Meinung

Raubkunst schadet den Museen

Von Res Strehle. Aktualisiert am 08.03.2011

Res Strehle

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Es ist erstaunlich, wie wenig transparent die Schweizer Kunsthäuser und Museen ihre Bemühungen machen wollen, Raubkunst aus der Zeit des Nationalsozialismus zu entdecken. Das mag mit ihrer Abneigung gegenüber dem Thema zu tun haben – der Aussicht, dabei wenig gewinnen zu können, aber viel zu verlieren.

Dabei kann Raubkunst ähnlich wie einst die nachrichtenlosen Konten jederzeit wieder zu einem grösseren Thema werden. Nach wie vor ungeklärt sind Herkunft und Verbleib einer grossen Zahl von Kunstobjekten, die damals erworben oder den Museen später geschenkt wurden. Auf einer Reihe von Objekten lastet noch immer der Verdacht einer Konfiskation oder einer Zwangslage des Verkäufers – oft über mehrere Zwischenhändler und ohne böswillige Absicht des Erwerbers.

Von Kulturinstitutionen ist zu erwarten, dass sie sich der Vergangenheit stellen und Moral ebenso hoch gewichten wie Ästhetik. In guter Kultur steckt stets der Entwurf einer besseren Gesellschaft. Bilder, die von totalitären Regimes konfisziert oder vor einer Flucht überstürzt abgegeben werden mussten, passen schlecht zu diesem Anspruch.

Stossend ist, dass laut dem Winterthurer Historiker Thomas Buomberger auch das Zürcher Kunsthaus und die Fondation Beyeler wenig Bereitschaft zeigen, Transparenz herzustellen. Schliesslich wurde auch dem grossen Basler Händler, Sammler und Mäzen Ernst Beyeler vorgeworfen, Raubkunst erworben zu haben. Beyeler hat der Region Basel ein grossartiges Erbe hinterlassen. Es wäre schade, wenn dieser Schatten auf ihm liegen bliebe. Demgegenüber scheint sich die Stiftung Bührle für einmal vorbildlich zu verhalten. Auch deren Stifter hat sich dem Thema zeitlebens nie konsequent gestellt – die Verwalter seines Erbes scheinen dies ändern zu wollen.

Das ist gerade in diesem Fall wichtig, wird in Zürich doch nächstes Jahr über den Erweiterungsbau des Kunsthauses abgestimmt. Hier soll dereinst auch die Sammlung Bührle ihren Platz finden. Mit ihrer Kooperation zeigen die Verantwortlichen, dass sie diese Abstimmungsdebatte nicht wie einst jene über die Flick-Sammlung mit einer Debatte über Raubkunst und Raubgeld belasten wollen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.03.2011, 21:41 Uhr

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