Wein

Wein-Tipps für Laien

Die Qual der Wahl: Wer sich als Anfänger in die Welt der Weine stürzen will, braucht Mut zum Experiment.

Die Wand der Qual: Hunderte von Flaschen bieten sich dem Konsumenten zum Verkauf an. Neulinge in Sachen Wein fühlen sich davon überfordert.

Die Wand der Qual: Hunderte von Flaschen bieten sich dem Konsumenten zum Verkauf an. Neulinge in Sachen Wein fühlen sich davon überfordert.
Bild: Reuters

Der Koch und sein Sommelier: Matt Skinner (links im Bild), der Weinguru des britischen Starkochs Jamie Oliver, hat mit «Wine - Just A Drink» ein Buch für Einsteiger veröffentlicht, denen das elitäre Besserwissertum der Weinwelt zuwider ist und die Wein lieber geniessen, als damit zu prahlen. In witziger Sprache erklärt Skinner die Grundlagen der Weinwelt, spricht über Düfte, Aromen, Rebsorten und Weinregionen und gibt grundlegende Tipps - zum Beispiel jenen, wie sich ein Weinglas schwenken lässt, ohne dass sich der Glasinhalt über die Umgebung verteilt.

Der Koch und sein Sommelier: Matt Skinner (links im Bild), der Weinguru des britischen Starkochs Jamie Oliver, hat mit «Wine - Just A Drink» ein Buch für Einsteiger veröffentlicht, denen das elitäre Besserwissertum der Weinwelt zuwider ist und die Wein lieber geniessen, als damit zu prahlen. In witziger Sprache erklärt Skinner die Grundlagen der Weinwelt, spricht über Düfte, Aromen, Rebsorten und Weinregionen und gibt grundlegende Tipps - zum Beispiel jenen, wie sich ein Weinglas schwenken lässt, ohne dass sich der Glasinhalt über die Umgebung verteilt.

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Ein Regal voller Weine. Dutzende, nein, hunderte von Flaschen. Sortiert nach Regionen und Preisen – die teuersten zuoberst, die billigsten zuunterst. Davor: Der Neuling, bereit zum Eintritt in die Welt der Weine. Und überfordert wie ein Esel vor dem Berg, verloren in der Flut stylischer Etiketten und hochtrabenden Namen, so fremd wie die Krater des Mondes. Wie, in aller Welt, soll sich ein Anfänger in Sachen Wein zurecht finden? Die meisten tun es nicht, kehren dem Regal den Rücken und schlagen den Weg zum Biersortiment ein.

Das müsste nicht sein, denn mit ein paar einfachen Regeln können selbst blutige Anfänger Weine finden, die ihnen wahrscheinlich munden werden. Der wohl wichtigste Tipp heisst «Neue Welt». Weine aus Australien, Chile oder Argentinien stossen bei Einsteigern meisten auf mehr Gegenliebe, als die edlen Gewächse aus dem Burgund und dem Bordeaux. Weine aus Übersee sind nicht nur günstiger im Preis, sondern weisen oft auch einen leicht süsslichen Geschmack auf, der vor allem Neulingen gefällt.

Hände weg vom teuren Bordeaux

Wer selten oder noch nie Wein getrunken hat, dürfte mit den Tropfen aus den berühmtesten Weinregionen, dem Bordeaux und dem Burgund, hingegen Mühe bekunden. Bordeaux und Burgunder geniessen ihren guten Ruf nicht zuletzt wegen Weinexperten, denen die Alltagsweine verleidet sind und die auf der Suche nach Herausforderungen sind – nach Weinen, die nicht jedermann gefallen. Schon gar nicht den belächelten Einsteigern.

Hingegen sollte der Einsteiger aufs Land achten. Marc Landolt, Boss von Landolt Weine, empfiehlt: «Weine aus der Region passen in der Regel zum Essen aus derselben Region». Die säurebetonten italienischen Tropfen ergänzen sich mit Pasta-Gerichten, Pizzen und anderen italienischen Genüssen. Zu einer Presspoularde und Schnecken passe hingegen der vielfältige Burgunder besser. Auch der Weinberater Felix Christen empfiehlt zuvorderst chilenische und australische Säfte, sieht aber auch bei Süditalienern aus Apulien und Sizilien gute Chancen, dass sie Neulingen schmecken könnten. Auch Argentinier seien bei Einsteigern oft beliebt, weiss Christen.

Einen überraschenden Tipp hat zudem Landolt auf Lager: Er empfiehlt, Weine aus einem Land zu wählen, gegenüber dem ein Konsument eine positive Einstellung hat. Denn das subjektive Empfinden gegenüber dem Land spiele bei der Wahrnehmung der Aromen eine nicht zu unterschätzende Rolle. Landolt: «Wenn ich Italien liebe, habe ich gegenüber italienischen Weinen eine positivere Einstellung als einem Land gegenüber, das mir unsympathisch ist». Umgekehrt bedeutet dies, dass Säfte aus einer mit Skepsis wahrgenommenen Region eher auf Ablehnung stossen.

Keine zu billigen Weine

Einsteiger sind oft dazu verführt, für einen Wein möglichst wenig Geld auszugeben, was sich als Fehler herausstellen kann: Es gibt zwar trinkbare Tropfen für unter zehn Franken, einen guten zu finden, ist jedoch Glücksache. «Ab zwanzig Franken steigt die Chance enorm, dass ein Wein gut ist», sagt Landolt. Und Christen ergänzt: «Heute gibt es fast keine fehlerhaften Weine mehr. Ab zehn Franken wird es spannend und für 15 bis 30 Franken findet man bereits Topweine.» Landolt warnt zudem zu Vorsicht bei allzu cool gestylten Etiketten: «Hier würde ich kritisch werden.» Diese Weine versuchen Qualitätsmängel oft mit fantasievollem Design zu kompensieren.

Landolt empfiehlt weiterhin, von einem zuvor noch nicht getrunkenen Wein jeweils nur eine Flasche zu kaufen. «Der Mensch ist ein neugieriges Wesen, das sollte er sich zunutze machen», sagt der Weinhändler. Er empfiehlt in einem Kreis von Freunden auch unterschiedliche Flaschen aufzutischen und auszuprobieren, was gefällt. Christen sieht dies anders und empfiehlt, mehrere Flaschen zu kaufen: «Weine, die einem nicht schmecken, können dem Grossverteiler oder Weinhändler zurückgebracht werden. Habe ich mehrere Flaschen von einem Wein, der mir gefällt, riskiere ich hingegen nicht, dass es ihn beim nächsten Mal nicht mehr gibt.»

Für viele kommt der Eintritt in ein Ladenlokal, in dem sich vermeintlich nur Weinprofis aufhalten, dem Schritt in den Olymp der Götter gleich – es erfüllt sie mit Ehrfurcht. Wo Grosshändler mehr Anonymität bieten und es dem Kunden leichter machen, so lange wie gewünscht die Etiketten zu studieren, kann der Fachhändler hingegen auf die Wünsche der Interessierten direkt eingehen. Zwei Fragen sollte der Einsteiger beantworten können: Wie viel Geld er maximal liegen lassen will und ob der Tropfen zu einem bestimmten Essen passen soll.

Kurzum: Einsteiger kommen nicht drum herum, mit dem ersten Schritt in die unbekannte Welt ein kleines Wagnis einzugehen. Tun sie es, werden sie aber schnell feststellen, dass sie in eine faszinierende Domäne eintauchen, die sie fesseln und mit wertvollen Erlebnissen belohnen wird. Und bald schon stehen sie vor dem Weinregal mit den hunderten Flaschen und lassen sich davon nicht abschrecken sondern sehen darin ein weites Feld für spannende Erkundungen und Entdeckungen. Und zum Trost für alle Neulingen: Auch Weinliebhaber, die eine Ahnung von Wein haben, stehen manchmal überfordert vor den Weinregalen und kratzen sich verwundert am Kopf. Nur lassen sie sich von der Überforderung nicht abschrecken. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 18.03.2010, 15:15 Uhr

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14 Kommentare

Alain Burky

26.03.2010, 15:59 Uhr
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Burgunder und Bordeaux fuer Einsteiger ungeeignet ? Das kann man nicht generell sagen - es gibt versch. Preisniveaus. Ein "zu" junger Bordeaux kann jedoch unangenehm streng sein. Wer jedoch Blauburgunder aus der Deutsch-Schweiz oder Dole (Pinot Noir/Gamay) aus dem Wallis mag, findet sicher auch Gefallen am "echten" Burgunder, wenn nicht der Preis bei 1-er oder Grand Cru zu sehr abschreckt... Antworten


Philippe Schnyder

18.03.2010, 19:18 Uhr
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Also ich finde schon, dass Weine aus Übersee, vornehmlich Syrah und Zinfandel dem Neuling eher zugänglich sind als zum Beispiel ein Bordeaux. Vergleichen kann man das wie beim Bier, zuerst beginnt man mit Draft oder "Wasserbier" wie ein BUD und kämpft sich dann hoch zum Guinness ;-) Apropos CO2, meinen Sie wirklich für ein 5 Fr. Übersee Wein können mehrere Liter Diesel eingesetzt werden? Wohl kaum Antworten


Tobias Lienhard

12.03.2010, 13:52 Uhr
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ich glaube, im Supermarkt ist es nicht so einfach, einen Wein zurückzubringen. Wollte einmal in der Migros (verkauft zwar keinen Alkohol) einen hermetisch versiegelten, unveränderten Fruchtsaft im Tetrapack zehn Minuten nach dem Kauf eintauschen und die erlaubten das nur weil sie mich kannten. Zuviel Angst, Lebensmittel würden manipuliert. Antworten


Tino Wohlwend

12.03.2010, 11:44 Uhr
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Es stimmt aber wie es geschrieben wurde. Es ist Glücksache bei Weinen unter 10 CHF einen guten zu finden. Ist mir aber bei einem Südafrikanischen passiert. Toller Wein, gut zu Braten und Grilliertem. Gab es in der Landi für 4 CHF/Flasche. Es stimmt aber auch, dass gute Weine i.d.R. bei ca. 20 CHF anfangen. Kauft euch jeweils eine von verschiedenen Sorten und probiert durch. Macht wirklich Spass. Antworten


Jens Fetzer

12.03.2010, 10:05 Uhr
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Ich habe auch fast keine Ahnung und kaufe meinen Wein immer im Mövenpick. Hat eine super Auswahl und man kann vorher degustieren. Konnte letztens auch Wein zurückgeben der mir doch nicht so gut geschmeckt hat. Ich kaufe fast nur Kalifornische Rotweine. Co2 ?? Wen interessierts?? Antworten


Patrick Rohrer

12.03.2010, 09:38 Uhr
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Der Tip von günstigen und süffigen Überseeweinen ist leider nicht wirklich durchdacht. Seit jeher ist Wein vor allem ein regional produziertes Lebensmittel. Es ist genauso uncool günstige Alltagsweine um die halbe Welt zu schippen, wie im Januar Erdbeeren aus Übersee zu kaufen. Es gibt reichlich preiswerte und auch für Einsteiger verständliche Weine aus der Schweiz & den umliegenden Ländern. Antworten


Ben Müller

12.03.2010, 09:34 Uhr
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Ich bevorzuge Weine aus Europa, nicht aus Übersee. Ist aber eine reine Geschmacks- resp Sympathiefrage. Betreffend CO2 Billanz: die ist für Überseeweine nicht zwingend schlechter wenn man den gesamten Produktions- und Versandprozess anschaut. Tip für Beginners: in vielen Weinhandlungen kann man die Weine auch probieren und sich dazu beraten lassen! Antworten


Joel Becker

12.03.2010, 07:51 Uhr
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Jetzt weiss ich wirklich mehr! Soll ich jetzt nur eine Flasche kaufen, oder gerade eine Kiste? Wieso soll ich nur Weine aus der Neuen Welt trinken, und mich nicht einmal an einen komplexeren französischen Wein wagen? Und wenn es ja gute Tropfen unter zehn Franken gibt, wieso ist das dann Glücksache, die zu finden? Anscheinend sind die dem Autor ja bekannt. Antworten


Hans Meier

12.03.2010, 02:44 Uhr
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Herr Richter, wenn sie sich bei jeder Kleinigkeit solche Sorgen um den CO2 Ausstoss machen, müssten sie leider auch aufhören zu Atmen. Nur eine kleine Anmerkung. Antworten


Michael Naef

12.03.2010, 00:10 Uhr
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Muss man Weine wirklich per Schiff zehntausende Kilometer ins Herzen von Weineuropa, führen? Wieviele Liter Schweröl will ich für 7dl Wein verbrennen? Meine Erfahrung zeigt ausserdem, dass sich gerade die häufig belächelten Schweizerweine bei Neulingen im Vergleich am besten schlagen. Die drei magischen Worte fürs Wallis lauten zB: Humagne Rouge, Cornalin, Syrah. Ich liebe diese erstaunten Augen. Antworten


Stefan Meier

11.03.2010, 23:24 Uhr
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Unter Fr.10.- ist es wirklich schwierig, etwas Trinkbares zu finden. Auf der anderen Seite steigt so ab 25-30.- das Risiko, eine ebenso untrinkbare Wttkampf-CocaCola zu ersteigern deutlich an. Think global, drink local. Antworten


Marco Lardi

11.03.2010, 22:11 Uhr
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Ich bin ein absoluter Laie in sachen Wein, aber ich trinke nur schweizer Wein. Ich brauche nicht Wein, der zuerst 7000Km hierhin geflogen worden ist (ob dieser Wein tatsächlich flüssig in die Schweiz kommt??? ) Ich gehe inst Botthegino Ticinese, sage was es für Essen gibt und ich bekomme vorzüglichen Tessiner Wein der dazu passt erst noch zu einem vernünftigen Preis! Antworten


Rolf Herter

11.03.2010, 17:43 Uhr
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Ach Herr Richter, kann man das nicht bei sämtlicher Importware fragen? Ich trinke meinen Malbec aus Argentinien jedenfalls mit vollem Genuss! Antworten


Till Richter

11.03.2010, 16:01 Uhr
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Es mag sein, dass Weine aus Australien, Chile oder Argentinien gut schmecken. Doch kompensiert der Geschmak wirklich die Energie/den CO2 Ausstoss, die es benötigt um den Wein zu importieren? Antworten



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