Mehr Luft und Licht für den Basler Bahnhof

Von Patrick Marcolli. Aktualisiert am 07.10.2008
Dem Basler Bahnhof steht eine Auffrischung bevor: Die SBB planen eine Aufwertung des Elsässerbahnhofs und evaluieren den Standort für eine neue Unter- oder Überführung.
Von einer Fehlplanung möchte Julia Rodel nicht sprechen. Doch für die Projektleiterin bei der SBB Immobilien AG ist klar: Die vor ein paar Jahren vollendete Neugestaltung der grossen Schalterhalle hatte eine kurze Lebensdauer, «sie funktioniert nicht optimal». Und zwar im Bezug auf die Besucherströme: Rund zwei Drittel aller Bahnhofspassanten, so schätzt Rodel, benutze von den Zügen her kommend den linken Ausgang. Es bilde sich davor ein Engpass. Das rechte Tor werde selten genutzt.

Die SBB haben unter anderem deshalb für das Bahnhofgebäude und den östlichen Annexbau einen neuen Masterplan verabschiedet, der von der Arbeitsgemeinschaft Roost, Menzi und Bürgler ausgearbeitet wurde. Die Lösung des spezifischen Schalterhalle-Problems: Mittelfristig soll der Abgang zum Velo- und Autoparking an einen anderen Ort verlegt werden, und zwar ins heutige Kundenzentrum in der ehemaligen Gepäckaufgabe. Doch diese Pläne werden «lange nach 2011» realisiert, betont Rodel.

Viel früher, nämlich bereits im kommenden Jahr, soll damit begonnen werden, den Elsässerbahnhof attraktiver zu machen. Zum einen wird der Quergang von der Schalterhalle SBB zum Bahnhof SNCF wie im Originalzustand zweigeschossig wiederhergestellt, die eingeschobene tiefe Decke also entfernt werden. Heute gleiche die Passage einem «unattraktiven kleinen Tunnel», sagt Julia Rodel.

Nach dieser Korrektur sollen auch die Einbauten für den Zoll in der SNCF-Halle weichen und wieder ein «Schalterhallen-Erlebnis» möglich machen, wie Rodel es nennt. Ein neues, 800 bis 900 Quadratmeter grosses Untergeschoss bringt den SBB zusätzliche Verkaufsflächen. Laut Julia Rodel sollen die Arbeiten im Elsässerbahnhof bis 2011 beendet sein.

Beseitigung von Engpass

Und darum geht es den Bundesbahnen vor allem: Ein attraktiverer Bahnhof generiert mehr Einnahmen. Zu dieser Attraktivität tragen auch die Anfang des 20. Jahrhunderts erstellten Bahnhofsgebäude massgeblich bei. Der Kanton schlägt nun vor, die Bahnhofs-Liegenschaften aus der Zone «Bahnareal» zu nehmen und der Schutzzone zuzuweisen. «Die Gebäude von 1906/07 sollen», so heisst es in der Beschlussvorlage für den Grossen Rat, «in ihrem Originalbestand erhalten» und sogar «möglichst wiederhergestellt werden».

Dies wiederum sage nichts aus über die möglichen geplanten Nutzungen. Ihnen seien «keine Grenzen gesetzt» – sofern sie eben mit dem Denkmalschutz zu vereinbaren seien. Neue oder zusätzliche Gebäude sollen gemäss SBB keine erstellt werden. Die Steigerung der Verkaufsfläche auf insgesamt 5400 Quadratmeter – vor allem dank dem neuen Untergeschoss im Elsässerbahnhof – hat laut Planauflage eine Umweltverträglichkeitsprüfung zur Folge.

Ebenfalls zu den langfristigen Planungen gehört für die SBB die Beseitigung des Engpasses auf der Passerelle und den Rolltreppen. Es werde für die Qualität des Bahnhofs «von entscheidender Bedeutung sein, dass eine neue Nord-Süd-Achse für Fussgänger geschaffen wird», heisst es. Wo diese jedoch zu liegen kommt, ist noch nicht klar. Informationen zu den Gesamtkosten dieses Massnahmenpakets waren den SBB nicht zu entlocken.

(Basler Zeitung)

Erstellt: 07.10.2008, 08:25 Uhr

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Der Masterplan von 1984 brachte viele Neuerungen

Fast 25 Jahre ist es her, seit 1984 das damalige «Euroville»-Projekt am Bahnhof SBB richtig lanciert wurde. Das zunächst als Masterplan betitelte Unterfangen zur Verdichtung und Verknotung der Ströme von verschiedenen Verkehrsträgern bestand aus vielen einzelnen Vorhaben. Mit seinem fast oppositionslosen Ja zu diversen Krediten (insgesamt knapp 100 Millionen Franken) gab das Basler Parlament im Mai 1995 grünes Licht für «Euroville». Eines der wichtigsten Teilprojekte bildete die neue Tramstrecke für die BLT-Linien 10 und 11 von der Münchensteinerbrücke bis zum Centralbahnplatz, ein partnerschaftliches Geschäft zwischen Basel-Stadt und Baselland. Doch «Euroville» umfasste auch die – umstrittene – Neugestaltung des Centralbahnplatzes sowie den Bau der Passerelle und die Neugestaltung des Südteils des Bahnhofs auf Gundeldinger Seite. Die Passerelle wurde 2003 eingeweiht, mit der Gewerbe- und Wohnüberbauung «Südpark» von Herzog & de Meuron an ihrem Gundeldinger Ende wird derzeit mit einer Verspätung von mehreren Jahren begonnen. Weitere Bauprojekte im Umfeld von «Euroville» sind das Jacob-Burckhardt- und das Peter-Merian-Haus von Zwimpfer & Partner entlang
der Geleise zwischen Postgebäude und Münchensteinerbrücke, in welchen heute verschiedene Unternehmen und Hochschul-Institute beheimatet sind. Auch das vier Jahre alte Elsässertor vis-à-vis der Markthalle von Herzog & de Meuron zählt dazu.

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