch für den aufrechten Gang geeignet: Typisches Jimmy-Choo-Schuhwerk.
Vermutlich ist Tamara Mellon bereits mit Stöckelschuhen zur Welt gekommen. Die Gründerin des Luxus-Schuhlabels Jimmy Choo bewegt sich auf 8,5-Zentimeter-Absätzen jedenfalls so sicher wie andere in Turnschuhen, und etwas dazwischen trägt sie nicht – entweder High Heels oder dann Ballerinas. Mellon (42) macht keine Kompromisse. Das hat sie zu einer der erfolgreichsten Geschäftsfrauen Englands gemacht und zu einer der schillerndsten dazu. Sie ist schön, sie stammt aus einer reichen Familie, sie liess sich spektakulär scheiden und prozessiert zurzeit gegen ihre Mutter – da sind alle Zutaten vorhanden, die die Öffentlichkeit und die Medien erst recht lieben. Nicht immer hört man da Bewunderung heraus; ihre blauen Augen seien stechend, heisst es bisweilen, sie selbst sei eiskalt.
Mellon ist immer noch die Chefin, verkauft aber hat sie ihr Unternehmen bereits vor zwei Jahren an eine private Investitionsfirma, für 300 Millionen Franken. Kein schlechter Schnitt, wenn man bedenkt, dass die Firma erst 13 Jahre alt ist. In dieser kurzen Zeit eröffnete sie weltweit 100 Filialen, und Manolo Blahnik, der Grandseigneur der Luxusschuhbranche, mochte irgendwann beim Erwähnen seiner Konkurrentin nicht mehr süffisant fragen: «Jimmy who?» Denn Mellons Schuhe haben eindeutig mehr Sexappeal, und das war auch der Prominenz nicht verborgen geblieben.
Hohe Absätze, kurze Röcke
Dass jetzt H&M für eine Zusammenarbeit angefragt hat, überrascht also nicht, und so lanciert Jimmy Choo in der Tradition von Karl Lagerfeld und Stella McCartney am 14. November eine Kollektion für den schwedischen Günstigmodeanbieter. Das ist alles ziemlich sexy, die Absätze sind hoch, die Röcke kurz, die Hosen eng, und zum ersten Mal sind da auch Männerschuhe und Kleider, die es im herkömmlichen Angebot von Jimmy Choo nicht gibt. Man befürchtet einen solchen Ansturm, dass H&M pro Person nur ein Paar Schuhe der gleichen Grösse erlaubt und die Zeit beschränkt, in der man einkaufen kann.
Die Geschichte von Tamara Mellon und Jimmy Choo ist eine Erfolgsgeschichte, gewürzt mit einer kräftigen Prise Drama und mit noch mehr Glamour: Aufgewachsen ist Tamara Mellon, geborene Yeardye, in Beverly Hills und London, nach dem Schulabschluss verbrachte sie – wie Camilla Parker-Bowles, die heutige Princess of Cornwall – ein Jahr am schweizerischen Institut Alpin Videmanette in Rougemont. Danach war sie ein bisschen in der PR-Branche tätig, aber eigentlich vor allem ein wildes Partygirl, das sich bereits in eine Entzugsklinik begeben musste, als der Begriff noch nicht zum allgemeinen Wortschatz gehörte.
Kunstwerke für Diana
Geläutert ergatterte sie dann einen Job als Accessoire-Redaktorin bei der britischen «Vogue». Sie hörte von einem älteren Schuhmacher in London, der wahre Kunstwerke herstelle, unter anderen für Prinzessin Diana. Yeardye beauftragte diesen Jimmy Choo umgehend mit Einzelanfertigungen für Mode-Shootings. 1996 befand sie, dass die Kombination aus ihrem Geschäftssinn und seinem handwerklichen Können unschlagbar sei und geradezu nach der Gründung einer Firma rufe, lieh sich von ihrem Vater 220'000 Franken und gründete Jimmy Choo. Die Zusammenarbeit verlief dann nicht ganz so harmonisch – Choo war es nicht gewohnt, ganze Kollektionen zu entwerfen, Mellon wiederum hatte eben das unterschätzt. Choo wurde von seiner Nichte abgelöst, die glücklicherweise am renommierten Central Saint Martins in London die Ausbildung zur Designerin absolvierte. Später kaufte ihm Mellon seinen Namen für 15 Millionen Franken ab.
Traumhochzeit und Rosenkrieg
In der Zwischenzeit machte Tamara Yeardye nicht nur Schlagzeilen mit ihrem florierenden Geschäft, den exklusiven Schuhen und den immer zahlreicheren Prominenten, die sie trugen, sondern vor allem mit ihrem Privatleben. 2000 heiratete sie Matthew Mellon, einen US-Multimilliardärssohn aus einer alteingesessenen Bankiersfamilie, die Hochzeit wurde mit 300 illustren Gästen gefeiert, und die US-«Vogue» berichtete auf mehreren Seiten darüber.
Die Ehe war eher unglücklich, Mellon machte vor allem mit seinen Drogeneskapaden Schlagzeilen, demütigte seine Frau mehrmals öffentlich, bis sie schliesslich die Scheidung einreichte. Es folgte, sehr zum Entzücken der britischen Boulevardpresse, ein Rosenkrieg. Mellon versuchte, die E-Mails seiner Frau zu hacken, sie fand es heraus und zeigte ihn an, es kam zum Prozess, bei dem er dann allerdings freigesprochen wurde.
Affären mit George Clooney
Mittendrin war auch noch ihr Vater gestorben, ein ehemaliger Stuntman aus dem Londoner East End, ihr Held, der als Ko-Gründer von Vidal Sassoon ein Vermögen gemacht hatte und dem die britische Presse kurz vor seinem Tod kriminelle Kontakte nachsagte. Dies, ist Mellon bis heute überzeugt, habe ihn ins Grab gebracht.
Nach der Scheidung behielt sie den Namen ihres Mannes, wegen der gemeinsamen, mittlerweile siebenjährigen Tochter Minty und war umtriebig wie nie zuvor; sie lancierte gemeinsam mit Elton John ein Hilfsprojekt, um vergewaltigte Frauen in Südafrika zu unterstützen, trieb die Expansion voran. Daneben war von Affären mit George Clooney und Flavio Briatore die Rede, bis vor kurzem war sie mit dem Schauspieler Christian Slater liiert.
Prozess gegen Mutter Anne
Heute lebt sie mit ihrer Tochter in New York, «ohne Mann», wie sie unlängst der «Times» bestätigte, und reist einmal pro Monat für eine Woche nach London, um am Hauptsitz von Jimmy Choo nach dem Rechten zu sehen. Mellon wäre aber nicht Mellon, wenn Ruhe in ihr Leben eingekehrt wäre. Sie prozessiert in Los Angeles gerade gegen ihre Mutter Anne, ein ehemaliges Chanel-Model. Es geht um mehrere Millionen Franken, die beim Verkauf von Jimmy Choo versehentlich auf das Konto ihrer Mutter überwiesen worden seien. Wie der Prozess auch immer ausgehen mag: Mellon wird vor Gericht eine tadellose Figur machen. Und ihren Auftritt auf 8,5-Zentimeter-Jimmy-Choos bestreiten.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 11.11.2009, 08:18 Uhr
2 KOMMENTARE
Ich habe mir unbequeme Schuhe – und dazu zählen Pumps jeglicher Absatzhöhe – aus meinem Alltagsleben verbannt. Ich kaufe mir meine Schuhe nur noch nach den Füssen und nicht nach dem Kopf. Man schaue sich nur mal die Füsse vieler älterer Frauen im Fitnesscenter o.ä. an, lauter abschreckende Beispiele jahrelanger Fussmisshandlung. Und die Füsse junger Frauen sind jeweils voller Pflaster!? Ohne mich.
Meine Füsse sagen bei so 8,5 cm Schuhen nur aua...meine Knie und mein Rücken auch....leider gibt es immer mehr Menschen, die den Schmerz brauchen..... Wenn man nur sitzen muss, oder als Bild 10 Minuten posieren, sehen die Schuhe schon gut aus...Aber fürs richtige Leben????? ....ich habe den Halux vergessen!!!auaaa auaa ...gebt mir einen OP in 10 Jahren....und die Allgemeinheit zahlts.bingo.sexy!
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