Unruhe in New Orleans: Die US-Südstaatenmetropole erwartet Hurrikan Gustav am Montagabend.
Zwar hat sich der Sturm auf seinem Weg über den Golf von Mexiko leicht abgeschwächt. Meteorologen rechnen aber damit, dass er vor seinem für Montag erwarteten Auftreffen auf die US-Küste wieder an Stärke zunimmt. Dann könnte er mit grösserer Wucht auf das US-Festland treffen als vor drei Jahren der Hurrikan Katrina.
«Dieser Sturm ist schlimmer»
Damals wurden nach Dammbrüchen 80 Prozent der Stadt überflutet, die Metropole versank im Chaos. Flutopfer mussten tagelang auf den Dächern ihrer Häuser auf Rettung warten. Entlang der US-Golfküste kamen etwa 1800 Menschen ums Leben.
Bereits am Samstag bildeten sich auf den Schnellstrassen aus der Stadt lange Staus. Tausende Menschen warteten auf Busse und Züge, die sie in Sicherheit bringen sollten. Viele verbarrikadierten die Fenster ihrer Häuser und Geschäfte bevor sie die Stadt verliessen.
«Ich bin während Katrina hiergeblieben und wollte es auch diesmal tun», sagte Restaurantbesitzer Trinity Cazzola. «Aber dieser hier ist schlimmer und ich habe beschlossen, die Stadt zu verlassen.»
Dämme haben Schwachstellen
Am frühen Sonntagmorgen hätten sich zunächst noch etwa 250'000 Einwohner in New Orleans aufgehalten, teilten die Behörden mit. Die Evakuierung verlaufe nach Plan und ohne Probleme, sagte der Minister für Heimatschutz Michael Chertoff. «Wir sind auf das Schlimmste vorbereitet.»
Nach Angaben der Bundesbehörden wurden die Dämme um New Orleans zwar verstärkt, haben aber noch immer Schwachstellen, vor allem nahe der von Katrina damals am schwersten betroffenen Stadtteile.
Sollte Gustav wie vorhergesagt mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 250 Stundenkilometern westlich von New Orleans auf das Festland treffen, könnten diese Dämme wieder brechen und die Stadt erneut überfluten.
Zerstörungen in Kuba
Mit Windgeschwindigkeiten von rund 220 Stundenkilometern erreichte Gustav in der Nacht zum Sonntag den Golf von Mexiko. Zuvor war er auf den Westen Kubas getroffen. Dort knickte er Bäume um, beschädigte Häuser und zerstörte Bananenplantagen.
Mehr als 250'000 Menschen wurden in Sicherheit gebracht. Über Todesopfer wurde aber nichts bekannt. In der Dominikanischen Republik, Haiti und Jamaika waren in dem Sturm mindestens 86 Menschen ums Leben gekommen.
(vin/bru/ap/sda)
Hurrikane werden nach der sogenannten Saffir-Simpson-Skala in Kategorien von 1 bis 5 eingestuft. Wichtige Merkmale zur Einordnung sind die Windgeschwindigkeit und die Zerstörungskraft.
Stufe 1
Windgeschwindigkeiten von 119 bis 153 Stundenkilometer - Minimale Schäden an Bäumen und schlecht verankerten Gebäuden.
Stufe 2
Windgeschwindigkeiten von 154 bis 177 Stundenkilometer - Bäume werden entwurzelt und Schilder umgerissen, auch können Hausdächer, Fenster und Türen beschädigt werden. Bewohnern an Küstenstreifen wird empfohlen, sich in Sicherheit zu bringen.
Stufe 3
Windgeschwindigkeiten von 178 bis 209 Stundenkilometer - Mobile Häuser werden zerstört, ebenso leichtere Bauwerke in Küstennähe. Der Wind drückt Fenster ein und deckt Dächer ab. Grosse Bäume werden entwurzelt oder knicken einfach um. Die Überflutungen werden stärker. Ein Küstenstreifen von etwa 400 Metern Breite sollte geräumt werden.
Stufe 4
Windgeschwindigkeiten von 210 bis 249 Stundenkilometer - Extreme Schäden an Gebäuden. Mobile Häuser werden zerstört oder komplett weggeweht. Bauwerke an der Küste werden durch Wind und Wellen schwer beschädigt oder zerstört, tiefer liegende Gebiete überflutet. Massive Evakuierungen sind notwendig. Menschen können zu Schaden kommen oder getötet werden.
Stufe 5
Windgeschwindigkeiten ab 250 Stundenkilometer aufwärts - Die Zerstörungen sind katastrophal. Es gibt schwere Überschwemmungen, Häuser werden zerstört oder fortgeblasen. Es gibt massenweise abgedeckte Dächer, zertrümmerte Türen und Fenster. In Küstengebieten sind manchmal grosse Evakuierungsaktionen erforderlich. Wer sich nicht in Sicherheit bringt, kann verletzt oder getötet werden.