Fritsches Lieblingstropfen

Von Jan Graber. Aktualisiert am 10.12.2009 2 Kommentare

Marco Fritsche pendelt zwischen dem vibrierenden Zürich und dem entschleunigten Appenzell. Privat setzt der TV-Moderator deshalb auf sichere Werte. Auch beim Wein.

Appenzeller mit Wein: Marco Fritsche mag verlässliche Tropfen.

Appenzeller mit Wein: Marco Fritsche mag verlässliche Tropfen.
Bild: jag

Sicherer Wert mit Geschmack: Der Rioja Marqués de Riscal Riserva 2005 besteht zu 90 Prozent aus Tempranillo- und zu zehn Prozent aus Graciano-y-Mazueo-Trauben. Nicht ganz so aromaintensiv wie seine kräftigeren Brüder aus der Region, ist auf den Marqués Verlass: Der Wein spricht ein breites Publikum in der Regel ebenso an wie Weinkenner.

Sicherer Wert mit Geschmack: Der Rioja Marqués de Riscal Riserva 2005 besteht zu 90 Prozent aus Tempranillo- und zu zehn Prozent aus Graciano-y-Mazueo-Trauben. Nicht ganz so aromaintensiv wie seine kräftigeren Brüder aus der Region, ist auf den Marqués Verlass: Der Wein spricht ein breites Publikum in der Regel ebenso an wie Weinkenner.

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Wäre er in Zürich geblieben, wäre er jetzt tot, sagt Marco Fritsche und nippt am Weinglas. «Oder Junkie. Aber das musst du nicht schreiben», fügt der 33-Jährige an, den die Fernsehkonsumenten als im Kutteli gewandeten Jungmoderator von «Bauer, ledig, sucht…» kennen. Dabei sahen seine Pläne noch ganz anders aus, als der gebürtige Appenzeller vor zwölf Jahren den Verheissungen der Grossstadt Zürich folgte – wie so viele, denen das Landleben zu eng und der Glamour der Metropole zu verlockend waren.

Fritsche schwenkt das Weinglas, darin zieht ein Marqués de Riscal Riserva 2005 seine Runden. «Eigentlich bin ich Biertrinker», sagt er, zum Wein habe er erst spät gefunden. Mit dem Marqués de Riscal verbinden ihn vor allem Erinnerungen - an seine Zeit in Zürich, an die vielen Nachtessen mit Freunden. Stets hätten mehrere Flaschen Marqués auf dem Tisch gestanden, an gewissen Abenden habe er auch mehrere Flaschen pro Kopf gebodigt. «Mein damals bester Freund hat mich mit dem Wein bekannt gemacht», sagt Fritsche.

Der junge Appenzeller stürzte sich mitten ins urbane Leben und dessen Verführungen. Grosse Pläne trieben ihn an: Er wollte Schauspieler werden, im Rampenlicht stehen. «Ich musste früher immer Mittelpunkt des Geschehens sein», gesteht Fritsche. Doch seine Träume zerschellten an der Realität. Beim Vorsprechen an den Schauspielschulen erhielt er Absage um Absage. Irgendwann wusste er, dass ihm das Talent zum Schauspieler fehlte. Doch der damals Zwanzigjährige hatte einen Plan B im Gepäck. Dieser hiess Publizistikstudium und der klassische Weg durch die Medien: Zeitung, Radio, Fernsehen. Er schrieb sich an der Uni ein und arbeitete am Check-in am Flughafen sowie bei Gate Gourmet, um sich über Wasser zu halten.

Partytime

Fritsche hält die Nase ins Glas und nippt am Wein. «Der Marqués de Riscal hat mich noch nie enttäuscht», sagt er, der seit vier Jahren wieder in einem Bauernhaus im Appenzellerland lebt. 1000 Meter über Meer, rundherum nur Natur. Ebenso wie beim Wein sucht Fritsche auch bei den Menschen, mit denen er zu tun hat, Verlässlichkeit und Loyalität: «Werte wie Zuverlässigkeit sind mir wichtig». Umgekehrt wäre es für ihn das Schlimmste, wenn sein Gegenüber von ihm enttäuscht wäre.

In Zürich erwischte ihn der klassische Catch-22: Fritsche musste fürs Studium ein Praktikum machen. Egal, ob er sich bei Radio 24, der Schweizer Familie oder anderen Medienerzeugnissen bewarb, überall wurde ihm wegen fehlenden praktischen Erfahrungen Absagen erteilt. «Ich musste enorm viele Enttäuschungen wegstecken», sagt er zurückblickend. Dann aber sah er ein Inserat, das sein Leben verändern sollte: Das Musikfernsehen «Swizz Music Television» suchte junge, unverbrauchte Gesichter. Nach mehreren Castings hatte er es geschafft: Fritsche stand im Scheinwerferlicht und moderierte als VJ Musiksendungen. In der Fernsehwelt herrschte Goldgräberstimmung, Privatfernsehsender schossen wie Pilze aus dem Boden. «Plötzlich waren in Zürich alle beim Fernsehen», erinnert sich Fritsche. Es war die grosse Fernsehparty. Dann wechselte der Jung-VJ zum Schweizer Fernsehen, wurde Aussenreporter bei Eiger, Mönch und Kunz. Und lief ins Leere.

Fritsche schenkt nach. «Den ersten Kontakt mit Wein hatte ich durch meine Grossmutter», erinnert er sich. Als Kind durfte er mit Wasser verdünnten Wein probieren. «Als Kinder mussten wir für sie jeweils eine Literflasche Kalterersee einkaufen gehen», sagt er. Und an den Festtagen kam eine Flasche Wermut auf den Tisch. Für Fritsche wurde das Appenzell immer wichtiger als Rückzugsort, wo er sich aufgehoben fühlte. «Ich lasse mich vom Hysterischen, Flirrenden der Grossstadt zu schnell anstecken», sagt er. Nach vier Tagen in der Stadt, wo er immer noch ein Zimmer hat, habe er «Heeweh», dann werde er ungeniessbar. Fritsche: «Nach Hause zu kommen, entschleunigt mich».

Zehn Jahre als «Rampensau»

Nachdem er festgestellt hatte, dass er beim Schweizer Fernsehen nicht weiter kam, entschied er sich, der Stadt zunächst einmal den Rücken zu zeigen – und ging zurück in seine Heimat. Das war vor vier Jahren. Fritsche fand einen Job bei Tele Ostschweiz, wo sie für den erfrischenden Moderator den roten Teppich ausrollten. Er erhielt eine eigene Sendung mit dem Namen «Fritsche»: eine Talkshow, bei der auch schräge Vögel reinfliegen und die er, der sich selbst auch als exaltiert bezeichnet, immer noch moderiert. Er liebe die Freiheiten und kurzen Wege beim Lokalsender.

Mittlerweile läuft es dem Appenzeller wie geschmiert: Er hat bei Pro 7 Schweiz die Sendung «Post it – Street Challenge», moderiert «Bauer, ledig, sucht…» auf 3+, wo derzeit die Dreharbeiten für die nächste Staffel im Gang sind, wirkt als Conférencier bei der Comedy-Show «Frischlingsparade» im Casinotheater Winterthur und hat zehn Jahre nach seinem ersten Arbeitstag beim Fernseher den Ostschweizer Medienpreis erhalten. Er werde nochmals zehn Jahre als «Rampensau» vor der Kamera bleiben, danach ins zweite Glied zurücktreten. «Ich möchte Dokumentarfilme drehen», sagt er.

Er nimmt einen letzten Schluck. «Ich kann mich an Weine ebenso schlecht erinnern wie an Witze», sagt er. Wohl deshalb hänge er noch immer am Marqués, der ihm sanfter vorkommt als früher. Doch ihm sagen die einfacheren, direkteren Weine sowieso mehr zu als die komplizierten. Oder, um es mit Fritsche zu sagen: «Wein trinken ist wie Bücher lesen, man versteht die komplexeren Geschichten auch erst mit zunehmendem Alter.» Marco Fritsche ist zu Hause angekommen. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 10.12.2009, 19:22 Uhr

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2 Kommentare

Pascal Gruber

11.12.2009, 13:14 Uhr
Melden

Ich habe Marco Fritsche leider nur wenig im Fernsehen gesehen. Die jetzigen Sendungen, die er macht, interessieren mich nicht. Aber auf jeden Fall ist er dem oberlangweiligen und facettenlosen Herr Epiney allemal vorzuziehen (schon nur, weil er diesen netten Dialekt spricht). Antworten


Adrian Frey

11.12.2009, 12:45 Uhr
Melden

Schöner Mann! Mit ihm würde ich gerne ein Glas (oder auch mehrere) Wein trinken... Antworten



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