Meinung

Englisch als Amtssprache: Restez cool, please

Aktualisiert am 19.02.2009 8 Kommentare

Jean-Martin Büttner.

Jean-Martin Büttner.

Je grösser die Empfindlichkeit, desto absehbarer die Reaktion. Kaum hatten die Autoren einer Nationalfonds-Studie ihre Empfehlung veröffentlicht, das Englische als Teil-Amtssprache aufzuwerten, schäumte in der Westschweiz die Empörung hoch. So etwas sei lächerlich und komme überhaupt nicht in Frage, enerviert sich der Freiburger CVP-Nationalrat Dominique de Buman. Er muss sich dagegen verwahren, schon weil er als Präsident der Organisation Helvetia Latina die Förderung der lateinischen Sprachen vorantreiben muss.

Der Neuenburger SP-Nationalrat Didier Berberat redet gar von einem «Kulturimperialismus des Englischen», auch er ein Politiker, der mit dem sprachlichen Ausgleich zu tun hat. Für einmal werden die Welschen aber von Deutschschweizer Politikern unterstützt, die zum selben Schluss gelangen. Die Schweiz sei viersprachig, lässt sich ihre Version zusammenfassen, und das solle sie gefälligst bleiben. Keine fremden Verben!

Sind das blosse Reflexe von Minderheiten und Traditionalisten, die sich sowieso unverstanden fühlen und ihre Sprache und Kultur bei jeder Gelegenheit bedroht sehen? Droht das Englische das Französische zu verdrängen, und reden die Deutschschweizer Parlamentarier bald auf Englisch mit ihren welschen Kollegen? Muss man die Sorge aus dem Westen ernst nehmen, und soll man die Study des Nationalfonds möglichst rasch im Drawer disappearen lassen?

Man muss die Sorge ernst nehmen, aber auch die Empfehlung des Nationalfonds. Die Sorge der Romands lässt sich nämlich nachvollziehen. In Bern werden immer mehr Texte bloss noch auf Deutsch publiziert, in den Kommissionen gibt es keine Übersetzungen, zumal die Mehrheit schnell dem Dialekt verfällt und die Welschen und Tessiner von der Diskussion ausschliesst. Sowieso müssen sich die sprachlichen Minderheiten bei uns besonders anstrengen, weil die Deutschschweizer an Diglossie leiden, das heisst: Sie reden anders, als sie schreiben. Wenn die Gegenseite auf Dialekt antwortet, hilft den Welschen und Tessinern das mühsam erlernte Hochdeutsch auch nicht weiter.

Nicht zu bestreiten ist auch: Das Französische ist bei den Schülerinnen und Schülern der Deutschschweiz wenig beliebt. Orthografie und Grammatik sind unvergleichlich schwieriger als im Englischen, das erst noch cool klingt und nützlich ist. Die leidenschaftliche, von Zürich angestossene Debatte um das Frühenglisch hat bereits gezeigt, wie stark die Versuchung gewachsen ist, das Englische auf Kosten des Französischen zu bevorzugen.

Das ist nicht gut für das austarierte System Schweiz, dagegen soll man sich wehren. Nur geht es im vorliegenden Fall um etwas völlig anderes. Die Studie will nicht das Französische vom Englischen verdrängen lassen. Die Autoren schlagen keinen Ersatz vor, sondern eine Ergänzung: Die Behörden sollen künftig auch auf Englisch Auskunft geben; die Ausländer sollen Übersetzungshilfe bekommen; und wichtige Texte wie die Steuererklärung oder der Lohnausweis sollen auf Englisch abgegeben werden können. Über 70000 englischsprachige Ausländer leben in der Schweiz, viele von ihnen bleiben nur wenige Jahre hier. Dazu kommen sehr viel mehr, die Englisch als erste Fremdsprache gelernt haben. Ihnen allen kann so geholfen werden.

Ausserdem ist es gar nicht so schwer. Als Wirtschaftszentrum und Touristenland braucht die Schweiz das Englische jetzt schon jeden Tag, egal in welchem Landesteil. Es wird ja auch an den Schulen unterrichtet. Où est le problème, messieurs?

Man muss die Sorge der Romands ernst nehmen, aber nicht nur sie.

Erstellt: 19.02.2009, 00:32 Uhr

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8 Kommentare

test teste

08.03.2009, 17:11 Uhr
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twset Antworten


Jörg Bruggmann

19.02.2009, 17:39 Uhr
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Bei den eglischsprechenden Ausländern die nur für kurze Zeit hier sind, handelt es sich meist um hochbezahlte Jobs. Dies Leute lassen ihre Steuererklärung ausfülle, die lassen eine Wohnung suchen usw. Dieses Argument sticht also überhaupt nicht. Antworten


Christian Nogler

19.02.2009, 11:24 Uhr
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Da in der Schweiz eh bald alles Euro-Kompatibel sein muss (oder wird.. .. ) sollten wir vorher in Brüssel nachfragen. Nicht, dass wir da Fehler machen, und wir gemassregelt .. .. .. Das hätte den Vorteil, dass die vielen Reisen legitimiert würden. Antworten


Patrick Tigri

19.02.2009, 06:11 Uhr
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Ach, zuviele Leute haben halt wiedermal nicht genau hingehört und "Landessprache" verstanden, als lediglich von "Amtssprache" die Rede war. Es geht nicht darum, dass man in der Schweiz Englisch können muss oder soll, sondern nur darum, dass man es auf der Gemeindeverwaltung benutzen darf. C'est tout, ecco, che vi devo di'. Antworten


Lotti Haddou

19.02.2009, 05:51 Uhr
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Klitzekleiner Einwand: Die französische Orthographie ist nicht schwieriger als die englische, im Gegenteil, da diese sehr unkonsequent ist. Antworten


Erich Hofstetter

19.02.2009, 01:51 Uhr
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/0'000 englischsprachige Ausländer in der Schweiz können wohl nicht im Ernst ein Grund dafür sein eine neue Amtsprache einzuführen. Sorry, Teil-Amstsprache, das ist ja dann etwas ganz Neues. Es leben 190'000 Portugiesen in der Schweiz - her mit der Teil-Amtsprache! Antworten


Michael Schneider

19.02.2009, 01:02 Uhr
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Sehr schöne eine Kausalität gebastelt, mit einer etwas holprigen Schlussfolgerung. Doch, es ist einzusehen, dass Ausländer unsere Sprache sprechen. Also Bitte alles was recht ist. Und nein, uns in der Schweiz erwächst kein wirtschaftlicher Nachteil. Das nachvollziehbare Argument mit der Wirtschaft gilt nur für Züri. Darum wenn überhaupt auf Kt-Ebene. Antworten


christoph scheidegger

18.02.2009, 23:25 Uhr
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was ist mit chinesisch...? Antworten