Heiraten in kurzen Hosen?

Die Antwort auf eine Stilfrage zur liebevollen Garderobe.

Halten Sie ihn von Flipflops ab: Bräutigam in Bermudas. Foto: onetowed.com

Halten Sie ihn von Flipflops ab: Bräutigam in Bermudas. Foto: onetowed.com

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Anfang September werden mein Mann und ich an der ligurischen Küste ein Hochzeitsfest veranstalten. Wir gehören eher dem legeren Typ an, trotzdem möchten wir uns festlich kleiden – mein Mann trüge am liebsten kurze Hosen. Was müssen wir dabei beachten? Was soll mein Mann am besten dazu kombinieren?
G. M.

Liebe Frau M.,
jetzt habe ich einen überaus vorsichtig formulierten Text dahingehend verfasst, weshalb von kurzen Hosen an einer Hochzeit abzuraten sei – nur um im letzten Moment zu merken, dass ja Sie das Fest veranstalten und sich daher die Situation komplett anders verhält.

Also von vorn. Denn wenn Sie einladen, dürfen Sie selbstverständlich anziehen, wonach Ihnen ist. Dann kann der Bräutigam sogar kurze Hosen tragen. Das mag etwas unorthodox sein, aber ich bin sehr dafür, sich eben gerade an diesem Tag nicht zu verstellen; diese verkleideten Brautpaare machen mich immer ganz traurig.

Gestatten Sie mir dennoch, Folgendes zu bedenken zu geben: 1. Die Fotos. Die Festivität wird aus allen Winkeln festgehalten werden. Machen kurze Hosen dann eine Falle? Was uns umgehend zu Punkt 2 bringt: Wie kurz ist «kurz»? Vor meinem inneren Auge blitzten Bilder der Fussballerhösli aus den Achtzigern auf, und da bin ich trotz einer ausgeprägten Unerschütterlichkeit innerlich zusammengezuckt. Es ist nun mal so: Man mag einfach nicht so viel Männerbein sehen. Das heisst: Die kurze Hose muss zwingend bis zu den Knien reichen, etwas anderes als Bermudas kommt nicht infrage. Diese wiederum ändern trotz akzeptabler Länge nichts an der Wadensituation, die es unbedingt schonungslos zu analysieren gilt, womit wir bei Punkt 3 wären: Sind die Beine Ihres Zukünftigen ein Hingucker? Es sollte nämlich keineswegs unterschätzt werden, dass freigelegte männliche Körperteile genauso gnadenlos beurteilt werden wie freigelegte weibliche Körperteile.

Verlagern wir den Blick nun nach oben. Ein T-Shirt wäre lausig, ein Hemd muss sein. Darüber ein Jackett. Und: eine offene Fliege. Das unterstreicht den offiziellen Anlass – und gleichzeitig den lockeren Typus des Bräutigams. Am allerwichtigsten aber ist: Sollte Ihr Zukünftiger keine Kniesocken tragen wollen (was etwa in Australien als anerkanntes Büro-Tenü gilt), dann darf er nur barfuss in die Schuhe schlüpfen. Aber ich bitte Sie inständig: Halten Sie ihn von Flipflops ab. Sich zuliebe. Ihnen zuliebe. Den Gästen zuliebe. Und vor allem: Ihrer Ehe zuliebe.
Bettina Weber


Haben Sie Fragen? Schicken Sie sie an gesellschaft@tagesanzeiger.ch (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 05.06.2016, 11:47 Uhr

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