Meinung

Deltenre blieb unfassbar

Von Jean-Martin Büttner. Aktualisiert am 05.06.2009

Jean-Martin Büttner

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Sie geht schneller als erwartet. Ingrid Deltenre musste erkennen, dass sie kaum mehr die Chance bekommen würde, zur Superchefin über Fernsehen und Radio der deutschen Schweiz aufzusteigen. Was hat die Direktorin aus dem Schweizer Fernsehen gemacht in den letzten fünfeinhalb Jahren?

Ingrid Deltenre hatte es von Anfang an schwer. Sie musste dem Sender unter Spardruck Quote bringen und für Qualität garantieren. Und sie folgte als Managerin ohne Fernseherfahrung auf Peter Schellenberg: einem umstrittenen, aber erfahrenen Journalisten, der die Information stark aufgewertet hatte.

Sie selbst blieb bis zuletzt schwer zu fassen. Egal, wozu man sie befragte, ihre Antworten blieben technokratisch, und ihre Managervokabeln lösten sich in Luft auf. Man merkte der Chefin an, dass sie zuletzt für die Werbung gearbeitet hatte: Verpackung schien ihr wichtiger als Substanz.

Dabei hat Ingrid Deltenre einiges verändert. Sie vermarktete den Sender prononciert und verpasste SF 2 ein jüngeres Profil, unter anderem mit hochklassigen US-Serien. Auf SF 1 favorisierte sie private Fernsehformate wie «Deal or no Deal» oder «MusicStar». Später forcierte sie die «Swissness», wie das bei der SRG heisst, brachte solide Folklore auf den Sender und neue Sendungen wie «Eco». Dagegen scheiterte sie mit der Spitalserie «Tag und Nacht», für die sie «Lüthi und Blanc» geopfert hatte. Auch das humorfreie «Black & Blond» geriet ihr zum Debakel.

Für die Unterhaltung hat sich die Direktorin stark engagiert, bei der Information und der Kultur war sie kaum präsent. Beides ist zentral für den Service public. Insgesamt hat Ingrid Deltenre mit Gebührengeldern ein erweitertes Privatfernsehen betrieben. Das ist zu wenig. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 05.06.2009, 23:25 Uhr

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