Meinung
Das bessere Italien
Von Luciano Ferrari. Aktualisiert am 07.04.2009
Luciano Ferrari.
Italien, das Land am Abgrund. Das Belpaese, das sich inzwischen immer öfter selbst als «Malpaese» kasteit. Das Land mit dem schwachen Staat – einem fast schon gescheiterten, wie der Müllskandal von Neapel befürchten liess. Ein Land, das finanziell am Ende ist. Das mitten in der Finanzkrise bis Ende Jahr 200 Milliarden Euro «finden» muss, um seine horrenden Staatsschulden zu finanzieren. Ein Staat, dem die eigenen Bürger kaum noch vertrauen und den sie laut neusten Studien durch Schattenwirtschaft, Steuerhinterziehung und mafiose Geschäfte jährlich um mindestens 100 Milliarden Euro an Steuereinnahmen prellen.
Dieses Italien zeigt in der Katastrophe, dass trotz all dieser offensichtlichen Defizite noch Hilfsbereitschaft, Solidarität und Bürgersinn in der Bevölkerung stecken. Beobachter wie auch die Italiener selbst stellen mit Verblüffung fest, wie aus dem ganzen Land Freiwillige und Hilfsgüter aller Art ins Erdbebengebiet in den Abruzzen strömen. Jenseits der völlig auf sich selbst bezogenen Politkaste, die sich nur um Pfründe, Prestige und Intrigen kümmert, gibt es offensichtlich noch einen Bürgerstaat, auf den sich bauen lässt.
Selbst die staatlichen Institutionen sind nicht alle so morsch wie gedacht. Der Zivilschutz, die Feuerwehr oder die Armee arbeiten mit beeindruckender Effizienz und Professionalität im Katastrophengebiet.
Natürlich läuft nicht alles perfekt, und es ist schlicht eine Schande, dass ausgerechnet das erst vor neun Jahren gebaute Spital bei L'Aquila durch die Erdstösse unbrauchbar wurde. Wenn Gebäude in einem Erdbebengebiet stabil gebaut sein sollten, dann Schulen und Spitäler. Doch auch diese Mängel verblassen vor der grossen gemeinschaftlichen Kraftanstrengung. Italien zeigt in der Krise, dass es sich noch nicht aufgegeben hat. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 07.04.2009, 23:43 Uhr





