Einladung per SMS?

Die Antwort auf eine Stilfrage zur zwischenmenschlichen Kommunikation.

Kurznachrichten sind für viele, aber nicht für alle Kommunikationsinhalte geeignet. Foto: Gaetan Bally (Keystone)

Kurznachrichten sind für viele, aber nicht für alle Kommunikationsinhalte geeignet. Foto: Gaetan Bally (Keystone)

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Ich bin 88, und einer meiner drei Söhne hält mit mir oft nur über SMS Kontakt (er hat keine Festnetznummer mehr). So wie auch kürzlich: Da ging es um eine Einladung, die er per SMS verschickte. Ich empfinde das als unhöflich; als genauso unhöflich, wie wenn jemand «Du» klein schreibt in einem Brief. Ich mag auf seine SMS nicht mehr antworten. Ja, ich bin alt. Macht mich das jetzt kleinlich?
B. H.-H.

Liebe Frau H.-H.,

wir nehmen Sie galant am Arm und können dergestalt umgehend und ohne Umschweife zur Beantwortung Ihrer Frage schreiten: Nein, Sie sind nicht kleinlich. Sie sind eine 88-jährige Dame, und in Ihrem Alter steht es einem nun wirklich zu, gewisse neumodische Dinge nicht mehr mitzumachen. Ich finde sogar, dass man dann mit einer grandiosen Selbstverständlichkeit wunderlich werden darf.

Wobei das auf Sie ja gar nicht zutrifft. Im Gegenteil: Denn wenn Ihr Sohn mit Ihnen per SMS kommuniziert, heisst das, dass Sie ein Handy haben und dieses auch benützen. Sie sind also eine überaus fortschrittliche 88-jährige Dame, eine, die mit der Zeit geht, und das finde ich hinreissend. Und: Sie stören sich ja nicht an der SMS-Kommunikation an sich, sondern daran, dass Ihr Sohn selbst Einladungen auf diese Weise verschickt. Es geht Ihnen also um Nuancen. Und das spricht nicht nur für Ihr untrügliches Gespür für Stil – Sie liegen mit Ihrer Empfindung zudem richtig (ich bin ungefähr halb so alt wie Sie, und als ich vor Jahren eine Einladung zu einer Taufe per SMS bekam, starrte ich sehr lange auf das Display, darüber grübelnd, was jetzt davon zu halten sei, um zum Schluss zu kommen, dass man das nun wohl so macht, auch wenn das vollkommen frei von Charme daherkommt – genauso wie das kleingeschriebene «du», da kann der Duden noch lange erklären, das dürfe man jetzt).

Dass ältere Menschen SMS nicht besonders mögen, dünkt mich abgesehen davon einleuchtend: Die Tasten sind winzig. Wer arthritische Finger hat, nicht mehr gut sieht oder zittert, wird das Tippen einer auch noch so kurzen Nachricht als überaus mühselig empfinden. Da geht Telefonieren weitaus schneller und ist also effizienter – was wiederum ein überaus zeitgemässer Gedanke ist. Und manchmal tut es auch einfach gut, die Stimme von jemandem zu hören.

Just das würde ich diesem Ihrem Sohn mitteilen. Und es würde mich sehr wundern beziehungsweise vielmehr frappieren, wenn er Ihnen diesen Wunsch abschlagen würde.

Bettina Weber


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(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 14.05.2017, 18:39 Uhr

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