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So wohnen Wohnprofis

Der Winterthurer Architekt Beat Rothen ist ein Fan der japanischen Bauweise. Seine Ferienwohnung in Davos ist geprägt von der Reduktion aufs Wesentliche.

Machten aus der kleinen Wohnung ein Schmuckstück: Beat Rothen und Birgit Rieder mit Sohn Ben.

Nicola Pitaro

«No-Architecture» aus den 70er-Jahren: Das Wohnhaus in Davos von aussen.

«No-Architecture» aus den 70er-Jahren: Das Wohnhaus in Davos von aussen.

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Beat Rothen

Beat Rothen, geboren 1957 in Winterthur, machte eine Hochbauzeichnerlehre, studierte anschliessend Architektur am Technikum in Winterthur und hängte noch ein Diplomstudium an der ETH in Zürich an. 1989 gründete er sein eigenes Büro in Winterthur, daneben war er bis 1995 Assistent an der ETH. Seit drei Jahren ist er neben seiner Tätigkeit als Architekt Dozent für Architektur an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Winterthur. Bekannt wurde er mit der Renovation und Erweiterung der Reihenhaussiedlung Zelgli und der Wohnüberbauung auf dem Ninck-Areal in Winterthur sowie den Reihenhäusern der Überbauung Kronwiesen in Zürich. Rothen ist verheiratet und Vater eines Sohnes. (wes)

Wenn Architekten für sich selber ein Ferienhaus oder eine Ferienwohnung bauen, richten sie gerne mit der grossen Kelle an. Nicht so der Winterthurer Beat Rothen. Er zählt in der Schweiz derzeit mit zu den besten Architekten im Bereich Wohnungsbau und hat sich mit spannenden, gut ausgestatteten Wohnungen einen Namen gemacht. Attribute, die auch auf seine Davoser Ferienwohnung zutreffen: Obwohl sie inklusive Balkon gerade mal 41 Quadratmeter misst, bietet sie Platz für ein kleines Bad, eine kombüsenartige Küche und einen grossen Raum, der gleichzeitig Schlafzimmer, Wohnzimmer, Arbeitszimmer und Kinderzimmer ist.

Eine wesentlich grössere Ferienwohnung wäre für Rothen und seine Frau Birgit Rieder, die ebenfalls Architektin ist, nicht infrage gekommen: «Leider nimmt die Wohnfläche in der Schweiz pro Person jedes Jahr zu, da wäre es aus unserer Sicht falsch, eine riesige Ferienwohnung zu kaufen, die häufig leer steht», sagt Beat Rothen. Mehr als die 41 Quadratmeter brauchen er und seine Familie in Davos auch nicht: «Wenn wir hier oben sind, verbringen wir die meiste Zeit draussen oder sind konzentriert am Arbeiten.» Zusätzliche Zimmer wären da nur ein unnötiger Luxus. «Eigentlich ist die Wohnung nicht mehr als ein Hotelzimmer ohne Reinigungsservice mit der Möglichkeit, selber zu kochen und», bringt es der Architekt auf den Punkt, «genau das, was wir brauchen.»

Davos kennen Rothen und seine Frau schon lange. Als begeisterte Skitourenfahrer kommen sie schon viele Jahre in die Stadt in den Bergen. Doch auch sonst hat Davos für die beiden Architekten einiges zu bieten: Beispielsweise die bekannten Bauten des Architekten Rudolf Gaberel aus der Zeit der Moderne. Darunter verschiedene ehemalige Kliniken und Hotels oder der Waldfriedhof im Ortsteil Frauenkirch. Gefallen findet Beat Rothen aber auch an den Bauten seiner Zeitgenossen in Davos: Etwa am Kirchner-Museum oder dem Eisbahngebäude der Zürcher Architekten Gigon und Guyer.

Viel originale Substanz erhalten

Zu ihrer kleinen Wohnung in Davos-Platz in nächster Nähe zur Haupteinkaufsstrasse und zum bekannten Café Schneider fanden Beat Rothen und seine Frau durch Zufall. Schon das Äussere des viergeschossigen Hauses gefiel dem Architektenpaar: «Die ‹No-Architecture› aus den 70er-Jahren hat durch ihre Einfachheit einen ganz speziellen Reiz», sagt Rothen. Überraschend war die Raumhöhe der Wohnung, die nur 2,25 Meter beträgt. Üblich sind heute mindestens 2,40 Meter. Schnell merkten Rothen und seine Frau, dass die geringe Höhe eine Qualität darstellt: «Dadurch wirkt der Ausblick durch die grosse Fensterfront umso mehr.»

Obwohl im Kaufpreis die komplette Ausstattung aus den 70er-Jahren samt ausklappbaren Schrankbetten enthalten war, beschloss das Architektenpaar, die Wohnung zu renovieren. «Die Frage, wie man mit einem so kleinen Raum umgeht, war extrem spannend», sagt Rothen. Als Fan der japanischen Architektur, die sich oft mit sehr kleinen Wohnungsflächen begnügen muss, interessierte ihn die Herausforderung umso mehr. Die Antwort der Architekten auf die kleine Wohnfläche ist eine Reduktion aufs Wesentliche und der pragmatische Umgang mit der vorhandenen Substanz – so wie man es sich von den Projekten aus Rothens Büro gewohnt ist. Alles, was noch brauchbar war, wurde belassen: Die original erhaltene kleine Küche mit den abklappbaren Kochplatten ebenso wie der Spiegelschrank und die Sanitärapparate im Bad sowie der rustikale Kellenputz im Wohnraum.

Neu ist hingegen die Reduktion auf die Farbe Weiss: Der Boden der ganzen Wohnung sowie die Wände im Bad wurden mit einem weissen Polyurethan- Belag überzogen, der Kellenputz erhielt einen leicht glänzenden weissen Anstrich, der zusammen mit einer lang gezogenen, nach vorne abgedeckten Wandleuchte die Struktur hervorhebt. Ebenfalls neu ist das weisse Sideboard, das von der Küche bis fast an die Fensterfront reicht. Es bietet viel Stauraum und dient als multifunktionales Möbel: Im Bereich neben der Küche erweitert es die Arbeitsfläche, in der Mittelzone fungiert es als Ablagefläche, und vorne am Fenster bietet es Platz zum Wickeln von Sohn Ben, der im letzten Oktober auf die Welt gekommen ist.

Rückzugsort für Projekte

Durchdacht und funktional wie das Sideboard, ist auch der schmale, lange Tisch vor der Fensterfront: Er ist zugleich Ess- und Arbeitstisch. Schiebt man ihn in den Raum hinein, finden daran Gäste problemlos in den bequemen Stühlen (La Fonda Armchair von Eames) Platz, steht der Tisch am Fenster, ist er ein angenehmer Arbeitsplatz für die beiden Architekten: «Wir ziehen uns bei schwierigen Projekten gerne mal für ein paar Tage aus dem Büro zurück und arbeiten hier oben», sagt Beat Rothen.

Inspirierender könnte ein Arbeitsort wohl kaum sein: Sind die Augen von der Arbeit am Computer müde, kann man den Blick über die Davoser Bergwelt schweifen lassen. Plagt das Architektenpaar bei der Arbeit der Hunger, so ist es mit wenigen Schritten im nächsten Restaurant, und hat es das Bedürfnis nach frischer Luft, kann es mit Dalmatiner-Rüde Evor einen Spaziergang hoch auf die Schatzalp machen und dabei die nächsten Entwurfsschritte planen. So dürfte wohl auch die eine oder andere Idee für die neue Produktionsstätte der Gebrüder Freitag in Oerlikon, die Beat Rothens Büro derzeit plant, ihren Ursprung in der Davoser Bergwelt haben.

Buchtipp: J. Christoph Bürkle (Hrsg.): Beat Rothen. Wohnbau. Verlag Niggli 2005, ca. 68 Fr.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.01.2010, 08:15 Uhr

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20 Kommentare

Samuel Ineichen

02.03.2010, 10:58 Uhr
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in dieser wohnung kann man nicht 'wohnen'! darin kann man sich nur 'aufhalten'! Antworten


Helena Rupp Grau

08.02.2010, 10:13 Uhr
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Da gehe ich lieber in die rosarote Zelle aus dem neusten Tagi-Magazin als in so eine krankenhaus-ähnliche weisse Wohnung... Für mich wäre das gar nichts. Irgendwie bezeichnend, dass das Paar selber total in Schwarz gekleidet ist. Da hat jemand Angst vor Farben. Antworten


Rahel Oertli Vernez

19.01.2010, 23:06 Uhr
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Beeindruckend wie die Funktionalität im Vordergrung steht und die Schönheit doch nicht zu kurz kommt. Vor allem dass der Raum je nach Bedarf genützt werden kann gefällt mir und natürlich auch dass die Gestaltung der Wohnung dem Lebenstil der Bewohner angepasst wurde und nicht umgekehrt! Antworten


Fritz Nussbaumer

12.01.2010, 22:25 Uhr
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Schenkt dem jungen Ben Fingerfarben und Farbkreide. Sein Papa und seine Mama werden dann schon noch lernen, was echte Kreativität leisten kann. Antworten


Stefan Bucher

12.01.2010, 15:37 Uhr
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Kompliment an die Kommentatoren - amuesant, kreativ und fuer einmal mehrheitlich nicht deskreditierend. Hat Spass gemacht den Artikel und die Kommentare zu lesen. Antworten


Prisca Sprecher

12.01.2010, 13:31 Uhr
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Iiiiiiiiiiiiih, da kommt ja keine Gemütlichkeit auf! Antworten


Markus Keller

12.01.2010, 13:18 Uhr
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Wohnlich und gemütlich sieht gewiss anders aus ! Frau Rieder hat sich wohl entschieden, zur stets fleissigen Putzfrau zu werden oder in einer dauernd verschmutzten Ferienwohnung zu weilen. Ästetik mit Zeitgeschmack sollte unbedingt auch praktisch sein - leider haben das nicht nur das Paar Rothen/rReder völlig vergessen, sondern auch die meisten anderen Architekten. Antworten


Michael Meyer

12.01.2010, 11:40 Uhr
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Was besonderes ist es nicht, ich würde dafür nie einen Architekten engagieren. Und trotzdem Interessant. Ich könnte mich darin auch wohl fühlen. Ein reduziertes Umfeld ist für viele Menschen eine Bereicherung. Antworten


Simon Schmid

12.01.2010, 11:21 Uhr
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Ich bin zwar erst 30, also noch jung, aber dieses moderne Zeug gefällt mir gar nicht. Da gelobe ich mir meine Altbauwohnung mit Stuck und meine Einrichtung aus Grosis Zeiten. Charme und Gemütlichkeit sind die Zauberworte. Diese Wohnung muss man wahrscheinlich auf etwa 30Grad heizen, dass einem warm wird. Also der Rothen baut mein Haus sicher nicht. Aber jedem das Seine. Antworten


Daniela Meichtry

12.01.2010, 11:03 Uhr
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Eben, Konzentration auf das Wesentliche: die Aussicht aus dem Fenster, wenn die Augen vom vorherrschenden Weiss geblendet sind. Wobei im Winter ists draussen auch mehrheitlich weiss... Geschmäcker sind bekanntlich verschieden. Antworten


Daniel Zurbriggen

12.01.2010, 10:32 Uhr
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Reduktion aufs Wesentliche, weissen Polyurethan- Belag, Durchdacht und funktional, Inspirierender könnte ein Arbeitsort wohl kaum sein, Dozent für Architektur an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften. Was bleibt mir da noch übrig, sowohl der Schreiber wie auch die kleine Familie scheinen da Dinge zu erfassen die mir wohl für immer verschlossen bleiben werden .. Tja Antworten


Leo Stern

12.01.2010, 10:25 Uhr
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Antoine de Saint-Exupérys Spruch stimmt immer noch: "Il semble que la perfection soit atteinte non quand il n'y a plus rien à ajouter, mais quand il n'y a plus rien à retrancher." Aber auch so topmoderne Architekten haben noch eine biedere Seite: ich hätte die Vorhänge weggelassen. Antworten


Ruedi Merz

12.01.2010, 10:19 Uhr
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Mir gefällt dieses Haus. Es wäre schön, wenn es, besonders in den Alpen, weniger geschmacklosen Kitsch geben würde. Antworten


Veronika Eugster

12.01.2010, 10:19 Uhr
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Ich wünsche Ben viel Spass beim Anmalen! :o) Antworten


Bruno Fischer

12.01.2010, 09:47 Uhr
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Für mich wär das ja nichts - aber ich respektiere es. Ich hoffe nur, dass sie dem Kind zuhause eine andregendere Umgebung eingerichtet haben und nicht nur an sich gedacht haben. Mich erschreckt immer wieder wie wenig Eltern an die Bedürfnisse ihrer Kinder denken. - Ich wünsche Ben (dem Kind) möglichst wenig Schelte, weil er den weissen Boden schon wieder schmutzig gemacht hat... Antworten


Stefan Grünig

12.01.2010, 09:38 Uhr
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Bin immer wieder von Neuem überrascht, welch' langweilige, kühle und leblose Räume Menschen überhaupt aushalten können. Aber sie sind ein Spiegel unserer Trendgesellschaft. Wer so wohnen will, dem sei's gegönnt. Ich für mich brauche keine klinisch toten Räume, sondern Wärme, Gemütlichkeit und Geborgenheit. Das Zuhauseist ein Rückzugsort vom Arbeitsalltag. Architekten sind ein spezielles Völkchen! Antworten


Daniel Fürst

12.01.2010, 09:29 Uhr
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Lieber Georg Porti Im Detail liegt die Rafinesse! Die Haarfarbe von Birgit Rieder ist genau auf den Holzrahmen des Fensters abgestimmt. Nette weltbewegende Werbung fürs Büro Rothen! Antworten


Markus A. Brotschi

12.01.2010, 09:14 Uhr
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Sehr schön gelungen, dieses Spitalzimmer. Würde man das Fenster weglassen, würde es mich an die WK-Zeit in den Bunkern erinnern. Bravo, eine innenarchitektonische "Meisterleistung". Antworten


Georg Porti

12.01.2010, 08:35 Uhr
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So was von langweilig, weisse Wohnung und schwarzgraue Kleider. Antworten


Anita Beeler

12.01.2010, 08:33 Uhr
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Schönheit ist Subjektiv. Mich fröstelts beim Anblick dieses "Krankenhauszimmers", aber jedem das Seine.... wenn nur nicht einige diese Architekten ihr Schönheits-Bempfinden der Allgemeinheit mittels seelenloser Flachdach-Silos aufdrücken würden.... Antworten



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