Gewalttätige Demonstranten erreichten am Abend auch den eleganten Kolonaki-Platz, wo viele Politiker des Landes wohnen und zerstörten auch dort alle Geschäfte. Passanten flohen in Panik in alle Richtungen. Die Polizei setzte massiv Tränengas ein, was aber ohne merkbare Wirkung auf die Randalierer blieb.
Verzweifelte Besitzer zerstörter Geschäfte liefen mit Tränen in den Augen um Hilfe. Die Feuerwehr war jedoch an einem Eingreifen gehindert, weil der wütende Mob die Einsatzfahrzeuge mit Brandflaschen attackierten. Auch der etwa 20 Meter hohe Weihnachtsbaum der Stadt Athen wurde angezündet und brannte lichterloh.
Der griechische Ministerpräsident Kostas Karamanlis berief für die Nacht eine Sondersitzung des Ministerrates ein. An diesem Dienstag wollte er sich mit Staatspräsident Karolos Papoulias und den Vorsitzenden der griechischen Parteien treffen. Ein Regierungssprecher dementierte hingegen Gerüchte, dass ein landesweiter Ausnahmezustand ausgerufen werden könnte.
Bei den Protesten handelt es sich nach Polizeiangaben um die «grösste jemals in Griechenland gesehene Anti-Polizei-Welle». Bisher wurden mehr als 40 Menschen verletzt. Dutzende wurden festgenommen.
Regierung Karamanlis wankt
In fast allen Landesteilen Griechenlands blieben am Montag die Schulen geschlossen. Das Kultusministerium erklärte den Dienstag zum Tag der Trauer.
Ministerpräsident Kostas Karamanlis versprach, die Verantwortlichen für den Tod des Jungen zur Rechenschaft zu ziehen. «Wir werden alles tun, damit diese Tragödie sich nicht wiederholt», sagte Karamanlis in einer Fernsehansprache.
Für die Ausschreitungen am Wochenende machte er «extreme Elemente» verantwortlich. «Deren einziges Motiv ist die Gewalt und die Zerstörung», sagte der konservative Regierungschef.
Für Karamanlis wird die Lage zusehends ernst. Seine konservative Regierungspartei Nea Dimokratia (ND) verfügt im Parlament nur noch über eine hauchdünne Mehrheit von einem Abgeordneten.
Angesichts der Krawalle wird die Forderung nach vorgezogenen Neuwahlen immer lauter. Die verheerende Lage im Gesundheits- und Sozialwesen, Korruptionskandale und die Folgen der Finanzkrise machen der Regierung zusätzlich zu schaffen.
Ermittlung wegen Totschlags
Auslöser der Jugendkrawalle war der Tod des 15-jährigen Alexis Grigoropoulos, der am Samstagabend in Athen bei Zusammenstössen linksautonomer Gruppen mit der Polizei erschossen worden war.
Der 37-jährige Beamte, der den tödlichen Schuss abgegeben haben soll, sagte aus, er habe lediglich drei Warnschüsse abgefeuert. Der Jugendliche sei von einem Querschläger getroffen worden.
Die Staatanwaltschaft ermittelt dagegen wegen vorsätzlicher Tötung. Einem weiteren Beamten wird Mittäterschaft vorgeworfen. Die beiden Polizisten sitzen in Untersuchungshaft.
Konsulat in Berlin besetzt
Die Proteste schwappten am Montag auch nach Deutschland über. In Berlin drangen etwa 15 Personen in das griechische Generalkonsulat ein.
Die teils vermummten Demonstranten brachten ein Transparent mit der Aufschrift «Ermordet vom Staat» an der Fassade des Konsulats an. In einem Schreiben der Besetzer hiess es, der griechische Staat sei für den Tod des Jugendlichen verantwortlich.
(vin/cpm/sda/ap)