Meinung
Kriminelle Tat von Saboteuren
Von Martin Läubli. Aktualisiert am 05.12.2009
Martin Läubli.
Es ist ein Ritual, dass Klimawandel- Leugner stets vor Klimakonferenzen ihre Verschwörungstheorien verkünden. Mit dem Diebstahl von Maildaten aus dem Computersystem eines renommierten britischen Forschungsinstituts ist jedoch eine nie da gewesene Dimension erreicht worden. Berechnend haben die Diebe wissenschaftliche Plaudereien zwischen Klimaforschern ins Internet gestellt. Völlig aus dem Zusammenhang gerissen, gezielt ausgewählt, den Zeitpunkt schlau bedacht. Mit dem Ziel, den Ruf seriöser Klimaforschung zu schädigen.
Hinter dieser kriminellen Tat stecken keine unbedarften Klimaskeptiker, die gerne provozieren und harmlos die Resultate der Klimaforscher hinterfragen. Hier war jemand am Werk, der die Verhandlungen in Kopenhagen bewusst sabotieren will. Für einen grossen Medienauftritt hat es schon mal gereicht. Vertreter der Erdöl fördernden Staaten haben bereits kämpferische Töne gegen schärfere Klimaverpflichtungen angeschlagen. Konservative Politiker stellen die Klimaforschung in Frage.
Doch genügt das, um die Wissenschaft in der Öffentlichkeit in Misskredit zu bringen und Politiker wie Unternehmer zu verunsichern? Keineswegs. Dafür ist die Absicht der illegalen Aktion allzu durchschaubar. Im Grunde genommen, zeigt der veröffentlichte E-Mail- Verkehr, wie kritisch die Forscher ihre Arbeit analysieren. Und das ist eine Voraussetzung für jeden erfolgreichen Wissenschaftler. Mit keinem Wort lässt sich aus den Kommentaren in den Mails herauslesen, dass kein Klimawandel stattfindet oder Forscher eine Verschwörung planten. Es gibt Tausende Wissenschaftler, die seit Jahrzehnten daran arbeiten, die Klimaveränderung zu verstehen. Alle kommen zum gleichen Schluss: Der Mensch trägt die Hauptschuld. Ein Komplott? Lächerlich.
Andererseits zeigt die Reaktion auf den Datendiebstahl, wie stark die Kräfte noch sind, die sich eine Welt ohne Erdöl und Kohle nicht vorstellen können. Die Konsequenz daraus kann nur sein: eine transparente Forschung, eine sachliche Kommunikation und öffentlicher Druck für einen starken Klimaschutz. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 05.12.2009, 04:00 Uhr





