Meinung

Die ETH braucht klare Regeln

Von Matthias Meili. Aktualisiert am 05.10.2009 2 Kommentare
Matthias Meili.

Matthias Meili.

Vor zwei Wochen ist ETH-Professor Peter Chen als Forschungschef zurückgetreten. Denn vor zehn Jahren war in seinem Labor ein wissenschaftlicher Betrug vorgefallen. Gestern hat Chen auf der ETH-Website angedeutet, dass sein Rücktritt nicht nötig gewesen wäre, wenn der Name des Betrügers, vermutlich der damalige Doktorand, veröffentlicht worden wäre. Das zeugt von Uneinsichtigkeit. Denn der Betrugsfall ist trotz allem in seiner Forschergruppe passiert.

Zwar wäre Chen wohl – zumindest moralisch – frei von Schuld, wenn er betrügerisch hintergangen worden ist. Aber als Forschungschef und als Vizepräsident der ETH Zürich ist er doch nicht mehr tragbar.

Aus drei Gründen: Erstens ist er verantwortlich für die Institution. Der Betrugsskandal hat der ETH schwer geschadet. Dabei sollte sie zur Lösung wichtiger gesellschaftlicher Probleme beitragen. Die Wissenschaftler an der ETH haben das Zeug dazu. Dazu muss die Schule aber ihre Glaubwürdigkeit bewahren; auch die Glaubwürdigkeit gegen innen: gegenüber den Studenten, den Doktoranden und den Kollegen Professoren – in dieser Reihenfolge.

Als Vizepräsident Forschung ist Peter Chen zweitens auch verantwortlich dafür, dass der Forschungsbetrieb fair abläuft. Dazu braucht es klare Regeln – egal, ob es sich um Anstellungsverfahren, Autorenschaft oder die Aufbewahrungspflicht von Laborjournalen handelt. Es ist im vorliegenden Fall vielleicht der grösste Skandal, dass die Versuchsprotokolle nicht mehr gefunden wurden. Jeder Steuerzahler muss seine Belege jahrelang aufbewahren. Dass an der ETH die Aufbewahrungspflicht für Laborprotokolle erst seit 2008 gilt, ist unverständlich.

Drittens die Verantwortung als Ko-Autor: Peter Chen war auf den beanstandeten Publikationen einer von drei Autoren. Man kann nicht verlangen, dass ein Professor den Doktoranden bei jeder Pipettenfüllung auf die Finger schaut. Wer aber seinen Namen auf die Publikation seiner Doktoranden setzt, profitiert auch in hohem Mass davon. Und deshalb ist es richtig, dass er mit seinem Namen auch für das Ergebnis haftet. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 05.10.2009, 09:13 Uhr

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2 Kommentare

Besser Nicht

05.10.2009, 12:02 Uhr
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Die ETH wird von diesem Vorfall genau nichts lernen. Ihre elitären Ansprüche schlagen permanent in arroganten Höhenflügen aus. Liest man einen Studienbeschrieb, so scheint sie die Hochschule für jedermann zu sein. Das unsichtbare Kleingedruckte: "Wirklich interessant sind Sie für uns nur, sofern Sie zu den Besten der Besten gehören und manisch Ihrer Arbeit nachgehen." Die Ware Forscher ist geboren Antworten


Emma Katt

05.10.2009, 22:01 Uhr
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@besser nicht: spricht da der Neid des gescheiterten Erstsemesterstudenten? Wer an die ETH will, darf sicher nicht faul sein, aber es gibt genug Leute, die nicht nur Forscher sondern auch Mensch sind und ein Leben neben der Forschung haben. Herr Meili hat absolut Recht, dass sich Prof. Chen seiner Verantwortung als Group Leader nicht entziehen kann, auch wenn er hintergangen wurde. Antworten



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