Meinung
Radikaler Bildersturm
Von David Schaffner. Aktualisiert am 29.10.2010 18 Kommentare
David Schaffner
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Mit einem regelrechten Bildersturm wollen die Freidenker die Schweiz von christlichen Symbolen und Bildern befreien. Sämtliche Kruzifixe sollen aus den Schulen verschwinden. Und nicht einmal oben auf den Berggipfeln will die Vereinigung von Agnostikern und Atheisten Kreuze dulden. Sogar die Bibel – angeblich gewaltverherrlichend und pornografisch – wollen die Freidenker für Jugendliche unter 16 Jahren verbieten. Kinder sollen sich frei und ohne religiösen Zwang entwickeln.
Botschaften prasseln nieder
Doch welche Freiheit kann in der heutigen Zeit ein radikaler Sturm auf traditionelle Symbole bringen? Die Freidenker verkennen, dass wir in einer Welt leben, in der es vonSymbolen und damit von verschiedenen Lebensentwürfen nur so wimmelt – nicht nur von christlichen und nicht nur in Schulzimmern. Je globaler die Medien senden und je multikultureller die Bevölkerung eines Landeszusammengesetzt ist, desto mehr Botschaften prasseln auf den einzelnen Menschen ein.
Freiheit besteht für den postmodernen Menschen gerade darin, dass er souverän mit dieser Vielfalt umgehen kann. Ein Kreuz an der Wand im Schulzimmer muss noch lange nicht bedeuten, dass Kinder in einer erdrückenden, weltfremden Frömmigkeit aufwachsen. Das verhindern schon all die anderen Botschaften, denen der heutige Menschen pausenlos ausgesetzt ist. Nicht zuletzt an den Schweizer Schulen, die im Religionsunterricht in den meisten Fällen keine strengen Dogmen mehr vermitteln. Sie beschäftigen sich viel mehr mit Ethik und auch damit, dass die einzelne Religion keine absolute Gültigkeit hat.
Mit dem Verbannen von Symbolen lehren uns die Freidenker sicher kein freies Denken: Frei denken kann nicht, wer in einer symbolisch entleerten Welt aufwächst. Freies Denken manifestiert sich im Gegenteil darin, dass die Menschen verschiedene Traditionen und ihre Symbole kennen und dann entscheiden, welche Werte ihnen zusagen. Dies gilt übrigens auch für die Freidenker: Sie berufen sich auf die Werte der Aufklärung. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 28.10.2010, 21:13 Uhr
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