Leben

Der Retter von Obamas Apfelsorten

Von Julia Guran. Aktualisiert am 08.12.2009 1 Kommentar

In Hans-Rudolf Schweizers Obstgarten wachsen die Äpfel, die als Bestandteil von Michelle Obamas Hautcreme Schlagzeilen machten. Er freut sich zwar über den Erfolg, hält den Rummel aber für eine Eintagsfliege. Ihm geht es ums Bewahren.

Die Uttwiler Apfelsorte Spätlauber, dank der ein Wirkstoff entwickelt wurde, der die Haut straffen soll.

Die Uttwiler Apfelsorte Spätlauber, dank der ein Wirkstoff entwickelt wurde, der die Haut straffen soll. (Bild: Hansrudolf Schweizer, Bauer)

Hans-Rudolf Schweizer hat die Apfelsorten, die er zum BEstimmen ans Pomologentreffen mitnimmt, in Harassen vorbereitet.

Hans-Rudolf Schweizer hat die Apfelsorten, die er zum BEstimmen ans Pomologentreffen mitnimmt, in Harassen vorbereitet. (Bild: Julia Guran)

Neukirch an der Thur – Als Hans-Rudolf Schweizers Vorfahren im 16. Jahrhundert nach Neukirch an der Thur kamen, gab es hier bereits einen Obstgarten – 1536 urkundlich erwähnt. Der Landwirt und Obstbaumspezialist pflegt mit seinem Arboretum aus 247 Apfelbaumsorten eine alte Familientradition. Sein Vater war es, der den Uttwiler Spätlauber setzte, dessen Stammzellen wegen ihrer glättenden Wirkung in einer Hautcreme verwendet werden, die auch Michelle Obama benutzen soll. Seither fragen Leute aus dem In- und Ausland bei Hans-Rudolf Schweizer nach den Spezialäpfeln.

Der hält den Rummel für eine Eintagsfliege. «Letztes Jahr wollten alle vom Chüsenrainerapfel, weil man damit ein bestimmtes Gericht kochen kann», sagt er. Dieses Jahr sei es nun der Uttwiler Spätlauber und nächstes Jahr wohl wieder eine andere Sorte. Die Forschung an alten Apfelsorten ist im Trend. Sie werden auch an der Forschungsanstalt Changins-Wädenswil untersucht, weil sie mehr Polyphenole enthalten als moderne Tafeläpfel. Diese «sekundären Pflanzenstoffe» sorgen zwar für einen bitteren, sauren Geschmack, sind aber laut Projektleiterin Ernährung und Gesundheit Eva Arrigoni wichtig für die allgemeine Gesundheit.

Über tausend Apfelbäume

Im ehemaligen Schafstall liegen Schweizers Äpfel in Kartonschalen geordnet: ockerfarbene mit zäher, ledriger Haut, die erst geniessbar sind, wenn sie verschrumpeln, kleine, rot-grüne mit einem grauen Schimmer oder gelb-rote, die mit der Zeit fettig werden. Sie tragen Namen wie Schoggiapfel oder Schönapfel, Fällander Himbeerapfel, Erler, Engishofer oder Altnauer. Längst nicht alle sind aber eindeutig bestimmt und tragen einen Namen, und darum fährt Schweizer am Samstag mit seinem Obst zum Pomologentreffen nach Zofingen. Dort werden die Experten mit Hilfe ihrer Erfahrung und dem Wissen aus alten Apfelbüchern, den Pomologien, die Sorten zu bestimmen versuchen.

Hier gibt es noch viel Arbeit, obwohl der Bund nach Inkrafttreten des Artenschutzgesetzes mit dem systematischen Sammeln und Inventarisieren der alten Schweizer Apfelsorten begonnen hat. Schweizer war von Anfang an mit dabei. Er bewarb sich mit Pro Specia Rara darum, eine Primärsammlung zu unterhalten, in der er durch Pfropfen alte Sorten erhält. Seit 1994 pflegt er einen Obstgarten mit 340 Hochstammbäumen, ausserdem 550 Mostapfelbäume und weitere 110 Hochstammbäume. Selbst wenn der Bund an einer Sorte nicht interessiert ist, behält sie Schweizer trotzdem: «Denn was einmal verloren ist, ist verloren», sagt er. Wie schnell geschehe es, dass der Blitz einen Baum treffe, der Feuerbrand sein Opfer fordere oder sonst ein Baum gefällt werde und dann sei eine Sorte plötzlich verschwunden, von der man geglaubt habe, es gebe noch einige Exemplare. (ThurgauerZeitung)

Erstellt: 08.12.2009, 13:43 Uhr

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1 Kommentar

Minder Romy

08.12.2009, 15:26 Uhr
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Ich hätte eine Frage an Hr. Schweizer: Gibt es den Uster Apfel noch ? Mein Mutter kochte diesen kleinen gelben Apfel stets für ein besonders feines Apfelmus. Dieser Apfel war so süss, dass man praktisch keinen Zucker brauchte um ihn einzukochen. Der Artikel ist übrigens sehr interessant geschrieben und brachte mir ein Stück weit meine Jugend zurück. Antworten



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