Wein

«Ich habe harte Zeiten durchgemacht»

Prominente stellen ihren Lieblingswein vor. Den ersten Schluck nimmt der Schauspieler Stefan Gubser. Der Wein: ein Clos d'Agon - ein Wein so intensiv wie Gubsers Leben.

Ein Prost auf spanische Tropfen: Stefan Gubsers Lieblingswein ist der Clos d'Agon. Die Intensität entspricht seinem Charakter und seinem Leben als Schauspieler.

Jan Graber

Aktuell ist Stefan Gubser zusammen mit Lazlo I. Kisch, Andrea Zaugg und Hanspeter Müller-Drossaart im Theaterstück «Rockerbuebe» zu sehen. Die Komödie handelt von einer ehemaligen Rockband, deren Mitglieder als Mitte-Fünfziger ein Comeback versuchen. Die Idee für das Stück stammt von Gubser und ist für ihn die Verwirklichung eines nicht gelebten Traums – desjenigen, selbst Musiker zu sein. «Rockerbuebe» wird unter anderen im Kaufleuten Zürich aufgeführt – vom 25. bis 27. November. Weitere Daten unter www.rockerbuebe.ch

Aktuell ist Stefan Gubser zusammen mit Lazlo I. Kisch, Andrea Zaugg und Hanspeter Müller-Drossaart im Theaterstück «Rockerbuebe» zu sehen. Die Komödie handelt von einer ehemaligen Rockband, deren Mitglieder als Mitte-Fünfziger ein Comeback versuchen. Die Idee für das Stück stammt von Gubser und ist für ihn die Verwirklichung eines nicht gelebten Traums – desjenigen, selbst Musiker zu sein. «Rockerbuebe» wird unter anderen im Kaufleuten Zürich aufgeführt – vom 25. bis 27. November. Weitere Daten unter www.rockerbuebe.ch (Bild: Jan Graber)

Clos d'Agon

Die Bodegas Clos d'Agon befindet sich in Katalonien im Nordosten Spaniens auf rund 1000 Metern über Meer. Für die Weine ist der spanische Kultwinzer Peter Sisseck zuständig, der auch mit Überspaniern wie zum Beispiel dem Pingus bekannt wurde. Der Tinto Consecha von Clos d'Agon hat die typische intensive Kraft und Finesse spanischer Topweine ohne den Geniesser mit zu viel Alkohol zu erschlagen.

Die Freundschaft begann zu einer Zeit, als ihm die Franzosen zu teuer wurden und die Italiener auch keine günstige Alternativen mehr boten. Als Stefan Gubser den Weinhändler Frank Ebinger vom Casa del Vino kennenlernte und sie sich so blendend verstanden, dass der Weinhändler dem Schauspieler gleich mal acht Flaschen Wein zum Probieren mit nach Hause gab. Gubser entdeckte damit nicht nur Spanien als Weinland und wusste damit, was künftig auf seinem Tisch stehen würde, sondern er begann eine Freundschaft, die so weit über die Liebe zum Wein hinausgehen sollte, dass er an Ebingers Hochzeit eingeladen wurde.

Die Vorliebe für spanische Weine kam indessen nicht aus dem Nichts: Schon früh im Leben war Gubser Spanienfan und reiste als junger Mann regelmässig mit Freunden auf die iberische Halbinsel, um die Höhlen Andalusiens zu durchforschen. Und als er von Ebinger zu einer Weindegustation im Kaufleuten eingeladen wurde, wo er die Weinbauern des Weinguts Clos d'Agon kennenlernte, war eine neue lukullische Liebe geboren: diejenige zu Rotwein Clos d'Agon mitten aus dem Naturpark La Gavarra an der Costa Brava.

Suche nach dem Risiko

Es waren die intensiven Aromen des Weins, die Gubser gefielen, und dessen flirrende Kraft. Intensität ist denn auch ein Feuer, das Gubser anzieht wie das Stehen im Rampenlicht. Er suche die Leidenschaft, egal ob in der Liebe oder im Job. Deshalb wählt Gubser immer wieder Rollen, die ihn herausfordern und vor denen er sich bisweilen sogar fürchtet. «Ich habe kürzlich mit Marco Rima einen Film gedreht, vor dem ich zunächst extrem Angst hatte», sagt der 52-Jährige. Komödien seien nicht sein Fach, und er hätte zu Beginn der Dreharbeiten nicht gewusst, ob er darin bestehen würde. Doch es klappte. «Ich suche das Risiko bewusst», sagt Gubser, der schon als Kind wusste, dass er Schauspieler werden wollte. Nichts langweile ihn mehr, als das Absehbare. Die Schauspielerei ist für ihn der perfekte Hochseilakt.

Davon könnte auch seine Mutter ein Liedchen singen: Von den Momenten, als der kleine Schausteller als Schüler weinend nach Hause gekommen ist, von schlechten Noten erzählt hat, die Mutter ihn tröstet – bis er zu grinsen anfängt und ihr eröffnet, dass alles nur vorgespielt gewesen sei.

Suff hat Lust auf Wein verdorben

Stundenlang sei er damals zudem auf der Toilette gesessen und habe von ihm erfundene Stücke rezitiert. Als Gubser und sein Internatsfreund Andrea Zaugg, mit dem er auch heute wieder auf der Bühne steht, als 16-Jährige eine erste Theater-Aufführung in der Schule hatten und vom damaligen Intendanten des Churer Stadttheaters vom Fleck weg engagiert wurden, war der gebürtige Winterthurer endgültig vom Schauspieler-Virus infiziert.

Früh dran war Gubser indessen auch mit den vergorenen Traubensäften. Abgesehen von einem Suff als Zwölfjähriger, wo er den Weinkeller seines Vaters geplündert hatte und der ihm die Lust auf Wein zunächst einmal gründlich verdorben hatte, entdeckte Gubser als Jugendlicher die Vorzüge guter Weine. «Das Leben ist zu schade für schlechten Wein»: Dieses Motto galt für Gubser damals ebenso wie heute.

Harte Zeiten

Die teuren Tropfen konnte sich der junge Schauspieler vorerst aber gar nicht leisten: «Während Freunde von mir einen anständigen Lohn nach Hause brachten, musste ich mich mit 1500 Deutschmark pro Monat durchschlagen und damit auch meine Tochter ernähren», sagt Gubser. Das habe Zweifel an seiner Jobwahl geweckt. Bis er 35 Jahre alt war, habe er sich überlegt, ob er nicht doch noch ein Studium beginnen und einen sichereren Job lernen wolle. «Ich habe taffe Zeiten durchgemacht», sagt Gubser.

Doch dann kam die Serie «Eurocops», und die machte ihn berühmt. Bald sollte Gubser in so mancher grösseren Schweizer Film- und Fernsehproduktion zu sehen sein. Beim grossen Publikum richtig bekannt wurde der gebürtige Winterthurer nach der Jahrtausendwende, als er im «Tatort» als Rolf Flückiger zu sehen war, sowie in Schweizer Filmen wie «Snow White», «Mein Name ist Eugen» oder «Grounding». Seine besondere Vorliebe gilt indessen den schwierigen Rollen, sagt Gubser. Etwa, wenn er einen an Lungenkrebs Erkranken spielt, der sich von seiner Tochter in den Tod begleiten lässt, wie im Film «Hello Goodbye», an dem Gubser auch mitgeschrieben und den er mitproduziert hat.

Lesungen für Schwerkranke

Die Auseinandersetzung mit diesem Thema hätte sein Leben verändert, gesteht Gubser. Umgehend schwörte der damals schwere Raucher seiner Sucht ab. Und auf Initiative von Isabel Schmied begann er, mit ihr zusammen Lesungen in Spitälern für Schwerkranke zu geben. Wo Gubser früher Berührungsängste mit schwer erkrankten Menschen hatte, geht er heute direkter auf sie zu. Dennoch: «Ich habe Angst vor dem Tod», sagt er. Umso mehr liebe er deshalb die Intensität des Lebens und schätze Weine mit Finesse wie ein Clos d'Agon.

Mittlerweile kann sich Gubser denn auch teurere Weine leisten. Der Clos d'Agon gehört mit seinen 59 Franken nicht zu den günstigsten Tropfen. Bei Gubser, der sich selber als Genussmenschen bezeichnet, kommt der Wein indessen nur auf den Tisch, wenn er Gäste hat. Im Alltag trinke auch er Tischweine zwischen 15 und 25 Franken. Die Qualität müsse aber auch da stimmen. Gubser: «Ich trinke lieber keinen Wein, als einen schlechten.» (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 13.11.2009, 06:59 Uhr

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1 Kommentar

Karl Egger

13.11.2009, 16:43 Uhr
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Der Clos d'Agon ist echt ein feiner Wein...unbestritten... ...übrigens hatte Gubser Glück bereits vor dem "Kaufleuten-Event" einen Macher von Clos d'Agon zu kennen. Sein Freund und Weinhändler Ebinger ist nämlich selbst ein Miteigentümer von Clos d'Agon... Darf ich hier nächste Woche auch einen Wein vorstellen? Ich habe da auch einen Freund...ähh ich meine einen Lieblingswein... Antworten



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