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Der Freiherr und die Republik

Von David Nauer. Aktualisiert am 02.03.2011 1 Kommentar

David Nauer

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Was für ein Abgang! Noch vor wenigen Wochen war Karl-Theodor zu Guttenberg der Superstar der deutschen Politik. Viele glaubten, hofften, er würde dereinst Angela Merkel beerben. Ein Kanzler in spe, noch keine 40 Jahre alt. Jetzt sind die Träume geplatzt wie ein Luftballon.

Für die Fans des Ministers kommt sein Rücktritt einem Schock gleich. Sie hatten ihn geliebt für seine glamourösen Auftritte, dafür, dass er so anders war als all die grauen Mäuse im Berliner Regierungsviertel. Er hatte auch Mut, dieser konservative Adlige. Die dringend nötige Armeereform stiess er gegen alle Bedenken an – getragen von seiner Popularität.

Es scheint, dass diese Erfolge dem Freiherrn etwas in den Kopf gestiegen sind. Als bekannt wurde, dass er grosse Teile seiner Doktorarbeit abgeschrieben hat, sprang er über die Vorwürfe hinweg wie ein Rennpferd über die Hindernisse auf dem Parcours. Gleichsam zu seiner Bestätigung brachen nicht einmal die Umfragewerte ein, und Guttenberg blieb – kräftig unterstützt von der «Bild»-Zeitung – der beliebteste Politiker des Landes.

Dabei allerdings offenbarte der Minister ein bedenkliches Politikverständnis. Nach seiner Logik sind nicht Leistung und Rechtschaffenheit die entscheidenden Tugenden im öffentlichen Leben, sondern Auftritt, Glanz und Popularität.

Guttenberg ist nicht der Erfinder einer solchen Politik, die den Effekt sucht. Populisten wie Jörg Haider oder Silvio Berlusconi haben es ihm vorgemacht – und damit weit gebracht. Der Bayer aber scheiterte am intakten Immunsystem der deutschen Gesellschaft. Nicht eine neidische Opposition oder nörgelnde Journalisten haben den Strahlemann zu Fall gebracht, sondern eine Art Aufstand der Anständigen.

Dutzende von Internetnutzern suchten seine Arbeit nach kopierten Stellen ab; Hunderte Professoren und Tausende Doktoranden empörten sich öffentlich über den «Copy-Paste-Minister». Auch Guttenbergs Doktorvater distanzierte sich von seinem ehemaligen Schützling. Sie alle zusammen haben Grosses vollbracht, sie haben gleichsam die Werteordnung der Republik wiederhergestellt. Schon deswegen war der gestrige Tag ein guter Tag für Deutschland. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 01.03.2011, 22:37 Uhr

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1 Kommentar

Roberto Krebs

02.03.2011, 09:08 Uhr
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Sehr gut , Herr Nauer.
Ihr Kommentar trifft es, wenn sie hierbei den Vergleich zu bekannten Populisten ziehen.
Selbiges ist mir bei diesem Thema auch in den Sinn gekommen.
Danke + Gruß aus Leipzig
PS: Bitte meine Daten nicht an Dritte (egal zu welchem Zwecke) weitergeben!!!! Werbung wünsche ich nicht!
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