Lehman-Crashist vergessen

Von Rita Flubacher. Aktualisiert am 12.09.2009
Rita Flubacher

Rita Flubacher

Die Zeit des Innehaltens nach dem Zusammenbruch der Bank Lehman Brothers ist vorbei. Die Krise, die zu einem radikalen Umdenken hätte führen müssen, wird von Exponenten der Finanzindustrie beiseitegewischt. Die Schweizer Bankenbranche stehe im internationalen Vergleich besser da als vor der Krise, schrieb CS-Verwaltungsratspräsident Hans-Ulrich Doerig am Freitag in einem NZZ-Beitrag.

Der Top-Banker erhebt dennoch den Mahnfinger – doch nicht etwa in Richtung seiner Berufskollegen, sondern der Aufsichtsbehörden im In- und Ausland. Diese nämlich haben die Zeit des Innehaltens genutzt und ein Arsenal an Massnahmen entwickelt, um den Finanzsektor in den Griff zu bekommen.

Besonders erfreulich: Die Schweizerische Nationalbank und die Finanzmarktaufsicht (Finma) nehmen eine Vorreiterrolle ein. Sie haben bereits im letzten Jahr die Eigenkapitalvorschriften verschärft – darüber wird in anderen Ländern erst diskutiert. Weitere Massnahmen sind geplant. Was die Banken davon halten, sagt stellvertretend Hans-Ulrich Doerig: «Nationale radikale Sonderregelungen gegenüber den Grossbanken hätten fatale Folgen.»

Der Widerstand der Banken ist ein gefundenes Fressen für den politischen Boulevard: Am Freitag plädierten Swatch-Gründer Nicolas Hayek, Alt-Bundesrat Christoph Blocher und SP-Präsident Christian Levrat in völlig ungewohnter Einigkeit für die Verkleinerung der Banken. Sie wollten Nationalbankpräsident Philipp Hildebrand den Rücken stärken – gegen Bundespräsident Hans-Rudolf Merz. Das Verhältnis zwischen dem Finanzminister und der einflussreichen Bankenlobby ist in der Tat irritierend. Wie eng es wirklich ist, wird man Ende Jahr erfahren, wenn Merz seine Strategie für den Finanzplatz Schweiz präsentiert. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.09.2009, 04:00 Uhr

Kommentar schreiben







 Ausland



Verbleibende Anzahl Zeichen:

Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.

Noch keine Kommentare