Er sieht aus wie Strauss, er poltert wie Strauss

Von Birgit Bauman. Aktualisiert am 11.02.2010

CDU-Mann Stefan Mappus ist neuer Ministerpräsident im «Nachbarland» Baden-Württemberg. In seiner Heimat nennt man ihn auch Mal «MappiSchnappi».

Die Ähnlichkeit ist nicht von der Hand zu weisen. Geht Stefan Mappus durch Stuttgart, hat so mancher ein Déjà-vu: Die Statur des neuen Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg erinnert an den jungen Franz Josef Strauss. Es gibt noch mehr Gemeinsamkeiten: Wie einst der legendäre bayrische Ministerpräsident und CSU-Chef hat CDU-Mappus den Pilotenschein und steht nicht im Verdacht, liberalen Ideen anzuhängen. Als Redner lehnt er sich ebenfalls gern an Strauss an: lieber poltern als plaudern.

Seit gestern ist Mappus (43) nun jüngster deutscher Ministerpräsident; der Stuttgarter Landtag machte ihn zum Nachfolger von Günther Oettinger, der seinerseits zum EU-Energie-Kommissar avanciert war. Recht bekannt ist Mappus ausserhalb des Ländles noch nicht. Aber das kann sich ändern. Er gehört zu einem Politikertyp, der in der Union an vorderster Front so rar geworden ist wie Wahlsiege der deutschen Sozialdemokraten: Er ist stramm konservativ.

«MappiSchnappi, das kleine Krokodil»

Wenn Homosexuelle am Christopher Street Day in Stuttgart tanzen, findet Mappus das «abstossend». Noch schlimmer sind für ihn Überlegungen der SPD, gleichgeschlechtlichen Paaren die Adoption von Kindern zu erlauben. «Kinder sind denkbar ungeeignet für Experimente im Bereich der gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften», meinte er dazu. 2007 verfasste er ein Thesenpapier zum «bürgerlichen Konservativismus» mit und sprach sich für eine «deutsche Leitkultur» aus. Gut findet Mappus unter anderem Videoüberwachungen, einen starken Staat und eine leichtere Abschiebung von Ausländern. Gruselig hingegen schwarz-grüne Koalitionen.

Wäre die Erde eine Scheibe, Mappus fiele herunter, so weit rechts steht er: Der Spruch kursiert bei den Sozialdemokraten. Deren Landesvorsitzender meinte einmal: «Ein Problem von Stefan Mappus ist auch, dass er Vielfalt als Bedrohung begreift.» Ulrich Goll (FDP), Justizminister von Baden-Württemberg und somit Koalitionspartner, nennt ihn «MappiSchnappi, das kleine Krokodil», was Mappus wenig stört.

Sein Vorbild Strauss wurde ja auch nicht von allen geliebt. Doch jetzt, wo Mappus für das ganze Land zuständig ist, sind von ihm vermittelnde Töne gefragt. So ist Goll gegen den Ankauf jener CD, auf der sich die Daten von Deutschen befinden, die angeblich Schwarzgeld in der Schweiz bunkern. Finanzminister Willi Stächele (CDU) jedoch ist dafür. Die entscheidende Sitzung hat Mappus am Montag fürs Erste vertagt.

Hält die Wähler bei der Stange

Zögern und Zaudern war bisher nicht der Stil von Mappus. Seinen Aufstieg verdankt er auch der Fähigkeit, Chancen zu packen. Seit 20 Jahren steigt Mappus auf der Karriereleiter kontinuierlich immer nur nach oben.

Angela Merkel, Kanzlerin und CDUChefin, hat den Aufstieg des Diplomökonomen wohlwollend verfolgt. Einer wie Mappus hält die konservativen Stammwähler bei der Stange, einen wie ihn hatte die CDU auf Bundesebene schon lange nicht mehr zu bieten. Mit ihm, erwartet man in Berlin, werde die «Südwest-Schiene» jetzt wieder stärker werden, das Band zwischen Baden-Württemberg und Bayern. 2011 muss Mappus dann seine erste Landtagswahl als Spitzenkandidat bestreiten. Dass er nicht nur als Haudrauf wahrgenommen wird, dafür sorgt seine Frau Susanne. In Interviews sagt sie, ihre Mann staubsauge zu Hause gern. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.02.2010, 08:30 Uhr