General, ledig, sucht ...

Von David Schaffner. Aktualisiert am 14.10.2009
Auf einer Schweizer Online-Singlebörse geben sich Betrüger als hohe amerikanische Offiziere aus,um Schweizer Frauen das Geld aus der Tasche zu ziehen.
Wie viele alleinstehende Frauen träumen wohl von einem solchen Mann? Beruflich erfolgreich, mit seinen über 50 Jahren immer noch gut aussehend, ausgezeichnet mit den höchsten Ehren seines Heimatlandes und doch etwas verloren im Leben. Die Ehefrau, mit der er lange glücklich verheiratet war, hat er bei den Attentaten auf das World Trade Center unter tragischen Umständen verloren. Seither sucht er nach der zweiten grossen Liebe. Um den elfjährigen Sohn, den er über alles liebt, kümmert er sich alleine.

Auf der Online-Singlebörse Friendscout24.ch versuchen momentan Betrüger mit genau dieser Masche – als «Romance Scam» oder «Love Scam» bekannt – an die Ersparnisse von Schweizerinnen im mittleren Alter heranzukommen. Sie benützen dabei – wohl neben anderen – den Profilnamen Curtis und bandeln mit Frauen an, die auf der Website einen Partner suchen. Um möglichst authentisch und echt zu wirken, bedienen sich die Betrüger teilweise der Identität eines der höchsten amerikanischen Militärs: des pensionierten Generals John P. Abizaid.

Schöne, gefühlvolle Worte

Der echte Abizaid ist ein waschechter amerikanischer Held: Er war der jüngste US-General mit vier Sternen, führte Militäroperationen in 25 Ländern und kommandierte zuletzt mehr als 250'000 Soldaten. Die Friendscout-Betrüger verwenden mehrere Bilder Abizaids und geben an, dass es sich dabei um Porträtaufnahmen ihrer selbst handelt. Im Mailverkehr mit den Frauen erfinden sie eine Biografie, die jener Abizaids gleicht. Nur den Namen Abizaid verwenden die Betrüger nicht – wohl aus Angst, dass der Bluff allzu schnell auffliegen könnte. Namen lassen sich im Internet schnell überprüfen, die Fotos von unbekannten Personen jedoch nicht.

Der Betrugsversuch auf Friendscout beginnt mit unzähligen Mails voller schöner, gefühlvoller Worte. Die Betrüger schreiben Frauen an, die neu ein Profil auf der Website eingerichtet haben. Sie geben sich zuerst zurückhaltend, schicken mehrere Fotos des attraktiven Abizaid. Dann kommen die Komplimente, wie ein dem TA vorliegender Fall zeigt. «Wunderschön» seien sie, schreiben die Betrüger den Schweizer Bekanntschaften, «nett, ehrlich, vertrauenswürdig und intelligent».

Der angebliche General und alleinerziehende Vater «wünscht sich von Herzen», dass «sie ihn genauso sehr mag wie er sie». Er erkundigt sich ausführlich nach ihrem Leben; will wissen, wie es den Kindern geht, wie das Leben während ihrer ersten Ehe war und seit wann sie wieder auf Partnersuche sei.

Eine Kiste voller Dollarnoten

Die neue Bekanntschaft wirkt lange angenehm, der Kontakt wird intensiver. Nach vielen Mails über die persönlichen E-Mail-Adressen folgen nächtelange Chats. Dann plötzlich wirkt der General aufgeregt. Er schreibt von einer grossen und wichtigen Auszeichnung, die er als Dank für seine militärischen Dienste im Irak vom irakischen Präsidenten erhalten habe. Mit dazu gehört die Summe von 500'000 US-Dollar in bar. Diese möchte er, weil Bankverbindungen aus dem Irak in die USA unsicher seien, per Kurier an seine Herzdame in die Schweiz schicken.

Als Überbringer beauftragt der angebliche General einen befreundeten Iraker, der in diplomatischen Diensten stehe. Als Attachment schickt er zwei Fotos: Eines zeigt einen unbekannten Mann, der gut leserlich einen diplomatischen Pass in das Bild hält. Das andere zeigt eine Kiste voller Dollarnoten.

Kurz darauf meldet sich der Diplomat per E-Mail bei der Schweizerin. In zwei Stunden reise er los. Er werde über Schweden in die Schweiz fliegen und ihr das Geld persönlich übergeben. Einige Stunden später schickt der angebliche Diplomat eine verzweifelte Mail: Er sitze fest am schwedischen Zoll, da der Stempel auf seinem Diplomatenpass abgelaufen sei. Um diesen kurzfristig erneuern zu können, müsse er ein Pfand in der Höhe von 11'500 Franken hinterlegen. 6000 habe er selber bezahlen können. Nun brauche er dringend die übrigen 5500 Franken.

Plötzlich jammert der General

Die Frau solle das Geld doch bitte umgehend per Western Union an eine Offizierin der schwedischen Zollbehörde schicken. Angefügt ist die Adresse einer Frau, die nach Recherchen des TA tatsächlich in der angegebenen Gemeinde in Schweden lebt. Nachdem die Single-Frau aus der Schweiz nicht umgehend bezahlt hat, erhält sie mehrere Anrufe mit unterdrückter Nummer: Der angebliche Diplomat und später der angebliche General versuchen sie dazu zu drängen, doch noch zu zahlen. Der General jammert, er würde alles verlieren, wenn sie ihn nun im Stich lasse.

Die Schweizerin, die den TA auf diese Betrugsversuche aufmerksam gemacht hat, wurde schon vor den Anrufen skeptisch. Sie recherchierte im Internet und fand heraus, dass unter den Opfern der Terroranschläge in New York keine Frau mit dem Namen der angeblichen Ehefrau des Betrügers war. Sie stellte fest, dass die angeblichen Porträtbilder John Abizaid zeigen und nicht ihre Internetbekanntschaft. Nach den Anrufen schrieb sie den beiden Betrügern, dass sie die Polizei eingeschaltet habe. Seither hat sie nichts mehr gehört von ihrem ruhmreichen General auf der Suche nach der Liebe seines Lebens.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 14.10.2009, 06:56 Uhr

Seriöse Sites prüfen Profile

Um Betrugsversuche zu verhindern, schalten seriöse Singlebörsen wie Friendscout neue Profile erst dann auf, wenn der Kundenservice die dazugehörenden Texte und Bilder überprüft hat. Dabei bleiben laut einer Firmensprecherin rund 0,3 Prozent der betrügerischen Profile unerkannt. Dank Hinweisen von Kunden würden solche Profile jedoch im Normalfall nach einigen Tagen auffliegen und dann sofort gesperrt. Daten der Betrüger wie beispielsweise Kreditkarten- oder Kontonummern setzt Friendscout auf eine Blacklist, damit sie nicht erneut verwendet werden können. Wenn die Börse feststellt, dass ein Nutzer die Bilder von fremden Menschen verwendet, sperrt sie sein Profil ebenfalls. Die Site Elitepartner gibt an, noch nie Beschwerden wegen Versuchen von Romance Scam erhalten zu haben. Die Problematik sei in der Branche jedoch bekannt. Bei Parship wurden bisher zwei Fälle registriert. (dav)

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