Meinung

Noch nichts gelernt

Von Daniel Friedli, Bern. Aktualisiert am 27.05.2009 2 Kommentare

Daniel Friedli.

Daniel Friedli.

US-Präsident Barack Obama hat nicht lange gefackelt: Manager, die in staatlich gestützten Firmen arbeiten, dürfen nicht mehr als eine halbe Million Dollar verdienen. Der Ständerat hat gestern etwas gewackelt – und dann nichts gemacht. Man empörte sich zwar über die Sünden der Vergangenheit. Und man wunderte sich darüber, dass die am Staatstropf hängende UBS gewissen Investmentbankern das Salär um 50 Prozent erhöht hat.

Trotzdem wagte es der Rat nicht, politisch Gegensteuer zu geben. Die UBS darf vorderhand wieder nach eigenem Gutdünken Löhne und auch Boni festsetzen. Die politischen «Laien», wie der frühere Finanzminister und heutige UBS-Präsident Kaspar Villiger abschätzig sagte, lassen die «Profis» machen. Diese, meint Villiger, wüssten schon, was zu tun sei.

Man würde es gerne glauben. Doch wohin die Salärpolitik der Profis geführt hat, ist mittlerweile hinlänglich bekannt: Angetrieben von gierigen Boni-Jägern, versank die UBS im Sumpf fauler US-Hypotheken und wurde in den USA gar zur Gesetzesbrecherin. Die Gleichung «höherer Lohn, bessere Leistung» ist nachweislich nicht aufgegangen. Die Rechnung hat letztlich der Staat bezahlt.

Nun sitzt dieser mit im UBS-Boot und hat nur schon darum die Pflicht, für Besserung zu sorgen. Aus eigenem Interesse darf er nicht zulassen, dass sich von neuem eine schädliche Spirale der Gier zu drehen beginnt. Und aus staatspolitischer Verantwortung muss er die subventionierten Banker zu mehr Bescheidenheit anhalten. Wie viel genau die UBS-Manager verdienen dürfen, darüber kann man sich noch streiten.

Wichtig wäre aber gewesen, dass auch der Ständerat unmissverständlich klargemacht hätte: Die UBS kann nach allem, was passiert ist, nicht einfach in den alten Trott zurückfallen. Die Banker selber scheinen dies leider noch immer nicht begriffen zu haben. Auch wenn sie ihren Lohn dem rettenden Staat zu verdanken haben. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 27.05.2009, 23:17 Uhr

WRITE A COMMENT







 Ausland



Verbleibende Anzahl Zeichen:

Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.

2 Kommentare

Rolf Iseli

28.05.2009, 06:56 Uhr
Melden

typisch CH Politiker. Viel Lärm um nichts. Man hätte die Bedingungen bei der Vergabe des Ueberbrückungskredites stellen sollen, nicht im Nachhinein nachdem man blauäugig festgestellt hat, dass die UBS weitermacht wie bisher. Das Klumpenrisiko für die CH besteht nach wie vor und wohin bitte sollen denn die sog. Topshots wechseln wenn sie in den USA höchstens USD 500'000 erhalten. Antworten


Nadine Binsberger

28.05.2009, 02:08 Uhr
Melden

Die Autoritäten in Wirtschaft und Politik sind kollektiv am versagen. Es ist Zeit für eine vorgezogene Neuwahl von Parlament und Bundesrat. Diese Neuwahl erreicht man mit einer Volksinitiative für eine Total-Revision der Bundesverfassung. 100'000 Unterschriften von Stimmberechtigten sind dafür nötig. Das wirkt. Ausser es wird Notrecht dagegen angewendet... Antworten