Wein
Beim Wein haben die Briten das Sagen
Von Jan Graber. Aktualisiert am 18.03.2010 2 Kommentare
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Die wichtigsten (britischen) Werke über Wein
Hugh Johnson: «Der grosse Johnson», «Der kleine Johnson» (erschient jährlich)
Jancis Robinson: «Das Oxford Weinlexikon»
Hugh Johnson & Jancis Robinson: «Der Weinatlas»
Michael Broadbent: «Grosse Weine», «The Wine Lover's Guide to Auctions», «Weine prüfen, kennen, geniessen», «Weinenzyklopädie»
Oz Clarke: «Clarke's grosser Weinatlas», «Clarke's neues Lexikon der Weine», «Clarke's grosses Lexikon der Rebsorten»
Stuart Pigott: «Stuart Pigotts kleiner genialer Weinführer», «Die grossen Weissweine Deutschlands», «Stuart Pigotts Weinreise» (mehrere Bücher über deutsche Weinregionen, zusammen mit weiteren Autoren), «Schöne neue Weinwelt: Von den Auswirkungen der Globalisierung auf die Kultur des Weines», «Göttertrank und Blendwerk»
England. Für viele Inbegriff eines kulinarischen Katastrophengebiets. Fette Würste und Bohnen mit Tomatensauce. Zum Frühstück. Ein Weizenaufstrich namens Marmite und Pfefferminzsauce zum Fleisch – nein, der Inselstaat ist wahrlich nicht mit lukullischen Highlights gesegnet. Und abgesehen von einem Jamie Oliver, der sich notabene der mediterranen Küche verschrieben hat, und der hierzulande wenig bekannten Nigella Lawson, kann der Inselstaat auch kaum berühmte Köchinnen und Köche vorweisen.
Ganz anders im Reich der Weine: Die bedeutendsten und einflussreichsten Weinautoren der Welt stammen mit einer Ausnahme aus England. Die Ausnahme: Wenn der Amerikaner Robert Parker hustet, hüpfen die Preise von Bordeaux-Weinen in ungeahnte Höhen. Abgesehen davon haben auf dem Weinschreibermarkt jedoch die Briten das Sagen.
Allen voran Hugh Johnson, von dem die Wein-Klassiker schlechthin stammen: «Der grosse Johnson» und «Der kleine Johnson». Zu den renommiertesten Namen der Weinschreibergilde gehören auch die Master of Wine Michael Broardbent und Jancis Robinson – letztere Verfasserin des «Oxford Weinlexikons». Eine schillernde Figur ist dagegen Oz Clarke, ein ehemaliger Schauspieler (unter anderem mit einer Nebenrolle im Film «Superman» von 1978). Der Sieg der World Wine Tasting Championship 1985 war der Startschuss zu seiner Karriere als Weinexperte und machte ihn zum Vorzeige-Weinprofi von BBC. In die Liste der ungewöhnlichen Weinschreibern gehört last but not least auch Stuart Pigott, ein in Berlin lebender Brite, der in Deutsch schreibt und sich mit Büchern zu den deutschen Weissweinen einen Namen und zahlreiche Feinde geschaffen hat.
Die Macht des Handels
Allerdings süffeln die Briten nicht nur Wein und schreiben darüber. Der Olymp der Weinexperten, das Institute of Masters of Wine, hat seinen Sitz ebenfalls in London und von den rund 280 Masters of Wine stammen 180 Mitglieder aus England. Zudem ist London Schaltzentrale des Weinhandels: «Eine dominante Rolle im Handel spielen die Londoner Auktionshäuser, die während Jahrhunderten Weine verkauften und um deren Engagement sich der Weinhandel entwickelt hat», sagt Jancis Robinson gegenüber Newsnetz. Im Gegensatz zu Frankreich, Italien und anderen Wein produzierenden Ländern musste England den Blick immer schon über den Horizont der sie umgebenden Meere hinaus richten. Denn das Vereinigte Königreich bildet mit seiner eigenen Weinproduktion das Schlusslicht der Weltrangliste – selbst Kirgisistan produziert mehr Liter des roten Safts. Umgekehrt importiert – abgesehen von Deutschland – kein Land eine vergleichbare Menge Wein.
Robinson: «Historisch gesehen ist England eine Handelsnation mit einer langen Geschichte des Weinimports, womit über die Jahrhunderte ein bedeutendes Wissen über Wein gewonnen wurde.» Das Britische Imperium entwickelte ein fein verwobenes Handelsnetz und baute darum hinaus eine starke Seeflotte auf. Nicht nur um das Netzwerk zu schützen sondern auch, um es weiter zu knüpfen. Handelsmacht und das vereinigte Wissen über Wein hatten denn auch eine nicht zu unterschätzende Folge für die Gegenwart: Macht über die Machart des Weins.
Kickstarter
So waren es beispielsweise die Engländer, die einer der später gloriosesten Weinregionen auf die Sprünge halfen – dem Bordeaux. Im Spätmittelalter besassen die Engländer das zukünftige Epizentrum der grossen Tropfen und entwickelten Weine, die auf die englischen Gaumen abgestimmt waren - und damit die Blaupausen für den heute so hochgelobten Bordeauxstil. Bei Bedarf erfanden die Händler aber auch komplett neue Weine – so zum Beispiel die Portweine aus Portugal. Ebenfalls machten die Briten den Champagner salonfähig: Wo die Franzosen das Sprudelwasser zunächst als Fehler in der Weinproduktion sahen, stiess er bei den Briten auf grosse Vorliebe – der schnöde Durst der Briten begründete ein Getränk, das heute für Luxus schlechthin steht.
Die Wahl, welche Weine importiert werden sollten, trafen die Händler allerdings weniger nach Marketingmethoden, als danach, mit wem das Britische Imperium gerade auf Kriegsfuss stand. So wusste auch Napoleon um die Liebe der Briten zum französischen Wein. Um sie im Krieg zu demoralisieren, drehte er ihnen den Weinhahn ab. Was die Briten wiederum kaum beeindruckte: Sie suchten sich einfach andere weinproduzierende Länder und begründeten eine weitere eigene Weinkultur – sie erfanden in Sardinien den Marsala.
So viel zur Geschichte. Der Einfluss der Engländer auf die Welt der Weine ist indessen ungemindert. Die Nation der kulinarischen Absonderlichkeiten vereint nicht nur das wohl grösste Wissen über die Weine der Welt und hat die prägendsten Schreiberlinge zum Thema aufzuweisen. Das Land ohne eigenen Wein gilt auch heute noch als dominierende Weinhandelsnation und hat damit einen prägenden Einfluss auf die Stile der Weine, die wir trinken und lieben. (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 18.03.2010, 14:57 Uhr
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2 Kommentare
Da irrt Herr Graber gewaltig. Kennt er u.a. Heston Blumenthal, den zweitbesten Koch der Welt nicht (sofern adria wirklich pausiert). Im Ernst; die jüngsten Fortschritte in der englischen Kochkunst und Gastronomie sind auch dank Oliver phänomenal. Viele junge Köchinnen/Köche überraschen einem äusserst positiv. Die Preise sind dank dem schwachen Pfund moderat und stehem einem Test nicht im Weg. Antworten



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Heidi Hollander
Was sind denn die kulinarischen Höhenflüge der schweizer Küche,bitte? Vielleicht alles was man hierzulande als "gut bürgerlich" bezeichnet? Und was die nichtexistierenden englischen Spitzenköche, abgesehen von Jamie Oliver, betrifft: wie wärs z Bsp mit Rick Stein, Gordon Ramsay, Marco Pierre White, Delia Smith, Gary Rhodes, Heston Blumenthal oder Rose Gray? Antworten