Meinung
Irritierende Frauensolidarität
Von Bettina Weber. Aktualisiert am 10.11.2009 28 Kommentare
Bettina Weber.
In der Causa Carl Hirschmann geht Merkwürdiges vonstatten. Es ist eine irritierende Solidarisierung mit Hirschmann festzustellen, und die Schützenhilfe kommt ausgerechnet von weiblicher Seite. In Zeitungen und am Fernsehen erklären Journalistinnen, dass jene Frauen, die Hirschmann nun beschuldigen, sich nicht so haben sollten, dass sie selbst schuld seien. Überhaupt wird eine Verschwörung gegen einen attraktiven, jungen, schwerreichen Mann gewittert, dem man bloss schaden wolle. Das ist bemerkenswert.
Die Unschuldsvermutung stets vorausgesetzt, so ist doch festzuhalten: Da wurde ein Mann verhaftet. Dafür müssen handfeste Gründe vorliegen. Da reicht es nicht, dass sich eine bloss beschwert, der Carl habe nach einem One Night Stand nichts mehr von ihr wissen wollen. So ist denn auch von Körperverletzung die Rede – offenbar geht es um mutmassliche Gewalt gegen Frauen. Umso mehr erstaunt, dass sofort die Glaubwürdigkeit der Opfer infrage gestellt wird. In abschätzig-bissigem Ton kommentieren die selbst ernannten Hirschmann-Anwältinnen, dass es sich bei den betroffenen Frauen um Models und Ex-Missen handle und damit um Frauen, die sich im Glanz von Hirschmann hätten sonnen wollen, sich einen Aufstieg in seine Gesellschaftsschicht erhofften und auf sein Geld aus gewesen seien. Wer sich auf dieses Spiel einlasse, dürfe sich im Nachhinein nicht beklagen.
Eine befremdende Logik. Sie erinnert an jene Zeit, als man vergewaltigten Frauen vorwarf, sie hätten eben nicht so einen kurzen Rock tragen sollen. Die Umkehrung von Opfer und Täter, gerade bei Gewalt-und Sexualdelikten, ist uralt, und es geht stets darum, das Opfer – meistens die Frau – zu diskreditieren und als moralisch zweifelhaft hinzustellen. Es mag nicht dem Bild einer eigenständigen, selbstbewussten Frau entsprechen, sich in der Hoffnung auf ein aufregenderes Leben mit einem steinreichen Mann einzulassen – sie aber deshalb zu Täterinnen zu machen, ist unzulässig und anmassend. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 10.11.2009, 11:38 Uhr
WRITE A COMMENT
28 Kommentare
Müssen "handfeste Gründe" für eine Verhaftung vorliegen?! Aber sicher nicht! Jeder Knilch kann in den Polizeiposten latschen und eine (auch falsche) Beschuldigung vorbringen. Klar - er müsste dafür an die Kasse kommen, aber lahme und pflichtvergessene Staatsanwälte und angewiderte Opfer tun eben meistens nichts. Letzteres ist sehr bedauerlich. PS. Das ist keine Äusserung über den Fall Carli H. Antworten
Tja Frau Weber, ich fürchte, es handelt sich hier um ein klassisches Beispiel der legendären berühmt-berüchtigten Stutenbissigkeit unter dem weiblichen Geschlecht. Leider haben es immer noch nicht viele Frauen der Neuzeit geschafft, zwischen souveräner Selbstbewusstheit und zickiger Arroganz zu unterscheiden. Aber Schönheit und Reichtum zusammen haben schon immer für Konfusion gesorgt... Antworten
Tja, so ist es scheinbar heute in unserer Gesellschaft. Frauen dürfen selbstverständlich mit ihrem z. Teil provokativem Outfit ihre Umgebung aufgeilen;- die Männer dürfen aber auf keinen Fall reagieren! Super, genau so will es das Gesetz der Evolution! Oder irrt sich da Frau Bettina Weber? Antworten
So nun muss mal klargestellt werden. Milliardärs-Millionärs, Diktatur und Potentatensöhnchen haben das Recht, ja geradezu die Pflicht in unserer Gesellschaft sich so zu benehmen wie sie es für gut finden und es wollen. Ob Schlagen, Fotografieren, Filmen oder Vergewaltigen spielt keine Rolle. Vorbild müssen sie sein für die zukünftigen weiteren Söhnchen. Oder etwa nicht??? Antworten
Diese irritierende Solidarisierung kommt darum, weil auf gewisse Frauen ein schöner Schurke mit Geld , etwas Anziehendes hat. Auch grenzt es fast an Selbstverstümmelung, ...so ein Mann bleibt anziehend. Selbst in Kriegen, wo Besetzer oft Schreckliches mit den Besetzten tun, können Frauen Liebschaften mit den Tyrannen haben. Warum.? ... weil .dies wohl archaische Energien sind ! Antworten
Ich staune, dass Sie nicht wissen, dass Frauensolidarität zwar ein Begriff sein sollte - wenn's hart auf hart geht - bleibt davon nicht viel übrig. Vielleicht erhoffen sich die Anwältinnen Hirschmanns dereinst ebenalls einen Sonnenplatz an seiner Seite - aufgrund ihrer blinden Autorität ihm gegenüber. Wenn Frauen zu den Verliererinnen gehören, dann immer auch, weil sie von Frauen verraten werden. Antworten
ich denke, dass sich darum nicht unwesentlich viele frauen mit hirschmann solidarisieren, weil sie besser wissen als wir männer, wie eine junge frau funktioniert. falls hirschmann straffrei ausgeht, dürfte der schaden für die frauen immens sein. darum jetzt noch nicht zu laut rufen... Antworten
Hier reichte offensichtlich eine Anzeige für ein Verhaftung (da die Polizei nur auf Fehler von Herrn Hirschmann wartete), und ob dazu handfeste Gründe vorlagen, wird sich zeigen. Die Unschuldsvermutung gilt vorerst für alle, und Vorverurteilungen, egal auf welche Seite, sind immer riskant. Sie begehen hier den gleichen Fehler wie die von Ihnen angeprangerten "Hirschmann-Anwältinnen" Frau Weber. Antworten
"Da wurde ein Mann verhaftet. Dafür müssen handfeste Gründe vorliegen.".. was ist denn das für ein Quatsch? Es gilt doch hier wohl immernoch in dubio pro reo, oder nicht?? Auch die sich selbst verletzende Brasilianerin hat vor der polizeilichen Untersuchung einen riesen Wirbel ausgelöst, was Frauen alles angetan wird.. schon vergessen? Antworten
Die jungen Mädchen werfen sich Carl Hirschmann an den Hals, weil er reich, bekannt und nicht unbedingt schlecht aussieht. Durch diese grosse Zuwendung des weiblichen Geschlechts ist Carl Hirschmann manchmal überfodert und das kann nicht zuletzt auch zu Aggressionen führen. Man sollte diese Affäre nicht überbewerten. Aber jetzt haben die Medien wieder ein Menschen, den sie dem Mob zu werfen können. Antworten
Merkwuerdig bleibt, dass die Anzeigen erst erfolgen, wenn nach monate- oder gar jahrelanger klagloser Freundschaft der Milliardenehescheck (oder ein Titel wie Frau General) enfleucht. In U-Haft kommen auch alle, deren Ehefrauen nach vielen Jahren erst im Scheidungsverfahren einen "Missbrauch" der Kinder durch ihren (Zahl-)vater "entdecken". In Deutschland geht dann aber meistens sie in Strafhaft. Antworten
Auch wenn sich alle Frauen dieser Welt gleichzeitig,(aus welchen Gründen auch immer) ,einem Mann an den Hals werfen würden, heisst das noch lange nicht, dass er diese Situation durch Alkohol, Drogen oder Gewalt forcieren darf. Das gilt für alle Männer gleich. Antworten
Im Tages Anzeiger geht Merkwürdiges vonstatten. Die Zeitung kritisiert, dass sich Frauen (mit dem eher gut aussehenden) Hirschmann solidarisieren. So what?, müsste man denken. Aber nein: "Da wurde ein Mann verhaftet. Dafür müssen handfeste Gründe vorliegen." Eine wunderschöne Logik! Jeder Verhaftete hat somit Dreck am Stecken. Die Ignoranz im Tages Anzeiger erlebt gerade einen neuen Höhepunkt. Antworten
Ja - "...handfeste Gründe brauchts schon..." beispielsweise eine Anzeige auf einem Polizei-Posten. Wie bei Falsch-Anzeigen wegen Kindsmissbrauch (schlimme Sache!) ebenfalls heikel, ist's auch hierbei erst klar, wenn ein Schuldspruch vorliegt. Vorher GILT die Unschuldsvermutung. Die Logik ist NICHT befremdend - hier geht's um archaische Verhaltens-Muster zwischen Frau und Mann. Ball flach halten! Antworten
Trauriger Fakt dieser Geschichte: offensichtlich gibt es nicht wenige Frauen, welche sich kaufen, blenden und ausnutzen lassen. Ein trauriges Zeugnis für beide Seiten. Unerheblich dieser Tatsache ist der juristische Aspekt, welcher von Gerichten beurteilt werden wird. Leider darf man nicht vergessen, dass auf der Etage, wo die Gerechtigkeit wohnt, die Justiz keinen Zutritt hat... Antworten
Das sehe ich genauso Frau Weber..Im Übrigen denke ich,hat Frau Theiler C.H. mit dieser Anzeige gestoppt.Da sie selber ein grosses Vermögen im Rücken hat ist sie nicht käuflich,eine Erfahrung,die für C.H. neu sein dürfte,das wiederum zwingt ihn zum Nachdenken und die Hilfe zu holen die er braucht. Nur mit JASAGERN umgeben können Menschen schon die Bodenhaftung verlieren,eine Chance für C.H. Antworten
"Da wurde ein Mann verhaftet. Dafür müssen handfeste Gründe vorliegen." Ja, Frau Weber, wie die Feministinnen seit Jahren gepredigt haben: Jeder Mann ist ein potentieller Vergewaltiger, und keine Frau würde einen Mann zu Unrecht beschuldigen. Das sind handfeste Gründe, die hierzulande für eine Verhaftung völlig ausreichend sind. Antworten
@Bieri&Co: Eventuell sollte man sich einfach mal darauf beschränken, dass man zur Zeit noch nicht weiss worum es geht und demzufolge weder jemanden beschuldigen noch verurteilen - unabhängig von den eigenen Symphatien. Mir käme da auch ein Buchtitel in den Sinn: "Prinzipien des Rechtsstaates". Antworten
Danke für diesen guten Kommentar! Evtl. kann man die Reaktion dieser Frauen damit erklären, dass sie sich lieber mit dem Täter als mit dem Opfer identifzieren. Mir kommt dazu grad ein Buch in den Sinn, dass ich kürzlich gelesen habe: female chauvinist pigs. Antworten
Seit Hirschmann nicht mehr sprechen darf, lässt er den bekannten Spin-Doctor Sascha Widgorwits die Wahrheit erschaffen. Dieser koordiniert die entlastenden Aussagen. Niemand weiss, ob nicht auch Geld hinter diese steckt, es ist jedenfalls genug davon vorhanden, um Nicht- oder Scheinpromis zu beeinflussen. Antworten
Endlich mal ein wertvoller korrekter Kommentar. Es ist unglaublich wie einfach man es sicht macht. Schöne Frau angelt sich (vermeintlich) reicher Mann - der will nix von Ihr - Anzeige. Nein werte Kommentatoren, dafür kommt man nicht in U-Haft. Der Vater der Geschädigte UND der Staatsanwalt haben sich das mehr als 2 x überlegt. Nur schon die hohe Kaution spricht Bände... Antworten
der Unschuldsvermutung zugestanden werden, was viele ja auch nicht so wichtig zu finden scheinen. Seine Ex soll ihm mit dem Messer gedroht/herumgefuchtelt haben und er sie darauf geohrfeigt/geschlagen.Da stellt sich auch die Frage ob die Anzeige seiner Ex nicht auch zu einer Anzeige ihr gegenüber führen könnte/müsste (offizialdelikt).Dieser Aspekt scheint aber nicht in betracht gezogen zu werden Antworten










majo naef
Und herzlichst grüsst die Schlange aus dem Paradies. Unglaublich wie die multikulti Bevölkerung in der Schweiz in die Vergangenheit abrutscht. Antworten