Meinung

Aufgesetzte Empörung

Von Luciano Ferrari. Aktualisiert am 19.02.2011 6 Kommentare

Luciano Ferrari

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Ausgerechnet der immer wie geleckt auftretende Karl-Theodor Freiherr von und zu Guttenberg! Ausgerechnet er soll einen dicken, schwarzen Fleck auf seiner weissen Weste haben. Die Schadenfreude, die Häme und die moralische Empörung bei vielen deutschen Journalisten und der Opposition sind gross.

Doch die Aufregung wirkt aufgesetzt. Im Grunde sind sich die meisten seiner lauten Ankläger nicht sicher, wie sehr sie sich nun echauffieren sollen. Guttenberg ist nicht ein Fehler im Amt unterlaufen. Es ist sein Image, seine Glaubwürdigkeit, die sorgfältig gepflegte Selbstdarstellung als Saubermann, die im Zweifel stehen. Seine Gegner und Neider zögern deshalb zu Recht, ihn allzu heftig zu verurteilen. Sie können bis anhin nur hoffen, dass der Mann, der sich so gerne selbst inszeniert, in die eigene Falle getappt ist.

Vorerst aber weist Guttenberg die Plagiatsvorwürfe öffentlich von sich: «Eine von mir verfasste Dissertation ist kein Plagiat.» An dieser Aussage soll man ihn messen. Die Prüfung und Gewichtung der Fehler durch die Universität Bayreuth müssen ergeben, ob sich Guttenberg zu sehr mit fremden Federn geschmückt hat und ein Dieb geistigen Eigentums, ein Fälscher und Hochstapler ist. Bis dahin aber gilt die Unschuldsvermutung – auch für dieses politische Ausnahmetalent.

Von aussen betrachtet, ist man jedenfalls weiterhin geneigt, Respekt zu empfinden für diesen 39 Jahre jungen Verteidigungsminister, der erst seit gut einem Jahr im Amt ist und die Verantwortung für eine Armee trägt, die in Afghanistan in einem schwierigen Krieg steht.

Dabei hat er in dieser kurzen Zeit gleichzeitig die Wehrpflicht aufgehoben und eine der grössten Umgestaltungen der Streitkräfte seit Begründung der Bundeswehr angepackt. Als politisch Verantwortlicher hat er dabei eine klare Analyse vorgenommen: «Kein Staat in Europa kann seine Sicherheit langfristig aus eigener Kraft gewährleisten.» Vergleicht man diesen politischen Führungswillen mit jenem des Schweizer Verteidigungsministers, der bereits 10 Monate länger im Amt ist und immer noch kein Konzept für die eigenen Streitkräfte hat, wird schnell klar, dass hinter den Angriffen auf Guttenberg auch sehr viel Missgunst gegen einen starken Politiker steckt.

Kommentar

Luciano Ferrari, Ressortleiter Internationale Politik, über den deutschen Verteidigungsminister. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 19.02.2011, 03:04 Uhr

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6 Kommentare

Frank Oswalt

20.02.2011, 08:54 Uhr
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Nein, hinter den Angrfffen steckt, ganz im Gegenteil, erstaunlich wenig Missgunst. Nur sehr vorsichtig beginnen Oppositionspolitiker, das politische Potenzial von Guttenbergs Fehlverhalten zu nutzen. Es steckt etwas anderes dahinter: die Frage, ob jemand, der sich einen akademischen Titel durch einen massiven Betrugsversuch erschleicht, geeignet ist, politische Verantwortung zu tragen. Antworten


Adrian Engler

20.02.2011, 17:29 Uhr
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Dieser Text wurde wohl geschrieben, als noch weniger über das Ausmass von Guttenbergs Betrug bei der Dissertation bekannt war. Sonst wäre die Verharm?osung unverständlich. Antworten



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