Auf dem Land darf gezockt werden

Von Peter Schenk. Aktualisiert am 31.10.2008
Zehn Spieltische und hundert Spielautomaten bietet das neue Casino Barrière im elsässischen Blotzheim an – gerade mal zehn Kilometer von Basel entfernt.
topelement Das neue, flache und ebenerdige Casino im elsässischen Blotzheim kann sich sehen lassen. (Foto: Henry Muchenberger)
Auf einer Anhöhe, neben dem Flughafenradar und zwischen Feldern: Das neue Casino Barrière befindet sich weit ab vom Schuss. Die Zufahrtsstrasse, die sich bei Blotzheim den Hügel hinaufschlängelt, hat der Casinobetreiber bezahlt, das war eine Bedingung der Gemeinde.

Die Lage des flachen Gebäudes, das sich gut in die Landschaft einpasst, hat einen eigentümlichen Charme. In der Abenddämmerung ist deutlich der Schwarzwald zu erkennen und in der nahen Ebene der EuroAirport. Vielleicht wird der eine oder andere Spieler beim Anblick der abhebenden Flugzeuge von den Reisen träumen, die er sich mit seinen Gewinnen leisten könnte, wenn denn Fortuna ihm hold ist.

Ab Samstag, 1. November, können Sie in Blotzheim Ihr Glück versuchen. Im Angebot sind zehn Spieltische für Roulette, Blackjack und Poker und 100 Spielautomaten. Konzipiert ist das Casino für 250 Automaten, die zusätzlichen Geräte müssen allerdings vom französischen Innenministerium genehmigt werden.

Mit Tageslicht

Das Gebäude mit 3900 Quadratmetern hat rund 24 Millionen Franken gekostet und enthält auch ein Restaurant mit 175 Plätzen, die sich zum Teil auf einer heizbaren Terrasse befinden, eine Bar und einen Galasaal mit 270 bis 400 Plätzen – alles befindet sich auf einer Ebene und verfügt über Tageslicht. Das Casino nimmt mit 115 Mitarbeitern den Betrieb auf.

Ein Teil der Bar, das Restaurant und der Veranstaltungsraum sind auch ohne Identitätskarte zugänglich, die ansonsten für den Zugang in den Spielbereich verlangt wird.

Betreiber ist die französische Gruppe Lucien Barrière, für die es das vierzigste Casino in Europa ist, darunter sind auch drei in der Schweiz in Montreux, im Jura und in Fribourg. Barrière hat ferner 15 Luxushotels, drei Golfplätze und 100 Restaurants. Sein Konkurrent Tranchant, der auch das Grand Casino Basel betreibt, hatte sich ursprünglich ebenfalls für Blotzheim beworben, aber den Zuschlag nicht erhalten.

Direktor Jérôme Colin strebt jährlich 300'000 Besucher und einen Bruttospielertrag von jährlich 22 bis 24 Millionen Franken an – das ist der Umsatz minus die ausgeschütteten Gewinne. Davon muss Barrière ungefähr 65 Prozent Steuern an Staat und Gemeinden zahlen; das Casinoprojekt wird von einem Zweckverband von Blotzheim, Saint-Louis und Mulhouse getragen.

Hohe Steuereinnahmen winken

Jean-Paul Meyer, Maire von Blotzheim, erhofft sich für seine Gemeinde Steuereinnahmen von 750'000 Franken jährlich – im Vollbetrieb ungefähr das Doppelte.

Direktor Colin ist überzeugt, dass der Dreilandmarkt für einen Gesamtumsatz von 150 Millionen Franken gut ist, also 50 Millionen mehr als der derzeitige Bruttospielertrag des Basler Casinos.

«Wir sind eine Ergänzung zu Basel», glaubt Colin, räumt aber auch ein, dass er einen Teil der Franzosen, die in Basel spielen, nach Blotzheim holen möchte. «Wir werden vor allem in Frankreich und Deutschland Kunden suchen.» Dabei freut ihn natürlich, wenn er, wie zehn Tage vor der Eröffnung, etliche Autos aus der Schweiz beim Casino vorbeifahren sieht. Die Personen hätten wohl gedacht, es wäre schon offen.

Für die Spielsuchtprävention arbeitet das Casino mit einem auf Suchtprobleme spezialisierten Verein in Mulhouse und mehreren Ärzten zusammen.

In den letzten acht bis zehn Monaten ist der Umsatz in den französischen Casinos um 15 bis 20 Prozent zurückgegangen. Jérôme Colin führt dies zum Teil auf das in Frankreich eingeführte Rauchverbot zurück. Das Casino Blotzheim ist täglich von 10 bis 3 Uhr und Freitag/Samstag bis 5 Uhr geöffnet.

(Basler Zeitung)

Erstellt: 31.10.2008, 08:09 Uhr

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