Meinung
Offiziere sind keine Politiker
Von Martin Kilian. Aktualisiert am 24.06.2010 1 Kommentar
Martin Kilian.
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Ein Skandal kann zuweilen einen klärenden Moment gebären und sich somit für Politik wie Politiker als hilfreich erweisen. So geschah es zum Teil im Fall des despektierlichen Generals Stanley McChrystal, den Barack Obama gestern unzeremoniell seines Postens enthoben hat. Die Äusserungen des Generals und seines Stabs über den Präsidenten und dessen Mitarbeiter waren völlig inakzeptabel, weshalb die Entlassung des Sünders nicht weiter überrascht.
Der Präsident stand dabei gleich mehrfach unter Zugzwang: Einerseits wurde von ihm, der gelegentlich den Eindruck eines Zauderers erweckt, eine rasche Entscheidung verlangt. Und andererseits oblag es Obama, den rechtlich verankerten Primat der Zivilisten über das Militär mit klaren Worten zu bekräftigen – was er gestern tat. Nur dadurch kann verhindert werden, dass die seit dem Vietnamkrieg schleichende Politisierung des amerikanischen Offizierskorps in Insubordination und politische Risiken mündet.
Ausserdem erneuerte Obama sein Bekenntnis zur derzeitigen und von Stanley McChrystal massgeblich entworfenen Strategie in Afghanistan. Eingebracht hat diese Strategie bisher nicht viel, im Gegenteil: Die Sicherheitslage in Afghanistan ist prekärer denn je, auch läuft Obama die Zeit davon. Schliesslich will der Präsident bereits im kommenden Jahr die ersten US-Truppen aus Afghanistan abziehen.
Die Ernennung von General David Petraeus, der sich beim Krieg im Irak einen Namen gemacht hat, zum Nachfolger von Stanley McChrystal weckt berechtigte Zweifel am Zeitplan des Präsidenten: Petraeus misstraut einem festgesetzten Termin und wird womöglich noch mehr Truppen zum Einsatz in Afghanistan verlangen, was wiederum den Präsidenten politisch in Bedrängnis brächte. Denn nach fast neun Jahren Krieg ist die Geduld vieler Amerikaner am Ende, auch sind die Kosten des Feldzugs längst zur Belastung geworden.
Die Entlassung des unbotmässigen Stanley McChrystal war somit ein klärender Moment, was die Beziehung von Zivilisten und Militärs anbelangt. Bezüglich der Zukunft des amerikanischen Einsatzes in Afghanistan hat sie indes nichts geklärt. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 23.06.2010, 22:14 Uhr
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Und viele Verbündete der USA würden ihr Afghanistan-Engagement auf der Stelle beenden, gäbe es da nicht die Zusage Obamas, dass sich die Truppen bereits nächstes Jahr schrittweise zurückziehen. Eine Verlängerung der westlichen Präsenz wäre militärisch gesehen absolut nötig, nur schon um die afghanische Armee besser auszubilden, sie ist aber unter den Verbündeten nicht durchsetzbar. Antworten





