«Ein Cowboy braucht 25 Worte»

Von Bettina Bendiner. Aktualisiert am 24.02.2009
Als Bud Spencer prügelte er sich, nun spielt Carlo Pedersoli einen Mafia-Boss – im Interview spricht übers Spaghetti-Essen mit Terence Hill und über die Last seiner Lebens-Rolle.
topelement Bud Spencers grosse Karriere begann im Schwimmsport: Unter seinem gebürtigen Namen Carlo Pedersoli nahm er an der Olympiade in Helsinki 1952 und in Melbourne 1956 teil. Mehr Bilder (10)
Signore Spencer, worin unterscheidet sich Ihre Kunstfigur Bud Spencer von Carlo Pedersoli?
Oh, quasi totale, ein riesiger Unterschied! Carlo Pedersoli genoss eine gute Ausbildung und verfügt über eine durchschnittliche Intelligenz. Eine normale Existenz eben. Bud Spencer hat keine Kultur. Bud Spencer ist einfach gestrickt. Er repräsentiert einen Grossteil der Menschheit (lacht).

Wie gehts Ihrem alten Filmpartner, Terence Hill?
Gut. Wir haben uns vor ein paar Tagen auf einen Teller Spaghetti getroffen.

Es gab Gerüchte, dass Sie wieder zusammen filmen wollen. Haben Sie Pläne?
Wir finden bestimmt während der nächsten 18 Monate keinen gemeinsamen Termin. Mario (Terence Hill) beendet gerade einen Western. Danach steht er für die italienische Fernsehserie «Don Matteo» vor der Kamera. Und ich beginne im Mai mit der zwölfteiligen Serie «Die Fälle des Koch». Wir beide sind zurzeit einfach sehr beschäftigt.

Früher begeisterten Sie als Schlägertyp. Wie blieben Sie trotzdem flexibel für andere Rollen?
Mich interessiert gar nichts anderes. Was das Publikum liebt, das spiele ich gern. Ich bin was ich bin, eine Figur. Ein Vergleich: Auch eine Rolle wie James Bond kann man variieren. Unterschiedliche Schauspieler hauchen ihm auf verschiedenste Weise Leben ein. Nur eines möchte ich deutlich machen: Ich spiele meine Figur nicht, ich bin meine Figur.

Welche Rolle würden Sie gern noch übernehmen?
Angebote aus England bekomme ich häufig. Sie wollen, dass ich Gulliver verkörpere. Bis jetzt habe ich diese Charakterrolle immer abgelehnt. Physisch ginge das vielleicht (lacht und klopft sich auf den Bauch). Aber meine Englischkenntnisse reichen leider nicht.

Aber Sie haben doch bereits englische Filme gedreht.
Ja, insgesamt 80 von meinen 104 Filmen. Wie ich das geschafft habe? Ich sage immer: Ein Cowboy braucht nicht viele Worte. Etwa 25 (lacht). Er sagt lediglich Sachen wie: Schöne Frau, schönes Pferd. Dazu benötigt man nur ein beschränktes Vokabular. Für einen Macbeth oder eben auch einen Gulliver bräuchte ich viel mehr Vokabeln. Stört es Sie, wenn ich rauche?

Nein. Nur zu.
(Zieht an einer ultra slim Zigarette). Aber in einer Rolle als deutscher Bauer wäre ich gut. Die kommen auch mit wenigen Worten aus. So viel Deutsch kann ich gerade noch (lacht).

Warum spielen Sie in «Mord ist mein Geschäft, Liebling» den alternden Mafia-Boss Pepe?
Mich interessierte nur der spannende Plot. Mit der Mafia hat der Film nichts zu tun.

Schiessereien, Auftragsmörder, ein Mafia-Buchautor in Todesgefahr – um was geht es denn sonst?
Der Film handelt natürlich von «amore». Und die Komödie bringt erstmals den romantischen Gangsterfilm ins europäische Kino. Ähnliche Filme kennen nur die Amerikaner.

(NEWS)

Erstellt: 24.02.2009, 22:21 Uhr

Carlo Pedersoli

Carlo Pedersoli alias Bud Spencer kam 1929 in Neapel zur Welt. In den 50er-Jahren kämpfte er zweimal im italienischen Schwimmteam um olympisches Gold. Bekannt und beliebt wurde der Jurist als gutherziger Prügelknabe in Spaghetti-Western mit Terence Hill. Kommenden Donnerstag startet Bud Spencer sein Comeback im deutschen Kino. Er spielt in der Gangsterkomödie «Mord ist mein Geschäft, Liebling» einen alternden Mafia-Boss.

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