Sein öffentliches Geständnis, 1997 das Aufputschmittel Crystal Meth konsumiert zu haben, verteidigte Agassi: «Es gibt zwei Sorten Drogen im Sport: Da ist Doping, also leistungsfördernde Mittel, doch im Tennis wird extrem viel getestet; unser Sport ist sauber. Und da sind andere Drogen, bei mir war es Crystal Meth, und wenn Sportler positiv auf solche Sachen getestet werden, sollten wir sie nicht verdammen, sondern ihnen helfen. Weil sie in Not sind.»
Beziehung zu Graf öffnete Augen
Er habe Tennis gehasst, bekannte Agassi, den sein Vater schon als Kind zum täglichen Training gezwungen hatte. «Ich wollte nicht spielen und musste. Es war das falsche Leben, es war nicht meins.» Das professionelle Tennis beschreibt er als eiskalten Betrieb: «Getriebene waren wir alle, das ist ja das Brutale: Egozentrik wird belohnt, der Narziss siegt, Folter und Isolationshaft führen nach oben.» Nach seinem Rücktritt habe er Tennis nicht vermisst, sagte Agassi. «Ich konnte nie ertragen, dass ich nicht perfekt sein konnte, ich hielt nicht aus, wie sehr Niederlagen wehtaten. Es gab da keine Balance: Kein Sieg fühlte sich so gut an, wie eine Niederlage schmerzte.»
Erst seine Beziehung zu Steffi Graf, mit der er zwei Kinder hat, habe ihm die Augen geöffnet: «Stefanie hat mir beigebracht, geduldiger zu werden und mir selbst nicht mehr im Weg zu stehen. Ich bin verdammt früh berühmt, aber verdammt spät erwachsen geworden.» Er bewundere «die Art, wie sie ihren Ängsten entgegentritt», sagte Agassi. «Sie hat ja ein kraftvolles Leben geführt, ähnlich wie ich: hohe Einsätze, hoher Druck, hohe Erwartungen der ganzen Welt. Sie hat das mit Würde bewältigt - anders als ich.» Für ihn sei Graf «die Person, die so war, wie ich sein wollte, die sich selbst so genau kannte, dass sie niemals zögerte oder zweifelte. Das ist ja eine dieser Seiten, um die ich sie immer beneidet habe, noch ehe wir uns kannten.»
(ap)