Meinung
Jetzt handeln bei den Mieten
Von Robert Mayer. Aktualisiert am 02.06.2009
Robert Mayer.
Dass es die Schweizer Wirtschaft im bisherigen Rezessionsverlauf weniger heftig erwischt hat als die europäischen Nachbarn, darf uns nur ein kleiner Trost sein. Ein Ende des Orkans ist noch nicht absehbar, und niemand weiss, ob unser Land als konjunktureller Nachzügler nicht doch noch stärker in den globalen Abwärtssog gerät.
Mit Blick auf den weiteren Jahresverlauf stehen wir vor einer Zitterpartie. Die bange Frage lautet: Wie lange noch sind die Schweizer bereit, ihr Geld an den Ladenkassen auszugeben? Wann schlägt ihre (relative) Konsumfreude in Angstsparen um? Ab Herbst könnte es brenzlig werden. Falls die Unternehmen bis dann keine Anzeichen für eine Nachfragebelebung und zunehmende Bestellungseingänge registrieren, droht unserer Wirtschaft eine Entlassungswelle. Davor kann auch der Damm der Kurzarbeit keinen Schutz mehr bieten. In der Folge wird die einzig verbliebene Konjunkturstütze, der Privatkonsum, definitiv wegbrechen.
Ob es so schlimm kommt, liegt nur zum geringsten Teil in unserer Hand. Als kleine, offene Volkswirtschaft kann die Schweiz vor allem hoffen – darauf, dass die Ankurbelungsprogramme in den grossen westlichen und fernöstlichen Ländern neuen Schwung in die Weltwirtschaft bringen und der Funken auch auf die heimischen Exporteure überspringt.
Das entbindet uns freilich nicht von der Pflicht, das in die Wege zu leiten, was wir hierzulande zur Stützung der Binnenwirtschaft leisten können. Im Vordergrund steht keineswegs ein drittes Konjunkturprogramm des Bundes. Bei dessen Abwägung von Kosten und Nutzen überwiegen – mit Blick auf Staatsverschuldung und Steuerbelastung – vorderhand die Zweifel. Handlungsspielraum besteht an einem ganz anderen Ort: bei den Vermietern. Nach der gestrigen Senkung des Referenzzinssatzes sind sie gehalten, die Mieten auf Anfang Oktober entsprechend zu kürzen. Zu einem günstigeren Zeitpunkt könnte der «Zustupf» für die Konsumenten nicht kommen. Die Politik sollte daher ein wachsames Auge darauf haben und die Vermieter gegebenenfalls mit Druck zur Räson bringen. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 02.06.2009, 23:51 Uhr





