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Zu enge Optik auf die Schule

Von Antonio Cortesi. Aktualisiert am 23.06.2010 4 Kommentare

Antonio Cortesi.

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Eine Binsenwahrheit: Bildung ist der Motor für wirtschaftlichen Erfolg. Bisher hat sich der Verband der Schweizer Unternehmen aber vor allem um die Hochschulen gekümmert. Er will Eliteuniversitäten mit Spitzenforschung und möglichst vielen Nobelpreisträgern. Auf dass unser Land im globalen Markt des Wissens bestehen könne und die klugen Köpfe die Kassen klingeln lassen.

Jetzt hat Economiesuisse entdeckt, dass für wirtschaftliche Prosperität die Weichen schon viel früher gestellt werden. Der Verband nimmt erstmals die Volksschule ins Visier. Das ist löblich, weil neben der SVP endlich eine andere einflussreiche Organisation das Thema aufgreift. Und es ist bitter nötig, weil es in der Volksschule enorm kriselt: Die heterogene Schülerschaft belastet das System stark; der Lehrerberuf ist zu einem Buh-Job geworden, den immer weniger Junge ergreifen wollen; und auf allem lastet der Spardruck.

Allerdings: Ausser dem Bekenntnis zu Harmos scheinen die Wirtschaftsführer ihr Programm der SVP abgeschrieben zu haben. Sie fordern erstens eine Konzentration auf Deutsch und Mathematik. Zweitens sollen die erfolgsrelevanten Fächer Naturwissenschaften und Englisch ein höheres Gewicht erhalten. Drittens sollen die Schüler zu eiserner Disziplin angehalten werden.

Das ist, mit Verlaub, zu banal und zu kurzsichtig. Gewiss: Die Kompetenzen von Schulabgängern sind oft katastrophal. Jeder Lehrmeister weiss von Stiften zu berichten, die keinen Satz korrekt schreiben können. Hier sind dringend Massnahmen nötig. Ebenso richtig ist es, die Stundenpläne von unnötigem Ballast zu befreien. Doch nicht alles, was aus Unternehmeroptik unnütz ist, ist zweitrangig. In den «Soft-Fächern» Lebenskunde oder Geschichte können die Schüler etwa lernen, dass krankhafter Ehrgeiz und Gier einer Volkswirtschaft mehr schaden als nützen (wie die Bankenkrise gezeigt hat).

Letztlich funktioniert eine Schule nur gut mit guten Pädagogen. Zum virulenten Thema Lehrermangel gibt es von Economiesuisse aber keine Rezepte. Wie wäre es, wenn sich die Wirtschaft für höhere Löhne und bessere Anstellungsbedingungen einsetzen würde? (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 22.06.2010, 22:52 Uhr

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4 Kommentare

Elmar Hutter

23.06.2010, 07:49 Uhr
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Dass ein "Soft-" Fach wie Geschichte / Staatskunde für manchen international tätigen Manager nur lästiges Beigemüse der Erziehung ist, kann nachvollzogen werden. Schliesslich sind mündige StaatsbürgerInnen der angestrebten Herrschaft durch starke globale Wirtschaftskräfte nur im Wege. Aktuelle Geschichts-Lehrmittel verdienen im Interesse des Landes vermehrt Beachtung. Antworten


Roger Walser

23.06.2010, 12:44 Uhr
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Alle reden immer von der Schule, aber nur selten hört man etwas über die Eltern. Viel Eltern delegieren die Erziehung an die Schule anstatt die Verantwortung zu übernehmen. Das die Lehrer mit diesem "Doppelmandat" überfordert sind ist logisch. Die Schule ist für die Wissensvermittlung und die Eltern für die Erziehung und Lebensschulung zuständig. Antworten



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